# taz.de -- Serenadenkonzert in Schöneberg: Klassische Musik für den Zusammenhalt im Regenbogenkiez
       
       > Jedes Jahr findet im Nollendorfkiez ein Serenadenkonzert unter freiem
       > Himmel statt. Damit soll am Mittwoch ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Schon vor dem Konzert großes Publikum: öffentliche Generalprobe des Serenadenkonzerts vor drei Jahren
       
       Die Eisenacher Straße ist eine der längsten Straßen in Schöneberg, sie
       liegt im Regenbogenkiez, in der Nähe des Nollendorfplatzes und weist einige
       Baulücken auf. Eine davon ist der Kinderspielplatz an der Ecke
       Fuggerstraße, wo am 15. Juli um 21 Uhr das jährliche Serenadenkonzert
       stattfindet: klassische Musik soll die Nachbarschaft zusammenbringen.
       
       Im Jahr 2017 wurde das Serenadenkonzert auf private Initiative von Pascual
       Jordan und dem verstorbenen Professor Rudolf Prinz zur Lippe ins Leben
       gerufen: Unter dem Motto „Schönheit gegen Gewalt“ soll ein „Zeichen für
       Respekt und Vielfalt“ gesetzt werden, heißt es vom Bezirksbürgermeister
       Jörn Oltmann in einer Pressemitteilung – gerade angesichts „der
       besorgniserregenden Zunahme von Übergriffen auf queere Menschen“.
       
       Es geht aber auch um den Ort der Veranstaltung selbst: Der Kinderspielplatz
       an der Eisenacher/Ecke Fuggerstraße ist dafür bekannt, dass er nachts von
       Sexarbeitern genutzt wird. Außerdem würde er nachts zu einem „Treffpunkt
       für Drogendealing und Überfälle“, sagt Pascual Jordan, der Veranstalter vom
       Serenadenkonzert, der hier im Kiez lebt. Einmal im Jahr wolle man mit dem
       Konzert Aufmerksamkeit auf den Ort lenken und ihn „wiederbeleben“, so
       formuliert es Jordan.
       
       Der Platz ist laut Polizei nicht offiziell als kriminalitätsbelasteter Ort
       (kbO) eingestuft. Als solchen definiert die Polizei Orte, an denen
       Straftaten „von erheblicher Bedeutung“ wie gefährliche Körperverletzungen,
       Rauschgifthandel oder Raubtaten verübt werden. Diese Einstufung befugt die
       Polizei zu verdachtsunabhängigen Durchsuchungen und
       Identitätsfeststellungen. Unabhängig von den Parametern der Polizei für
       eine solche Einstufung sehen Anwohnende jedoch eine starke
       Kriminalistätsbelastung vor Ort, sagt Notker Schweikhardt, Mitglied der
       Grünen, der seit über 25 Jahren im Kiez wohnt. Er spricht von hohen
       Diebstahl- und Einbruchszahlen.
       
       ## Dem Kiez wieder Leben einhauchen
       
       Um für mehr Sicherheit zu sorgen, hat das Bezirksamt zum Beispiel die
       Projektidee „Nachtbürgermeister Regenbogenkiez“ entwickelt, wobei die Ecke
       Fugger-/Eisenacherstraße einer von zwei Stützpunkten im Kiez ist. Sie soll
       als Anlaufstelle und Kommunikationspunkt für den direkten Kontakt mit
       Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Tourist*innen dienen. Beauftragt
       wurde damit [1][MANEO, das schwule Anti-Gewaltprojekt], das sich für die
       LSBTIQ*-Community einsetzt.
       
       Das Serenadenkonzert wird vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit dem Ziel
       gefördert, ein friedliches Miteinander im Bezirk zu fördern. „Das ist der
       eine Tag im Jahr, wo sich Anwohnende den Platz zurückholen“, sagt
       Schweikhardt über das Open-Air-Konzert. Anstelle von Polizeipräsenz, die
       oft um den Kinderspielplatz herum herrsche, sieht der Veranstalter des
       Konzerts einen anderen Weg, um Sicherheit zu schaffen: „Der Ort müsste von
       den Anwohnenden intensiver genutzt werden“, findet Jordan.
       
       Um das zu erreichen, müsse der Platz erst einmal zu einem Ort des
       Verweilens gemacht werden, stellt er klar: „Um den Platz herum haben
       Anwohnende letztes Jahr beim Konzert Kerzen auf die Balkone und in die
       Fenster gestellt“, beschreibt Jordan die Atmosphäre – „es ist fast, als
       würden die Leute von Rängen in der Oper aus zuschauen“. Mit dem
       Unterschied, dass es keine Eintrittskosten und Reservierungen für das
       Konzert gibt: „Jeder kann dazustoßen. Es soll ein Ort für alle sein“,
       betont der Veranstalter.
       
       13 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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