# taz.de -- Friedrich macht Ferien: Chill mal, Merz, leck Wunden
       
       > Bundeskanzler Merz ist im XXL-Urlaub, die brennende Welt bringt ihn nicht
       > aus der Ruhe. So unglücklich ist sein Volk über seine Abwesenheit gar
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Ja, wo ist er denn, der Kanzler? Hier jedenfalls nicht
       
       Seit dem 29. Juli befindet sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der
       Sommerfrische. Und zwar vier Wochen lang, bis am 26. August das
       Bundeskabinett erstmals wieder tagen wird.
       
       Der Urlaubsort selbst ist geheim. Es kann das Planschbecken im
       sauerländischen Garten sein, das Haus am Tegernsee oder der begeisterte
       Hobbypilot cruist mit seinem kleinen Flugzeug, wie es ja viele
       Mittelständler seiner Art besitzen, herum. Da sieht er Land und Leute dann
       auch, wie er sie am liebsten wahrnimmt: von oben herab und ganz weit weg.
       
       Das Bundespresseamt verlautete, Merz versuche „ein paar Tage auszuspannen“,
       sei aber „natürlich immer im Dienst“. So kannten wir das von Angela Merkel:
       „Die Bundeskanzlerin erholt sich am sichersten während der Arbeit.“ Eine
       löbliche Einstellung, wie man sie sonst nur von freien taz-Autoren kennt.
       Merz hingegen ist weg. Abgetaucht. Verschollen. So richtig fett im Urlaub.
       Lange hörte man nichts von ihm, zu keinem Thema. Keinen Piep, völlige
       Funkstille am Kanzlerpool.
       
       ## Einsame Spitze
       
       Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille, der, ein
       struwwelpetereskes Szenario sondergleichen, ganz alleine in der
       riesengroßen Hauptstadt die Stellung hält, beruhigt die Kritiker: „Der
       Kanzler beobachtet immer, egal wo er sich aufhält, was in Deutschland, in
       Europa und der Welt passiert.“
       
       Nur „beobachten“, indem man zum Aperol Spritz auf der Terrasse die News
       durchscrollt, ist das eine. Sich zu äußern, zu handeln, früher hätte man
       gesagt, „zu regieren“, ist noch mal das andere. Oder gar den Urlaub zu
       unterbrechen, wenn es irgendwo daheim auf einmal lichterloh brennt. Und
       zwar buchstäblich.
       
       [1][Der größte Waldbrand, den Nordrhein-Westfalen je erlebt hat?] Drauf
       geschissen, vielleicht erstickt das Feuer dann. Ein Wort zu den
       [2][Hitzetoten]? Erspart er uns instinktsicher, sonst wäre ihm doch bloß
       ein peinlicher Spruch über Alte und Kranke, sprich unnütze Esser und
       Arbeitsscheue, rausgerutscht – der grundehrliche Mann trägt sein
       tiefschwarzes Herz auf der Zunge. Hybride Kriegsführung mit
       sprengstoffbestückten Drohnen auf deutschen Flughäfen? Ach, dieser Herr
       Putin wird schon wissen, was er macht.
       
       „Miau! Mio! Miau! Mio! Wo sind die armen Eltern? Wo?“
       
       Erst jetzt, eine Woche vor Urlaubsende, kommt – nicht wenige hatten schon
       gehofft, er wäre für immer verschwunden –, doch noch ein unerwartetes
       Lebenszeichen: Merz ließ, erneut über den „last man standing“ Hille,
       ausrichten, er halte die kriminellen Mordpläne des israelischen
       Sicherheitsministers Ben-Gvir im Gazastreifen für „menschenverachtend und
       völkerrechtswidrig“. Darauf zu kommen, war sicher nicht leicht, allzumal im
       Kaltstart.
       
       Den Haag, mit seinem gemäßigten Klima und seiner Kombination aus
       Sehenswürdigkeiten, Kultur und weitläufigen Stränden, gilt übrigens zurzeit
       als äußerst angesagtes Urlaubsziel. Doch dies hier nur als Ferientipp am
       Rande.
       
       ## Jupiter darf, der Ochse nicht
       
       Uns einfachen Arbeitnehmern trat der ranghöchste Urlauber des Landes
       bereits im Mai 2025 in den Popo[3][: „Mit Viertagewoche und
       Work-Life-Balance] werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten
       können.“ Für seinen eigenen Wohlstand gilt das offenbar nicht. Im Merzen
       der Bauer mal gründlich ausspannt. Oder, um in der Landwirtschaft zu
       bleiben: Quod licet iovi non licet bovi.
       
       Aber, ganz großes Aber mit Schlagsahne, Schlagabers: Laut Arbeitsforschern
       ist die ständige Erreichbarkeit im Urlaub, wie sie gerade Führungskräften
       zugemutet wird, einer nachhaltigen Erholung abträglich und wirkt sich
       letztlich kontraproduktiv auf ihr Leistungsvermögen aus.
       
       Akzeptieren wir diese Erkenntnis, muss sie auch für jemanden gelten, der
       sie in unserem Fall mit Füßen träte. Denn „when they go low, we go high“,
       wie schon Michelle Obama sagte. Auch der Kanzler braucht echte Entspannung.
       Vielleicht wäre er anschließend nicht mehr so fies und träfe sogar bessere
       Entscheidungen. War ja bestimmt immer nur der Stress.
       
       Also chill mal, Merz, leck Wunden. Denn so unglücklich ist sein Volk
       ohnehin nicht über seine Abwesenheit: Da kann er wenigstens vier Wochen
       lang mal keine Scheiße bauen. Und ebenso lang nicht verhöhnt, beschimpft
       oder ausgegrenzt zu werden, ist für uns Bürger ja auch eine große Erholung.
       Singend tanzen wir ums Feuer. Das ist noch besser als ein Urlaub am
       Tegernsee.
       
       21 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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