# taz.de -- Spanien vor dem Spiel gegen Frankreich: Klarer Favorit – und weiter?
       
       > Vor ihrem Halbfinale gegen Frankreich gibt sich die „Selección“ sorglos
       > und optimistisch. Schließlich bildet sie ein bislang unschlagbares
       > Dream-Team.
       
 (IMG) Bild: Da wirkt er doch kurz etwas ratlos: Lamine Yamal beim Viertelfinale gegen Belgien
       
       Im spanischen WM-Quartier nahmen die Partys in den letzten Tagen gar kein
       Ende. Am Sonntag feierte Nico Williams seinen 24. Geburtstag. Am Montag
       wurde Lamine Yamal 19 Jahre alt, nachdem es am Donnerstag bereits den 21.
       Ehrentag seiner Freundin zu begehen galt. Und am Freitag? Waren beide
       sicher auch „in love“ und wurde en passant mit einem 2:1 über Belgien das
       Halbfinale erreicht.
       
       Nun kommt der Dienstag, und die „Selección“ trifft in einem klimatisierten
       Stadion in Texas auf ein Frankreich, das der ganze Planet als quasi
       unschlagbares Dream-Team und logischen Weltmeister beschreibt. Der ganze
       Planet? Lamine Yamal sagt: „Wenn hier irgendwer den anderen fürchten muss,
       dann sie uns.“
       
       Aus den Worten des Jahrhunderttalents spricht neben der Sorglosigkeit des
       Teenagers auch die Evidenz der jüngeren Geschichte. In den Halbfinals der
       EM 2024 wie der Nations League 2025 konnten die Spanier ihre nördlichen
       Nachbarn bezwingen.
       
       Der offenbar nicht nur taktisch, sondern auch historisch beflissene
       Auswahltrainer Luis de la Fuente weiß gar zu berichten, dass „wir die
       einzige Mannschaft sind, die jemals Frankreich in aufeinanderfolgenden
       Pflichtspielen besiegt hat“. Sein Amtskollege Didier Deschamps ist folglich
       gern einverstanden: „Spanien ist Favorit“, erklärt der Franzose. Dieses
       Etikett kann er abgeben, es hat noch nie Partien gewonnen.
       
       ## Keine Niederlage und nur ein Gegentor
       
       Das Selbstbewusstsein der Spanier speist sich nicht zuletzt aus einer Serie
       aus 36 Matches ohne Niederlage. Damit fehlt nur noch ein weiteres Spiel zur
       Egalisierung der Bestmarke von Italien (2018 bis 2021). Bereits aufgestellt
       hat Keeper Unai Simón einen WM-Rekord für Minuten ohne Gegentor. Inklusive
       der letzten Matches beim Ausscheiden nach Elfmeterschießen in Katar 2022
       blieb er bis zum belgischen Treffer exakt 650 Minuten lang unbezwungen.
       
       Das gekonnte Kopfballtor von Charles De Ketelaere folgte eine der wenigen
       Torchancen überhaupt von Spaniens WM-Gegnern, die in sechs Spielen zusammen
       auf einen „Expected Goals“-Wert von 1,83 kamen. Das ist sonst eine normale
       Quote für ein einziges Match.
       
       Das Spanien von 2026 erinnert damit an jenes von 2010, das dem Land den
       einzigen WM-Titel seiner Geschichte bescherte und auf dem Weg nur zwei
       Gegentore kassierte. Wie damals war Spaniens Spielkontrolle bisher
       umfassend und bedeutete gleichzeitig die beste Verteidigung.
       
       Auch individuell ist die Abwehr gegenüber jener des EM-Titels 2024 noch
       stärker, was an einem weiteren 19-Jährigen liegt – Pau Cubarsí. Der
       Vereinskollege Yamals vom FC Barcelona ist mit seiner Art der
       Vorwärtsverteidigung und seiner Passsicherheit ideal für den spanischen
       Spielstil; und ein perfekter Partner in der Innenverteidigung für den
       [1][eingebürgerten Franzosen] Aymeric Laporte.
       
       ## Schwachstelle Angriff
       
       Im Hinblick auf die Begegnung gegen Frankreich und seine Ausnahmeangreifer
       um Kylian Mbappé scheint es keine gewagte Prophezeiung, dass Spanien das
       Mittelfeld dominieren will. Frankreich hat dort seine wohl einzige
       Schwachstelle, während Rodri bei den Spaniern in den letzten Partien wieder
       die Glanzform der EM 2024 erreicht hat, die ihm damals den Goldenen Ball
       des Weltfußballers eintrug.
       
       Dani Olmo erweist sich als Bindeglied zum Angriff ebenfalls in exzellenter
       Verfassung, und der Joker Mikel Merino entschied mit seinen Vorstößen aus
       dem Zentrum sowohl gegen Portugal im Achtelfinale als auch gegen Belgien
       das Spiel. So lässt sich bisher sogar das bescheidene Turnier des
       etatmäßigen Spielmachers Pedri ertragen.
       
       Wenn Spanien trotz aller Stilsicherheit bisher kaum begeistern konnte, dann
       liegt das am Angriff. 2024 verblüffte dort die junge Flügelzange
       Yamal/Williams. Mit ihren Tempodribblings und Rhythmuswechseln gaben sie
       der Selección ungekannte individuelle Klasse, mit ihrer jugendlichen
       Unbekümmertheit ansteckend gute Laune. Für die Gegner waren ihre Antritte
       nicht auszurechnen, im eigenen Land wurden Hochgesänge auf die Bereicherung
       durch die beiden Einwandererkinder angestimmt.
       
       Zwei Jahre später hat ein [2][Ex-Ministerpräsident gerade Spanien mit einer
       rassistischen Bemerkung gegen die Wurzeln der französischen Spieler
       blamiert] – und plagen sich Lamine und Nico mit den Folgen von Verletzungen
       herum.
       
       ## Optimismus und Tanzeinlagen
       
       Yamal verpasste den letzten Teil der Klubsaison und musste sich während der
       WM zurück in Wettkampfverfassung spielen. Auch so ist er mit Abstand der
       gefährlichste Angreifer Spaniens, bindet Gegenspieler, hilft generös nach
       hinten mit aus und wird von den Teamkollegen nicht umsonst bei praktisch
       jedem Vorstoß gesucht.
       
       Das ganz große Spektakel lieferte aber bisher eher sein dreijähriger
       Halbbruder Keyne, der mit seinen Grimassen und Tanzeinlagen zum neuen
       Liebling der Nation avanciert.
       
       Williams wiederum konnte nur als Ersatzkraft anreisen und bisher kaum
       spielen. Doch seine 15 Minuten gegen Belgien zuletzt waren seine besten,
       erstmals wirkte er wieder schnell und spritzig. Spanien gibt das fast so
       viel Hoffnung wie der ungebrochene Optimismus von Yamal.
       
       Vor zwei Jahren bei der EM machte sich Lamine Yamal durch ein Traumtor im
       Halbfinale gegen Frankreich auch den letzten Zuschauern bekannt. Nun sagt
       De la Fuente über ihn, er sehe grenzenlose Motivation in seinem Gesicht:
       „Seine beste WM-Partie wird noch kommen. Dabei belasse ich es.“
       
       14 Jul 2026
       
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       Lamine Yamal ist Spaniens bester Fußballer. Weil er aber auch Muslim ist,
       würden ihn Rechtsextreme und -populisten am liebsten ausweisen.