# taz.de -- Folgen der Hitze: Der superheiße und extrem tödliche Sonntag
       
       > Am 28. Juni starben laut Statistischem Bundesamt 4.452 Menschen. Fast
       > 1.900 mehr, als erwartbar gewesen wäre. Nie wurden mehr Tote an einem Tag
       > gezählt.
       
 (IMG) Bild: Bei großer Hitze besser Fenster zu und Vorhang schließen
       
       Die nächsten Tage werden wieder heiß. Nicht so heiß wie bei dem
       historischen [1][Hitzedom] Ende Juni, als die [2][Temperaturrekorde
       reihenweise gebrochen] wurde. Aber im Südwesten Deutschlands ist laut
       Deutschem Wetterdienst (DWD) Montag und Dienstag mit bis zu 37 Grad zu
       rechnen. Bis Samstag klettern die Thermometer jeden Tag über die
       30-Grad-Marke.
       
       Dass solche extrem heißen Tage nicht nur Sommerfreuden bedeuten, hat sich
       mittlerweile herumgesprochen. Wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) am
       Donnerstag seinen nächsten Wochenbericht zu den Hitzetoten in Deutschland
       vorstellt, könnte ein weiterer Rekord gebrochen werden: die Höchstzahl an
       Hitzetoten aus dem Jahr 2018. Sie lag laut RKI bei 8.000.
       
       Schon bis Ende Juni dieses Jahres, schätzt das RKI [3][laut den am
       Donnerstag vorgelegten Zahlen], gab es bereits 5.120 Hitzetote. Die
       Auswirkungen der Extremhitze könnten sogar noch größer sein als mit dem
       Hitze-Modell berechnet, schrieb das RKI [4][in seinem Wochenbericht] mit
       Verweis auf das Statistische Bundesamt. [5][Das hatte allein für die Woche
       vom 22. bis 28. Juni] [6][eine Übersterblichkeit von 6.800] [7][geschätzt.]
       Das heißt, es sind Tausende mehr gestorben, als aufgrund der Zahlen aus den
       Vorjahren zu erwarten war.
       
       Wie dramatisch sich die Hitzewelle auswirkt, zeigen vom Statistischen
       Bundesamt veröffentlichte vorläufige Tageswerte. Demnach sind am 28. Juni
       in Deutschland 4.452 Menschen gestorben. Das ist der mit Abstand höchste
       Wert in der Tabelle des Amtes, in der die Sterbezahlen zu jedem Tag seit
       2021 erfasst sind.
       
       Mitte Juni lag die Sterbeziffer bei gut 2.400 je Tag, bevor sie erst
       langsam und dann rasant anstieg. Auf über 3.000 am Donnerstag, auf über
       4.000 am Samstag und auf den Rekordwert am Sonntag, an dem allein rund
       1.900 Menschen mehr starben, als zu dieser Jahreszeit zu erwarten gewesen
       wäre. Der tödliche Sonntag war der superheiße Tag, an dem die
       Rekordtemperatur von 41,7 Grad gemessen wurde.
       
       Dass diese [8][Übersterblichkeit] durch die Hitze verursacht wurde, lässt
       sich nur vermuten. Allerdings gibt es auch keine andere Erklärung dafür.
       Vor allem betroffen sind die alten Menschen. Mehr als die Hälfte der
       Hitzetoten war laut RKI über 85 Jahre alt. Doch auch wer 85 Jahre alt
       geworden ist, hat eigentlich in Deutschland [9][noch eine Lebenserwartung
       von im Schnitt über 5 Jahren].
       
       Betroffen sind aber auch jüngere. Laut RKI gab es rund 300 Hitzetote, die
       jünger als 65 Jahre alt waren. Hinzu kommen Menschen, die indirekt Opfer
       der Hitze wurden. So sind laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft
       DLRG [10][im Juni in Deutschland mindestens 99 Menschen ertrunken].
       
       Die DLRG verwies darauf, dass 90 Prozent der Todesopfer im Juni Männer
       waren. Sie gingen häufiger als Frauen zu viel Risiko ein, unterschätzten
       die Gefahren und gingen zudem öfter berauscht von Alkohol oder anderen
       Drogen ins Wasser, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.
       
       Die meisten tödlichen Unglücke im Juni ereigneten sich den Lebensrettern
       zufolge in Seen, die wegen der Hitzewelle deutlich häufiger als Badestellen
       genutzt wurden. Dort seien 55 Menschen ums Leben gekommen, 21 Menschen
       ertranken in Flüssen, jeweils 6 in Schwimmbädern, im Meer sowie in Kanälen.
       
       Dennoch ist die durch den Klimawandel häufiger gewordene Hitze hierzulande
       weiterhin offenbar kein Thema für die politisch Verantwortlichen – ganz
       anders als im Nachbarland Frankreich. Dort wurde wegen der bereits dritten
       Hitzewelle dieses Sommers am Sonntag für mehr als ein Drittel der Bewohner
       des Landes die höchste Hitzewarnstufe ausgerufen. Sogar bei der unantastbar
       scheinenden Tour der France wurde die Etappe am Sonntag zwar nicht
       abgesagt, aber wegen erwarteter Temperaturen von bis zu 40 Grad um 30
       Kilometer verkürzt.
       
       13 Jul 2026
       
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 (DIR) [5] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html
 (DIR) [6] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html
 (DIR) [7] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html
 (DIR) [8] https://robert-koch-institut.github.io/Bericht_zur_Uebersterblichkeit_in_Deutschland/#/
 (DIR) [9] https://genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/12621/table/12621-0001
 (DIR) [10] /Badetote-in-Deutschland/!6195379
       
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 (DIR) Gereon Asmuth
       
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