# taz.de -- Öl- und Gasheizungen langfristig erlaubt: Klimaschützer*innen planen Verfassungsbeschwerde
       
       > Bundestag und Bundesrat haben die klimaschädliche Reform des
       > Heizungsgesetzes beschlossen. Umweltschützer*innen wollen vor
       > Gericht ziehen.
       
 (IMG) Bild: Der Einbau von Öl- und Gasheizungen bleibt auch langfristig möglich
       
       Die klimaschädliche Reform des Heizungsgesetzes kommt: Bundestag und
       Bundesrat haben sie am Freitag beschlossen. Die schwarz-rote
       Bundesregierung wickelt damit die ökologische Wärmewende weitgehend ab, die
       ihre Vorgängerin auf den Weg gebracht hatte.
       
       Bisher sah das Heizungsgesetz vor, dass schon bald keine vollständig fossil
       betriebenen Heizungen mehr neu eingebaut werden dürfen. Für neue Häuser
       gilt das schon seit 2024. Bei bestehenden Gebäuden sollte die Regelung bis
       Juli 2028 gestaffelt greifen, je nach Größe des Wohnorts. So sollten
       kleinere Kommunen länger Zeit für ihre Wärmeplanung bekommen.
       
       Jetzt aber bleibt der Einbau von Öl- und Gasheizungen auch langfristig
       möglich. Deren schlechte Klimabilanz soll durch die sogenannte Biotreppe
       verbessert werden: Von nun an installierte fossile Heizungen müssen ab 2029
       zu 10 Prozent mit pflanzenbasierten Brennstoffen betrieben werden. Bis 2040
       steigt dieser Anteil auf 60 Prozent. Bis 2045, wenn Deutschland gesetzlich
       zur Klimaneutralität verpflichtet ist, müssen Anbieter von Heizöl und -gas
       vollständig auf alternative Materialien umstellen. Letztere gelten
       allerdings als knapp und teuer.
       
       „Das Gebäudemodernisierungsgesetz steht für einen neuen Ansatz: einfacher,
       technologieoffener und flexibler“, so Ministerin Reiche zu der von ihr
       federführend verantworteten Reform. Die Regierung hat zudem gerade
       angekündigt, [1][bei der staatlichen Förderung für den Einbau von
       Wärmepumpen massiv zu kürzen].
       
       ## Fridays for Future protestiert in 25 Städten
       
       Für die Klimabewegung Fridays for Future ist die Novelle ein
       Rücktrittsgrund – oder ein Anlass für Bundeskanzler Friedrich Merz, seine
       Parteikollegin Reiche zu entlassen. In 25 Städten protestierten die
       Aktivist*innen am Freitag. „Ende Juni sind innerhalb nur weniger Tage
       über 5.000 Menschen infolge extremer Hitze verstorben. Heute entscheidet
       die Regierung sich für mehr fossiles Gas, mehr Klimakrise und in der Folge
       für mehr Hitzetote“, heißt es bei den Fridays. „Solange fossile Energien
       verbrannt werden, heizt sich die Erde weiter auf. Diesen Zusammenhang muss
       selbst die Bundesregierung inzwischen verstanden haben.“
       
       Das sehen auch andere Umweltschützer*innen so. „Dieses Heizungsgesetz
       von Wirtschaftsministerin Reiche ist ein Angriff auf das Klima und den
       Verbraucherschutz in Deutschland“, sagte Eric Hartmann von Germanzero. Die
       NGO hat einen [2][Online-Heizkostenrechner] erstellt, mit dem
       Verbraucher*innen abschätzen können sollen, wie sich ihre Heizkosten im
       Falle einer fossilen Heizung oder einer Wärmepumpe entwickeln werden.
       
       Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Regierung ein „Einknicken vor der Gas-
       und Öllobby“ vor – und will eine Verfassungsbeschwerde auf den Weg bringen.
       „Mehrere Gutachten, sogar aus den eigenen Reihen der Union, zweifeln die
       Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes an“, sagte Umwelthilfe-Chefin Barbara
       Metz. „Wir werden die Einhaltung der Klimaziele vor dem
       Bundesverfassungsgericht durchsetzen.“
       
       Der Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
       äußerte sich zurückhaltend. Das neue Gesetz müsse sich am Erfolg des
       Klimaschutzes messen lassen. „Eine zentrale Rolle spielt dabei die geplante
       Evaluation des Gesetzes in 2030 zu ebendiesem Beitrag.“
       
       Lob kommt etwa vom Immobilienverband Zentraler Immobilien Ausschuss. Nach
       Jahren der Unsicherheit herrsche nun Klarheit. „Das ist für die
       Immobilienwirtschaft und ihre Investitionsentscheidungen von zentraler
       Bedeutung“, hieß es.
       
       Im Neubau dominiert die Wärmepumpe den Heizungsmarkt mittlerweile.
       Insgesamt heizt Deutschland aber immer noch fast ausschließlich fossil.
       Fast drei Viertel der Haushalte nutzten 2025 [3][laut BDEW] Öl- und
       Gasheizungen. Hinzu kommen 15 Prozent Fernwärme-Beheizung, momentan stammt
       die Energie dort noch oft aus Kohle- oder Gaskraft. Ein Fernwärmeanschluss
       gilt trotzdem als klimafreundlich, wäre zum Beispiel auch nach dem
       Heizungsgesetz der Ampel ausdrücklich erwünscht gewesen. Schließlich heizen
       mit Umstellung des Fernwärmenetzes auf erneuerbare Energien gleich alle
       angeschlossenen Haushalte mit einem Mal klimafreundlich.
       
       10 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zuschuesse-fuer-Waermepumpen-und-Co/!6194126
 (DIR) [2] https://gaskostenfalle.de/gaskostenrechner/?gkr=1&gebaeudetyp=mietwohnung&wohnflaeche=128&gasverbrauch=0&sanierungsgrad=C&verbrauch_bekannt=nein&einkommen_unter_40k=0
 (DIR) [3] https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/beheizung-des-wohnungsbestandes-in-deutschland/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Schwarz
       
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