# taz.de -- Neues Elterngeld: Verpasste Chance
> Die Elterngeld-Reform könnte positive Effekte haben. Aber insgesamt
> werden Mütter weiter in eine traditionelle Rolle gedrängt.
(IMG) Bild: Statt auf 14 Monate soll der Elterngeldbezug künftig auf 12 Monate begrenzt werden
Es mag auf den ersten Blick gar nicht so schlecht klingen: Beim Elterngeld
soll auf mehr Partnerschaftlichkeit gesetzt werden, auch der Elterngeldsatz
soll erhöht werden. Ist das nicht, was Frauen- und
Familienpolitiker:innen seit Langem fordern? Diese Rechnung geht
aber nicht auf. Denn Karin Priens [1][Reformplan] bedeutet vor allem eine
Kürzung. Statt auf 14 Monate soll der Elterngeldbezug künftig auf 12 Monate
begrenzt werden. Und auch das leichte Plus kann kaum als das bezeichnet
werden: Nachdem das Elterngeld seit seiner Einführung 2007 nicht mehr
erhöht wurde, ist der neue Mindestbetrag von 330 Euro statt 300 Euro nicht
einmal ansatzweise ein Inflationsausgleich.
Ja, die Neuregelung könnte positive Nebeneffekte haben. Vielleicht nehmen
ein paar mehr Väter, [2][von denen bisher 54 Prozent überhaupt kein
Elterngeld beziehen], tatsächlich die nun vorgesehenen drei Monate mit
ihren Kindern. Das müssten sie, damit eine Familie Elterngeld für ein Jahr
erhält. Am Ende der Rechnung bleibt aber trotzdem ein Minus für Familien,
für Mütter und ihre Zukunftsentwürfe.
Sie sind es, die verlieren, wenn die Bundesregierung an tradierten
Familienrollen festhält, anstatt Sparzwang und Arbeitskräftemangel
argumentativ zu nutzen, um bei der Gleichstellungspolitik mal ein paar
Kilometer zu machen. Das Elterngeld ist dabei nicht die einzige verpasste
Chance. Wie kann es sein, dass es mit dem [3][Ehegattensplitting] immer
noch eine Subvention von Alleinverdiener-Haushalten gibt, sich die CSU an
[4][Minijobs] klammern kann und die Kürzung der beitragsfreien
Familienmitversicherung nun wieder abgemildert wird?
Das versteckte Risiko für diese Wahlgeschenke an die Mittelschicht wird auf
Frauen ausgelagert. In ihrer Gesamtheit führen sie dazu, dass vor allem
Mütter in heterosexuellen Partnerschaften faktisch dazu gedrängt werden,
ihre finanzielle und berufliche Unabhängigkeit zu opfern – alles
vermeintlich für die Familie. Das ist es, was wir uns echt nicht mehr
leisten können.
7 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gesetzentwurf-der-Familienministerin/!6194148
(DIR) [2] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/maerz/frauen-und-maenner-wollen-die-bezahlte-elternzeit-gleichmaessig-aufteilen-tun-es-aber-nicht
(DIR) [3] /Klingbeil-will-Steuerreform/!6169415
(DIR) [4] /Wieso-Minijobs-abgeschafft-werden-muessen/!6189618
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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