# taz.de -- Niedersachsens neue Wasserstrategie: Wasserschutz mit Zuckerbrot und Peitsche
       
       > Niedersachsens Wassergesetz wird schärfer: Wer viel verbraucht, muss mehr
       > zahlen und dokumentieren. Die Strategie zum Gesetz steht im Masterplan
       > Wasser.
       
 (IMG) Bild: Viel zu wenig Wasser: Hitzewellen und lange Trockenperioden gefährden die Landwirtschaft
       
       Niedersachsen hat einen neuen [1][Masterplan Wasser]. Am Mittwoch stellte
       Umweltminister Christian Meyer (Grüne) diesen in einer Pressekonferenz in
       Hannover vor. Der Masterplan bündelt bisherige Maßnahmen und
       Problemanalysen. Erst vor wenigen Wochen hatte das Land sein Wassergesetz
       novelliert und damit die rechtlichen Grundlagen für die zentrale Strategie
       gesetzt.
       
       Einige Schlaglichter der vergangenen Wochen verdeutlichen die Brisanz für
       Niedersachsen. Da ist zum einen der Grundwasserstand, der einen
       Negativrekord nach dem anderen verzeichnet. Mehr als die Hälfte [2][der
       Messstellen im Land] zeigen ein sehr niedriges Niveau, und bei aktuell 8,1
       Prozent steht das Grundwasser sogar tiefer als je zuvor im Juli seit Beginn
       der Messungen. Auch die Ökosysteme der Gewässer leiden unter der Hitze.
       Ende Juni starben mehr als 1.000 Hechte im flachen Steinhuder Meer; aus dem
       Maschsee in Hannover wurden mehr als 400 Kilo toter Fisch gezogen.
       
       Ein weiteres Problem ist der Starkregen. Erst am Montag gab es rund um
       Hannover massive Regenfälle; für einzelne Ortsteile wurden Niederschläge
       von mehr als 60 Liter in einer halben Stunde gemeldet. „Solche gewaltigen
       Mengen kann keine Kanalisation erfassen“, sagt Umweltminister Meyer.
       
       ## Ein Wegweiser fürs Management des Wassers
       
       Vieles von dem, was im Masterplan Wasser steht, ist nicht neu:
       Hochwasserschutz durch Deiche etwa oder die Renaturierung von Flüssen, der
       Schutz vor Starkregen durch mehr Versickerung oder das Sparen und Sammeln
       von Wasser als Schutz vor den Auswirkungen von Dürre.
       
       Der 146 Seiten umfassende Bericht soll für Land, Öffentlichkeit und
       Kommunen ein „Wegweiser für ein zukunftsorientiertes Wassermanagement“ mit
       drei Kernbereichen sein. Neben dem Schutz vor Überschwemmungen und
       Überflutungen geht es um den quantitativen und qualitativen Schutz des
       Wassers: Je weniger ein Gewässer mit Schadstoffen belastet ist, desto
       besser hält es dem Klimawandel stand.
       
       Erst vor ein paar Wochen hat Niedersachsen sein Wassergesetz verabschiedet.
       Während der Masterplan die Richtung vorgibt, soll das Gesetz den Weg dahin
       ermöglichen. Vor allem soll es Prozesse beschleunigen und vereinfachen, man
       habe einen „Turbo geschaffen“, behauptet Meyer.
       
       So brauche es für den Deichbau oder für Renaturierungen nun keine
       zusätzliche Umweltverträglichkeitsprüfung mehr. „Bisher haben wir bei
       Deichen eine Genehmigungsdauer von 12 Jahren. Das muss einfach schneller
       gehen“, so Meyer. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat diese
       [3][grundsätzliche Erlaubnis für Deichprojekte in einer Stellungnahme] vor
       einem halben Jahr kritisiert.
       
       ## Mehr Druck beim Wassersparen
       
       In vielen Punkten des Gesetzes geht es ums Wassersparen. Viele Kommunen in
       Niedersachsen rufen schon jetzt dazu auf, doch oft fehlen ihnen die nötigen
       Druckmittel. Künftig soll vor allem der Preis Haushalte zum Sparen
       animieren. Gebühren können neu gestaffelt werden. Belohnt wird, wer wenig
       verbraucht. Wer Badewannen und Pools füllt oder große Gärten bewässert, der
       zahlt nach den neuen Gebührenmodellen drauf.
       
       Das Wassergesetz führt auch schärfere Bestimmungen zur Wasserentnahme ein.
       Die Stadt Lüneburg musste von 2020 bis 2023 einen jahrelangen Rechtsstreit
       führen, um [4][die Errichtung eines weiteren Brunnens des dortigen
       Coca-Cola-Werks zu verhindern]. Nun können Gemeinden Ansiedlungen oder
       Erweiterungen von Großverbrauchern ablehnen, wenn absehbar ist, dass das
       Grundwasser dadurch überbeansprucht wird. Das neue Gesetz schließt damit
       einige Lücken, die Naturschutzverbände [5][bei der letzten Novelle 2021
       noch kritisiert hatten].
       
       Auch Verbote sind möglich: Kommunen und Landkreise können Bauern
       untersagen, in der Mittagszeit die Felder zu bewässern; Höfe, die besonders
       viel Wasser verbrauchen, müssen die Entnahme messen und dokumentieren. In
       Gewerbegebieten können Gemeinden die Nutzung von Brauchwasser vorschreiben,
       um Trinkwasser zu sparen. Auch Bußgelder können verhängt werden. Verboten
       werden soll künftig auch die Förderung von Öl und Gas in
       Wasserschutzgebieten. Umweltverbände hatten das seit Langem gefordert.
       
       Auch Zuckerbrot gibt es natürlich. Ein Beispiel sind neue Fördergelder für
       Landwirte, die Rückhaltebecken bauen. 100 Millionen Euro stellt das
       Landwirtschaftsministerium dafür zur Verfügung. Geld fließt auch in den
       Hochwasser- und Küstenschutz, in die Renaturierung von Gewässern und die
       Entwicklung von Mooren. Der Naturschutzverband (Nabu) Niedersachsen begrüßt
       das Programm. Insgesamt fehle es aber an Verbindlichkeit, so ein Sprecher
       gegenüber dem NDR.
       
       ## Klimaanpassung kostet Geld – Klimakrise aber auch
       
       All das werde „Milliarden“ kosten, sagt der Umweltminister. Allein um die
       Deiche um einen Meter zu erhöhen, kämen über die Jahrzehnte wohl 5 bis 15
       Milliarden Euro zusammen. Aber: „Vor allem kostet die Klimakrise
       Milliarden, durch Extremwetterschäden und den Verlust von
       Arbeitseffizienz“, so Meyer. Allein Niedersachsen zahle jedes Jahr 80
       Millionen als Solibeitrag für die Ahrtalkatastrophe.
       
       Geld für die Klimafolgenanpassung in den Kommunen gibt es vom Land ab 2027
       mit dem geplanten Förderprogramm „Klima Kommunal Niedersachsen Invest“
       (Klikoni). 120 Millionen Euro sind veranschlagt, 90 davon stammen [6][aus
       den Mitteln des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität] des
       Bundes.
       
       Die Kommunen bekommen das Geld dann nach einem festen Schlüssel bewilligt,
       es müssen keine Anträge gestellt werden. Ob öffentliche Gebäude energetisch
       saniert werden, ein Schwammstadtkonzept erstellt wird oder eine
       Fluss-Wärmepumpe gebaut, bleibt dabei ihnen überlassen: Wer Maßnahmen aus
       dem Klikoni-Katalog umgesetzt hat, kann sie am Ende des Jahres einreichen
       und bekommt das Geld aus dem Topf zurück.
       
       16 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/wasser/masterplan_wasser/
 (DIR) [2] https://www.grundwasserstandonline.nlwkn.niedersachsen.de/Start
 (DIR) [3] https://www.bund-niedersachsen.de/service/meldungen/detail/news/aenderung-niedersaechsisches-wassergesetz-nwg-bund-begruesst-absichten-fordert-aber-erhebliche-nachbesserungen/
 (DIR) [4] /Streit-ums-Grundwasser/!5708902
 (DIR) [5] /Niedersachsens-neues-Wassergesetz/!5814054
 (DIR) [6] /Neue-Haushaltsplaene/!6193452
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotta Drügemöller
       
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