# taz.de -- Dynamische Wasserpreise: Knappes Wasser, teures Wasser
       
       > Die Klimakrise lässt Trinkwasserreserven knapp werden. Dynamische Preise,
       > die sich nach der Verfügbarkeit von Wasser richten, könnten zum Sparen
       > anregen.
       
 (IMG) Bild: Setzen die Versorgung mit Trinkwasser in Deutschland immer stärker unter Druck: lange Trockenphasen und extreme Hitze
       
       Sollte Wasser teurer werden, wenn es knapp ist? Dynamische Preise, die
       Angebot und Nachfrage im Viertelstundentakt widerspiegeln, etablieren sich
       in der Stromwirtschaft immer mehr. Beim Wasser ist es zwar komplizierter,
       aber eine entsprechende Debatte läuft auch hier.
       
       Lange Trockenphasen und extreme Hitze, verschärft durch die Klimakrise,
       setzen die Trinkwasserversorgung in Deutschland immer stärker unter Druck.
       Mitte Juli hat die Stadt München die Wassernutzung per Verfügung
       eingeschränkt, zum Beispiel dürfen die Bewohner erst ab 19 Uhr den Garten
       wässern. Auch in Brandenburg an der Havel und Potsdam gelten strenge Regeln
       für die Wasserentnahme.
       
       Für dynamische Wasserpreise spricht sich nun etwa das niedersächsische
       Umweltministerium aus, denn es seien „gerade im Sommer und in Zeiten
       angespannter Wasserreserven weitere finanzielle Anreize zum Wassersparen
       wichtig“. 2025 untersuchte die wasserwirtschaftliche Beratung Mocons aus
       Mülheim an der Ruhr [1][in einem Gutachten] für Hessens Umweltministerium
       die Frage, wie die Preisgestaltung die Trinkwassernachfrage beeinflussen
       kann.
       
       Grundsätzlich gebe es zwei Gründe, die Wassernachfrage vorübergehend zu
       senken, sagt einer der Autoren der Studie, Christoph Czichy: „Es kann
       einerseits um Probleme mit dem Wasserdargebot gehen, etwa [2][wenn Brunnen
       drohen, trocken zu fallen].“ Andererseits könne es „stundenweise Engpässe
       bei den Systemkapazitäten geben, wenn zum Beispiel Pumpen und Filteranlagen
       überlastet sind“.
       
       Im erstgenannten Fall bräuchte es Preise, die in einer Trockenphase über
       Wochen hinweg erhöht sind, um Kunden grundsätzlich zum Wassersparen
       anzuhalten. Im zweiten Fall bräuchte es Preise, die sich im Tagesverlauf
       ändern, damit Verbräuche in Stunden mit geringerer Nachfrage verschoben
       werden.
       
       ## Unterschiedliche Regelungen für Wasserpreise
       
       Rechtlich ist das jedoch schwierig. Die Preissetzung beim Trinkwasser ist
       nämlich auf Landesebene durch das jeweilige Kommunalabgabengesetz (KAG)
       geregelt. In einigen Bundesländern heißt es im KAG immerhin: Die
       Wassergebühren sind so festzulegen, dass sie „dem sparsamen Umgang mit
       Wasser“ dienen. Daraus ließe sich die Zulässigkeit höherer Preise ableiten,
       wenn [3][eine Wasserknappheit besonders sparsamen Umgang erfordert].
       
       Rechtsanwalt Johannes Heyers aus Essen weist darauf hin, dass nach dem
       aktuellen Gesetz die „Preise kostenorientiert gestaltet“ werden müssen. Ein
       Wasserversorger, der höhere Preise in Zeiten der Verknappung erhebt, müsste
       also nachweisen, dass für ihn der finanzielle Aufwand gestiegen ist.
       
       Das wäre zum Beispiel dann möglich, wenn der Zukauf in Zeiten von Engpässen
       bei einem Fernwasserversorger teurer ist als das Wasser aus den eigenen
       Quellen. Heyers stellt zudem infrage, wie groß der Effekt durch dynamische
       Wasserpreise wirklich wäre. Sparsamkeit schlage sich in der Stromrechnung
       der Verbraucher viel deutlicher nieder.
       
       Technisch machbar wären dynamische Preise mit digitalen Zählern.
       Herausfordernd ist jedoch die Vielfalt der bestehenden Wasserzähler und
       Ableseverfahren. Dynamische Preise gehen mit häufigen Ableseterminen
       einher. „Stark wachsend“ sei zwar die Datenübertragung über Festnetz oder
       Funk, heißt es beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, doch
       [4][„echte“ Smart-Metering-Lösungen] hätten „derzeit noch einen geringen
       Anteil“.
       
       Aus der Wasserwirtschaft kommen dennoch Stimmen, die sich offen für das
       neue Preismodell zeigen. Berater Czichy meint: „Aus Gründen der
       Praktikabilität bieten sich dynamische Preise vor allem für Großkunden an.“
       Ob es sinnvoll ist, das Modell auf kleinere Wasserverbraucher auszudehnen,
       werde sich dann zeigen.
       
       29 Jul 2026
       
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 (DIR) [1] https://landwirtschaft.hessen.de/sites/landwirtschaft.hessen.de/files/2026-01/hmlu-gutachten_massnahme_m_9_final_an_hmlu.pdf
 (DIR) [2] /Trockenheit-in-Iran/!6130644
 (DIR) [3] /Wasserknappheit-in-den-Niederlanden/!6199372
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