# taz.de -- Regierungserklärung des Kanzlers: Bundesregierung will Tomahawk kaufen
       
       > Friedrich Merz kündigt an, von den USA Marschflugkörper zu erwerben.
       > Damit würden erstmals Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert.
       
 (IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) macht Politik für die Mehrheit der Bevölkerung, die „alle Tassen im Schrank“ hat
       
       Friedrich Merz hat sich am Donnerstag kurzfristig mit einer
       Regierungserklärung auf die Tagesordnung des Bundestages setzen lassen, um
       Optimismus zu verbreiten. Kurz vor der Sommerpause lobt er das Land und die
       eigene Regierung. Man liefere „Zuversicht und Aufbruch“ sowie
       „grundlegende“ Reformen: Steuern, Rente, Arbeitsmarkt, Gesundheit.
       
       „Ein wuchtiges Paket, das keine Bundesregierung vor uns in dieser Dimension
       angepackt hat“, urteilt Merz selbstunkritisch. Und er blickt selbstbewusst
       nach vorn: Wenn man weiterarbeite und sich was traue, „dann liegt die beste
       Zeit nicht hinter uns, sondern dann liegen gute Jahre für Deutschland vor
       uns“.
       
       Neue Zuversicht hat der Kanzler offenbar aus dem vergangene Woche
       beschlossenen Reformpaket, aber auch aus [1][seinem Besuch des Nato-Gipfels
       in Ankara] geschöpft. Dort durfte er zusammen mit den wichtigsten
       Autokraten des Treffens am Ehrentisch speisen, nämlich mit Gastgeber Recep
       Tayyip Erdoğan und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
       
       Der Nato-Gipfel habe all seine Erwartungen übertroffen, resümiert Merz am
       Donnerstag überschwänglich, die Nato sei geschlossen, stark und
       selbstbewusst. Und dann lässt er wie nebenbei eine kleine Bombe platzen.
       Deutschland habe am Rande des Nato-Treffens mit der US-Regierung
       vereinbart, Tomahawk-Marschflugkörper zu erwerben und in Deutschland zu
       stationieren. Damit schließe man eine wichtige strategische
       Verteidigungslücke und arbeite gleichzeitig daran, eigene europäische
       Systeme zu entwickeln.
       
       Es handelt sich um jene Mittelstreckenwaffen, deren Stationierung Trumps
       Vorgänger Joe Biden Merz’ Vorgänger Olaf Scholz vor zwei Jahren schon mal
       zugesagt hatte. Eine Zusage, die der aktuelle amerikanische Präsident in
       einer Art Strafaktion aber kurzerhand wieder einkassiert hatte. Als nämlich
       Merz im Frühjahr vor Schüler:innen seinem Unmut über den US-Präsidenten
       Luft gemacht hatte, der ohne Strategie Iran angegriffen habe.
       
       ## Zweifel an Trumps Zuverlässigkeit
       
       Offenbar hat Trump seine Meinung mal wieder geändert: Wenn Deutschland
       dafür bezahlt, dann kann es die Dinger doch haben. Aus Regierungskreisen
       heißt es, die US-Regierung habe schriftlich zugesagt, im August die
       Genehmigung zu erteilen, damit Deutschland Tomahawk sowie
       Abschussvorrichtungen des Typ Typhon kaufen könne. Die Anzahl der
       Flugkörper und Rampen hält die Bundesregierung geheim. Die Entsendung von
       amerikanischen Soldaten zur Bedienung sei nicht vereinbart worden.
       
       Tomahawk sind sogenannte Mittelstreckenwaffen, die mit dem INF-Vertrag
       zwischen den USA und der UDSSR, später Russland, seit den 80er Jahren
       verboten waren. 2019 kündigten die USA den Vertrag auf, da sie ihn de facto
       von Russland bereits gebrochen sahen. Bisher sind in Deutschland keine
       Mittelstreckenwaffen stationiert. Je nach Typ haben die Marschflugkörper
       eine Reichweite von 1600 bis 2500 Kilometern und können somit von
       Deutschland aus theoretisch auch Russland treffen.
       
       SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der sich ansonsten redlich bemühte, die
       Koalition zu verteidigen, musste dann doch leise Zweifel an Merz’
       Gipfel-Bilanz anmelden. Sicherlich habe der Kanzler andere Einblicke als
       er. Aber: „Das, was wir zu Beginn des Gipfels vom amerikanischen
       Präsidenten gehört haben bezüglich Grönland und Spanien, hat mich mehr als
       befremdet.“ Trump hatte in Ankara [2][erneut Ansprüche auf Grönland]
       angemeldet und angekündigt, die Handelsbeziehungen zum „furchtbaren
       Partner“ Spanien zu beenden, wegen dessen fehlender Unterstützung im
       Irankrieg.
       
       Das seien Angriffe auf die europäische Solidarität, die man nicht zulassen
       dürfe, meinte Miersch, und es mache deutlich: „dass wir in diesen Zeiten
       nicht auf einen amerikanischen Präsidenten dergestalt vertrauen, sondern
       dass wir nur Europa als Verteidigungsmacht sehen und hier entsprechend
       investieren“.
       
       Auch Merz’ Außenminister Johann Wadephul hatte zuvor von „irritierenden
       Bemerkungen“ gesprochen. Über den richtigen Umgang mit dem irrlichternden
       US-Präsidenten wird in der schwarz-roten Koalition sicher noch diskutiert.
       
       ## „Schwierige Entscheidungen“ oder schlicht „Kürzungen“
       
       Einig sind sich Union und SPD aber, dass sie weiterhin dreistellige
       Milliardensummen in Verteidigung investieren wollen, auch wenn das
       einhergeht mit „schwierigen Entscheidungen“ für Versicherte,
       Empfänger:innen von Eltern- und Wohngeld, wie Unionsfraktionschef Jens
       Spahn meinte. Aber was soll man machen: „Niemand kann über seine
       Verhältnisse leben.“
       
       Die Regierung investiere lieber in „Panzer als in Kinder“, kritisierte
       AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla. Wobei die AfD ihre Kinderliebe nur für
       bestimmte Kinder reserviert, nämlich jene mit deutschem Elternteil und
       statt auf Abschreckung auf Frieden mit Russland setzt – egal zu welchem
       Preis.
       
       Für Grüne und Linke sind die „schwierigen Entscheidungen“ schlichtweg
       unsoziale Kürzungen. Man könne kein Land regieren, in dem man die Menschen
       ständig als Trickser, Täuscher und Faulenzer bezeichnete, kritisierte
       Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge unter anderem die geplanten
       [3][Änderungen bei der Krankschreibung]. „Diese Regierung macht das Leben
       der Mehrheit der Menschen unbezahlbar“, schimpfte
       Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek und wandte sich an Merz: „Ihre
       katastrophalen Beliebtheitswerte haben Sie sich redlich verdient.“ Aber der
       war zu diesem Zeitpunkt schon wieder weg.
       
       9 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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