# taz.de -- Fantasyfilm „Dust Bunny“: Ängste lassen sich nicht erschießen
> Dieses Monsterkarnickel ist allzu real: Bryan Fuller inszeniert den
> Fantasyfilm „Dust Bunny“ als hinreißenden Albtraum.
(IMG) Bild: Aurora (Sophie Sloan) und Bewohner 5b (Mads Mikkelsen) kämpfen in „Dust Bunny“ gegen Monster
Unter dem Bett lauert das Monster. Unter dem Fußboden, genauer gesagt. Ein
Wesen, das der Fantasie der zehnjährigen Aurora (Sophie Sloan) entsprungen
scheint, ein zusammengeknäultes Häufchen Staub, also das, was ein „Dust
Bunny“ ist. Nur dass dieses Häufchen als ein riesiges Kaninchen mit enormen
Hauern zum Leben erweckt worden ist. Und als solches hat es die
Pflegeeltern von Aurora verspeist, da ist sie ganz sicher, auch wenn sie
selbst, die Decke über dem Kopf, verschont worden ist. Sie ist nicht
unbedingt traurig, denn die Pflegeeltern waren nicht nett. Aber sie will
natürlich, dass das Riesenkaninchen verschwindet.
„Dust Bunny“ legt los wie der Teufel. Erst der Monsterangriff. Dann
verfolgt Aurora den Nachbarn aus der Wohnung 5b ([1][Mads Mikkelsen]) in
eine Schlacht gegen riesige Schlangen in Chinatown. Das ist ihr Mann, denkt
sie, klaut das Klingelbeutelgeld aus der Kirche und heuert ihn an: als
Jäger. Nicht erst hier scheint klar: Das ist ein Fantasyfilm. Das Monster
eine Fantasieausgeburt, die Welt, in der sich das alles bewegt, aus der
Realität, die man kennt, verschoben in eine seltsam schöne
Jugendstiltraumarchitektur.
Schön, aber auch kafkaesk: Mit kämpfenden Nachbarn, rätselhaften Agenten,
in warme Farben getaucht, mit Dim-Sum-Speisen, die zappeln, wenn man sie
isst. Im Restaurant zieht ein Hai in einem Riesenaquarium seine Kreise. Der
Nachbar trifft sich mit einer so attraktiven wie unheimlichen älteren Frau
(Sigourney Weaver), von der man erst ganz am Ende erfährt, wer sie
eigentlich ist.
Diese Welt ist ein Albtraum, an dem vieles hinreißend ist, aber sie
beherbergt viel Horror. Nicht nur in Gestalt von Monsterkaninchen. Hier
werden Menschen getötet, zerstückelt, in Koffer gepackt. Hier werden
Gewaltorgien, wenn auch sehr eigentümlich, choreografiert. Und die Kamera
dringt, nicht nur durch Wände hindurch, ein in die Dingwelt.
## Sie lässt sich keine falsche Wirklichkeit vormachen
„Dust Bunny“ ist ein Fantasyfilm, der die Fantasie des Kindes aber beim
Wort nimmt. Das Monster ist, wie die Angst, die ihm zugrunde liegt, allzu
real. Aurora, von Sophie Sloan im Seelenaufruhr mit enormer Körperruhe
gespielt, ist die wahre Heldin, weil sie sich keine falsche Wirklichkeit
vormachen lässt. Ängste lassen sich wie übermächtige Monsterkarnickel nicht
einfach erschießen oder überhaupt überwinden. Was man kann: sie bezähmen.
Und das ist das, was geschieht.
Der Film ist das Debüt eines Mannes, der schon ein vielgestaltiges und
episodenreiches Werk in die Welt gesetzt hat. [2][Bryan Fuller ist in der
Welt der Fernsehserien ein Star]. Seit dem großartigen „Dead Like Me“
(2003/2004) hat er an der Grenze von Wirklichkeit und Fantasie laboriert,
schrulliger als David Lynch, eine Art Fernsehkafka in bunt. Aus seinem
größten Erfolg „Hannibal“ (2013 bis 2015) hat er Hannibal Lecter, eben Mads
Mikkelsen, in das Spielfilmdebüt mitgebracht.
Wie ohnehin das „Fullerverse“ immer schon durchlässig war. Figuren aus der
einen Serie sind später in anderen Serien als Nebenfiguren wiedergekehrt.
Dass alles in einer dehnbaren, für die Realität durchlässigen, aber in sich
doch auch geschlossenen Eigenwelt spielt, ist die autorschaftliche Prämisse
von Fullers Werk. In gewisser Weise ist „Dust Bunny“ vor allem Arbeit an
einem traumschlossförmigen Seitenbereich dieser Welt.
Mehr Worldbuilding als Story, sehr viel mehr liebevolle Modellierung von
Gestalt, Raum, Fantasie und Figur als lineare Plot-Architektur. Das mag für
sich und als eigener Film eine Sackgasse sein. Aber es ist eine Sackgasse,
die so wunderbar ausstaffiert ist, dass man in ihr die zu Zielen führenden
Wege gerne eine Weile vergisst.
4 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ekkehard Knörer
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