# taz.de -- Hitzewelle und Übersterblichkeit: 8.300 Tote zu viel in nur fünf Tagen
> Das extrem heiße Wochenende Ende Juni hat offenbar viel mehr
> Menschenleben gekostet als bisher bekannt. Das zeigen neue Zahlen des
> Statistischen Bundesamtes.
(IMG) Bild: Hitzebedingte Gewitter über der Skyline von Frankfurt am Main am 1. Juli
Die fatalen Folgen der Hitzewelle Ende Juni sind offenbar noch deutlich
dramatischer als bisher bekannt. Laut am Dienstag [1][veröffentlichen
Zahlen des Statistischen Bundesamt] sind allein von Freitag, den 26., bis
Dienstag, den 30. Juni in Deutschland 20.846 Menschen gestorben. Das sind
krasse 8.346 mehr, als sonst üblich gewesen wären.
Am besagten letzten Juniwochenende waren die höchsten jemals registrierten
Temperaturen in Deutschland gemessen worden. In der Spitze lagen sie bei
41,7 Grad an der Oder in Brandenburg. Im ganzen Land erreichte die
Durchschnittstemperatur neue Extreme, mit ungewöhnlich hohen 37 Grad am
Samstag. Das hatte deutschlandweit zu [2][extremer Belastung in den
Notaufnahmen der Kliniken] geführt.
Üblicherweise werden im Schnitt rund 2.500 Tote pro Tag gezählt. In der
Tabelle des Statistischen Bundesamtes, die bis Januar 2021 zurückreicht,
stieg die Zahl höchstens durch Grippewellen mal über 3.500. Der höchste
Wert überhaupt wurde kurz vor Weihnachten 2022 gemessen, als 4.225 Tote an
einem einzigen Tag gezählt wurden.
Im Sommer sterben üblicherweise weniger Menschen als im Winter. Dennoch
wurde der bisherige Höchststand laut den am Dienstag veröffentlichten
Zahlen Ende Juni gleich dreimal übertroffen. Der neue Höchstwert wurde nun
am Montag gezählt, als die Temperaturen schon landesweit gefallen waren. Da
starben 4.832 Menschen. Das sind fast doppelt so viele, als zu erwarten
gewesen wären – also eine Übersterblichkeit von rund 2.300 an einem
einzigen Tag. Legt man die Sterbefälle mit der Temperaturkurve zusammen,
ist der Zusammenhang klar erkennbar.
## Warnungen bereits Anfang Juni
Anders als in den Vorjahren, als Hitzewellen häufig auf wenige Tage und
einzelne Regionen Deutschlands begrenzt waren, hatte Deutschland so wie
weiter Teile Europas unter einem Hitzedom gelitten, der fast zwei Wochen
lang sehr langsam von Westen nach Osten gewandert war. Die Länge dieser
Phase hatte dazu geführt, dass es auch nachts kaum noch abkühlte, was vor
allem anfällige Gruppen wie etwa ältere Menschen extrem belastet.
Eine Initiative von mehr als 150 Organisationen hatte Anfang Juni [3][vor
den Folgen solche Hitzedome gewarnt]. Deutschland sei sehr schlecht
vorbereitet auf solche lang anhaltenden Hitzewellen, die als Folge des
Klimawandels immer wahrscheinlicher werden. Durch solche Hitzephasen,
warnten die Expert:innen, könne es binnen weniger Tage bis zu 10.000 Tote
in Deutschland geben. Was da noch wie eine Dystopie klang, scheint sich
kaum zwei Wochen später schon bestätigt zu haben.
## Vorläufige Zahlen
Die Sterbezahlen des Statistischen Bundesamtes sind vorläufig.
Üblicherweise steigen sie noch durch Nachmeldungen in den kommenden Wochen.
So hatte das Amt in der vergangenen Woche noch [4][4.452 Tote für den
superheißen Sonntag genannt]. Nun wurde die Zahl auf 4.724 nach oben
korrigiert.
Wie viele davon tatsächlich an Hitze gestorben sind, lässt sich nur
schätzen. Das Robert-Koch-Institut (RK) veröffentlicht seine nächste
Wochenanalyse zur Mortalität durch Hitze erst am Donnerstag. Darin werden
auch die letzten Juni- und ersten Julitage berücksichtigt sein. Im letzten
Wochenbericht hatte das RKI die Zahl der Hitzetoten dieses Jahres auf 5.120
geschätzt. Mit dem nächsten Bericht dürfte der Rekord aus dem Jahr 2018
übertroffen werden – und das, obwohl der Sommer gerade erst begonnen hat.
Erfahrungsgemäß nennt das RKI eine niedrigere Zahl als das Statistische
Bundesamt, weil es nicht nur die absolute Übersterblichkeit berechnet,
sondern ein detailliertes Rechenmodell zugrunde legt, das weitere Faktoren
berücksichtigt. Einige Wissenschaftler:innen gehen aber davon aus,
[5][dass die realen Zahlen sogar noch viel höher liegen könnten].
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html?templateQueryString=mortalit%C3%A4t
(DIR) [2] /Hitzewelle-Ende-Juni/!6195866
(DIR) [3] /Hitzewelle-in-Deutschland/!6190925
(DIR) [4] /Folgen-der-Hitze/!6195534
(DIR) [5] https://di.aerzteblatt.de/int/archive/article/237272?ref=linksdings.ghost.io
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
## TAGS
(DIR) Hitze
(DIR) Hitzetote
(DIR) Statistisches Bundesamt
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Krankenhäuser
(DIR) Hitze
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Hitze
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kliniken im Klimawandel: Es krankt am Hitzeschutz
Die Kliniken sind auf Rekordtemperaturen nicht vorbereitet. Überall fehlt
es an Klimaanlagen und Hitzeschutzkonzepten – und natürlich fehlt auch das
Geld.
(DIR) Hitzewelle Ende Juni: RKI schätzt bisher 6.830 Hitzetote im Jahresverlauf
Die Zahl der Hitzetoten ist laut Schätzung des Robert-Koch-Instituts um
weitere 1.710 gestiegen. Sie könnte insgesamt aber auch doppelt so hoch
liegen.
(DIR) Klima- und Transformationsfonds: Bundesregierung will Einschnitte bei Klima-Geldtopf
Effizienter soll der Fonds werden, wünscht sich das Finanzministerium. Der
Vorschlag sei aber wenig strategisch, kritisiert ein Experte.
(DIR) Hitzewelle in Europa: Mehr als 10.000 zusätzliche Todesfälle
Die Hitzewelle in Europa im Juni forderte tausende zusätzliche Todesopfer.
Das ergeben Daten der EU-Gesundheitsbehörde.
(DIR) Folgen der Hitze: Der superheiße und extrem tödliche Sonntag
Am 28. Juni starben laut Statistischem Bundesamt 4.452 Menschen. Fast 1.900
mehr, als erwartbar gewesen wäre. Nie wurden mehr Tote an einem Tag
gezählt.
(DIR) Tödliche Hitzewelle: Grüne fordert Gedenktag für die Hitzetoten
Die Juni-Hitzewelle tötete mehr Menschen als je eine Naturkatastrophe in
Deutschland. Grünen-Politikerin Badum fordert einen Gedenktag für die
Opfer.