# taz.de -- Film „Slanted“: Und schon ist sie eine Weiße
       
       > In der Science-Fiction-Satire „Slanted“ tauscht eine Schülerin den
       > Körper, um dazuzugehören. Die Kritik am Anpassungswahn verzichtet aufs
       > Subtile.
       
 (IMG) Bild: Wenn das Unbehagen am Anpassungsdruck real wird: Jo (McKenna Grace) in „Slanted“
       
       Die amerikanische Flagge, ein „All American Burgers“-Werbeplakat mit zwei
       Blondinen in Stars-and-Stripes-Bikinis, später ein Laden in einer Strip
       Mall mit dem Namen „Prayers and Ammo“: Das ist das schöne Land, in das die
       kleine Joan Hung (Shirley Chen) gerät. Ihre Eltern sind Migranten aus
       China, der Vater darf seinen amerikanischen Traum als Reinigungskraft
       ausleben, die Herrin des Hauses behandelt ihn dabei mit einem Rassismus des
       Wohlwollens sehr von oben herab. Kein schönes Bild der USA, das Regisseurin
       und Drehbuchautorin Amy Wang hier zeichnet.
       
       Und da hat der wahre Horror noch lang nicht begonnen. Zeitsprung, zehn
       Jahre später, Joan auf der High School, ihre beste Freundin hat indischen
       Migrationshintergrund und begeistert sich für das chinesische Essen, das
       Joans Mutter jeden Tag als Pausenproviant zubereitet. Joan aber will nicht
       von ihr, sondern von den blonden Influencerinnen (Update des alten
       Cheerleaderinnen-Klischees) und den weißen Jocks anerkannt werden. So
       bewirbt sie sich um den Titel der Prom Queen, eine ernste Sache mit
       Plakaten und Wahlkampf, und wird verhöhnt und verlacht. Kein Wunder: Das
       Maskottchen des Schulteams der Wizards sieht aus wie ein
       Ku-Klux-Klan-Mitglied.
       
       Joan ist zu allem bereit. Schminkt sich, klemmt sich eine Wäscheklammer auf
       die Nase, färbt sich die Haare blond, bekommt auf der Stelle Anerkennung
       dafür bei der allseits beliebten Influencerin Olivia (Schauspielerin Amelie
       Zilber ist selbst sehr erfolgreiche TikTokerin, Aktivistin für die
       Demokraten und Model für Dior und Ralph Lauren), auf deren Prom-Queen-Votum
       die ganze Schule schon wartet. Und dann ist es mit der Anerkennung vorbei,
       als Olivia die schwarze Stelle an Joans Haaransatz sieht: Mit allen Zeichen
       des Ekels wendet sie sich wieder ab.
       
       Nun schüttelt „Slanted“, bis dahin einfach eine böse
       High-School-Rassismus-Satire, eine Wendung zur Science-Fiction in Gestalt
       einer mysteriösen Firma mit dem schönen Namen Ethnos aus dem Ärmel. Die
       verspricht ihren Kundinnen und Kunden nicht das Blaue vom Himmel, sondern
       die Transformation des ethnisch Diversen ins ganz und gar Weiße.
       
       Eine nicht weiter schmerzhafte medizinische Prozedur verwandelt das Äußere
       mit Haut, Augen und Haar, und zwar komplett. Ein Zurück zum früheren
       Zustand ist leider nicht möglich. Joan ist nach der Operation äußerlich
       nicht wiedererkennbar, eine attraktive weiße Blondine, wie es unzählige
       gibt (Mckenna Grace). Die Eltern sind, als sie alles begreifen, mehr als
       entsetzt.
       
       ## Die Kosten der wundersamen Transformation
       
       Auf Körperhorror Nummer eins folgt Körperhorror Nummer zwei. Die neue Haut
       beginnt sich zu schälen, die Züge des Gesichts geraten ins Rutschen.
       Dagegen hilft, wenngleich nur bedingt, eine Art Thesafilmkleber. Wie in
       [1][Caroline Fargeats oscarnominiertem Heuler „The Substance“], in dem sich
       die nicht mehr junge schöne Demi Moore in die junge schöne Margaret Qualley
       verwandelt, ist die wundersame Transformation nicht ohne Kosten zu haben.
       Im Übrigen ist auch sonst nicht alles so weiß, wie es scheint.
       
       Wie in „The Substance“ ist die satirische Kritik am Anpassungswahn (hier
       Jugend, da Weißsein) nicht gerade subtil, dafür so entschlossen stumpf,
       dass sie keine Gefangenen macht. Wie in „The Substance“ scheint die
       Hoffnung auf eine Gesellschaft, der man sich nicht auf Gedeih und Verderb
       anpassen muss, von Beginn an außerhalb des Vorstellungsrahmens.
       
       Anders als „The Substance“ flüchtet sich „Slanted“ allerdings nicht Hals
       über Kopf in Drastik und blutigen Gore. Der Film endet in einer etwas
       unentschiedenen Ratlosigkeit, an der so viel richtig sein dürfte, dass die
       Sehnsucht nach Anpassung der Einzelnen keine plausiblen Auswege lässt.
       
       16 Jul 2026
       
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