# taz.de -- Jede Menge Verharmlosungen: Muslime, Monster, Mannschaften und neuer Mann
       
       > Gegen den Terror gibt es ein Rezept: die Toleranzbotschaft des CSD. Gegen
       > das sich radikalisierende Klima sind allerdings radikalere Maßnahmen
       > nötig.
       
 (IMG) Bild: Thorsten Frei, neuer Fraktionschef der Union im Bundestag, moderat, verbindlich und mit der Grußformel: „Das Asylrecht muss weg“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich: Küppersbusch: [1][Kanzlerdämmerungsschlagzeilen].
       
       taz: Und was wird besser in dieser?
       
       Küppersbusch: Wird auch langweilig.
       
       taz: Nach dem [2][Anschlag auf den Christopher Street Day] in Berlin
       stellen sich viele die Frage: wie weitermachen? 
       
       Küppersbusch: So nicht. Der seiner Meinung nach größte – und jedenfalls:
       wirkmächtigste – Gegner des Islamismus in Deutschland ist immer noch: der
       Vollpsycho, der Dezember 24 in den Magdeburger Weihnachtsmarkt raste. Auch
       der Messermörder von Aschaffenburg sitzt mit paranoider Schizophrenie in
       Sicherungsverwahrung. Und noch bevor beim Berliner Täter Person und
       Hintergründe aufgehellt sind, müssen sich „Linke“ und LGBTQI-Menschen für
       ihre Muslimverharmlosung rechtfertigen. Tenor: Der Moslem hasst den
       Queeren, der Queere unterschätzt den Islamisten, der Islamist ist
       rechtsradikal und Linke also rechts und Hufeisen an den Kopf und Deckel
       drauf, fertig. Tatsächlich haben diese und alle Attentäter gehörig einen an
       der Psyche, und wenn man ganz sichergehen will, dass sich daran nichts
       ändert, muss man so weitermachen. Die Kernbotschaft des CSD – Toleranz,
       keine Selbstunterdrückung, „sei Du!“ –, bearbeitet das Problem besser als
       die aktuelle Debatte um ihn.
       
       taz: Der neue CDU-Fraktionsvorsitzende heißt Thorsten Frei. Die
       Unionsfraktion stimmte mit 91,9 Prozent für ihn. CDU-Krise abgewendet? 
       
       Küppersbusch: Ja, wenn künftig was schiefgeht in der Fraktion, weiß man:
       Das ist kein böser Wille. Das ist Stümperei. Thorsten Freis Tonlage ist,
       jenseits seiner folkloristischen Grußformel „Das Asylrecht muss weg“,
       moderat, verbindlich, erläuternd, entschuldigend. Konnte er schon im
       Kanzleramt brauchen, weil ihm Unterperformance der Regierung angelastet
       wurde; darf man für seine Arbeit als Chefbändiger der nervösen Truppe
       künftig drauf gespannt sein. Einstweilen ist er hie wie da Loyalissimus
       seines Kanzlers, und wenn diese Tugend entscheidend wird, kann man
       anfangen, sich Sorgen zu machen. Dass Merz seinen Ersten Sturm erst im
       zweiten Anlauf auf den Platz bringt, hat was von „Studium im Alter“. Man
       lernt nie aus.
       
       taz: In Griechenland, Südfrankreich und Spanien wüten die [3][Waldbrände].
       Die Klimakrise macht keinen Urlaub, viele Menschen aber schon. Mehrere
       Zehntausend Tourist:innen mussten bereits evakuiert werden. Was kann man
       da raten? 
       
       Küppersbusch: Irland. Den irischen Wald hat die Erosion, der Britische
       Unterdrücker oder Gottes unerfindlicher Ratschluss seit Jahrhunderten
       weggeholt. Der Rest ist EU-mäzenierte Aufforstung, brennt auch gut, ist
       aber schnell alle. Es hat die schönsten Strände und das für schönen
       Strandurlaub unzuverlässigste Wetter. Man kann da mit ein paar
       Hurling-Enthusiasten an zwei Kilometer Sandstrand allein sein. Im Regen,
       klar. Der warme Golfstrom trifft in Europa als Erstes auf die irische
       Westküste, was dort Fasspalmen, ab und zu einen Delfin und traditionelle
       Frostfreiheit zur Folge hat. Hatte. In letzter Zeit schneite es winters
       sogar, weil die Polkappenschmelze wiederum die Entstehung des Golfstroms,
       der dann nicht mehr, jedenfalls: Beeilt euch, [4][das Klima ist schneller.]
       
       taz: Ab dem 31. Juli gilt das Recht auf Reparatur in der Europäischen
       Union. Welcher Schaden muss als Erstes behoben werden? 
       
       Küppersbusch: Das Gesetz selbst. Findet die „Deutsche Umwelthilfe“.
       Ramschvulkane wie „Temu“, „Shein“ und „AliExpress“ seien geneigt, daheim in
       China einen Sack Reis umfallen zu lassen, wenn aus Europa nur zahnlose
       Beschwerden ohne echte Strafen, Sanktionen kämen. So nämlich bliebe das
       Gesetz ein Bonus für Besserkunden – die sich teurere, reparierbare Produkte
       leisten könnten. Der Günstigkunde hingegen ordert irreparablen Kram und
       wirft ihn oft schneller weg, als die Gewährleistungsfrist theoretisch lang
       ist: zwei Jahre. Erst danach greift das Reparaturgesetz. Übrigens: Wollen
       wir wetten, dass diese gute Idee demnächst von deutschen Herstellern als
       „Bürokratiemonster“ geschmäht wird?
       
       taz: Der Fifa-Präsident Gianni Infantino will Investoren am Geschäft mit
       den Weltmeisterschaften beteiligen. Die Uefa sowie andere Verbände drohen
       mit [5][WM-Boykott]. Kehrt auf einmal ein Fünkchen Vernunft in die Welt des
       Fußballs? 
       
       Küppersbusch: Was machen eigentlich Kinder auf dem Bolzplatz, wenn der
       Videokeller gerufen wird? Spielen die Trinkpausen nach? Diskutieren die
       Torlinientechnik? Einem alten Volksaberglauben nach muss man das Spiel –
       etwa aus kommerziellen Gründen – nur so lange korrumpieren, bis es die
       Basis gar nicht mehr spielen kann, dann zerbricht es. Ich weiß es nicht;
       der Bolzplatz bei uns hinterm Haus ist weg, die Kinder spielen Fußball am
       PC zu Hause. Und für diese Effekte braucht die Uefa Infantino nicht. Der
       wird durch einen „maßvollen“ ersetzt, und dann geht es genau so weiter.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Immer noch keine Einigung im Streit Dritte und Vierte Ligen:
       Vier Mannschaften können aufsteigen, doch fünf werden Meister. Der
       sicherste Ort in der Dritten ist oberhalb des fünftletzten Platzes.
       
       Fragen: Clara Dünkler 
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und für 14 Tage in Irland.
       Paula Irmschler wird ihn vertreten.
       
       2 Aug 2026
       
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