# taz.de -- „Waffenruhe“ in Iran beendet: Krieg der Worte
       
       > US-Präsident Trump hat nach den Schlägen gegen Iran den Waffenstillstand
       > für nichtig erklärt und die Regierung scharf angegriffen. Doch
       > militärisch haben die USA kaum Optionen.
       
 (IMG) Bild: Wutausbruch: Donald Trump auf dem Nato-Gipfel in Ankara am Mittwoch
       
       Man gewöhnt sich langsam daran, dass die Waffenpause zwischen den USA und
       Iran immer wieder eine Pause einlegt. Diesmal ist das aber umrahmt von
       einem Krieg der Worte, bei dem US-Präsident Donald Trump zu neuer Form
       aufgelaufen ist. Was es bedeutet, dass der den Waffenstillstanddeal für
       nichtig erklärt hat, bleibt allerdings völlig unklar. Für eine wirklich
       strategische Veränderung mit militärischen Mitteln hat Trump in
       Wirklichkeit wenig Optionen.
       
       In einer Pressekonferenz beim [1][Nato-Gipfel in Ankara] war Trump auf
       verbale Eskalation gegangen. Die Vereinbarung sei hinfällig, erklärte er.
       Er wolle nicht mehr mit Teheran verhandeln. „Für mich ist die Sache
       erledigt. Ich will nichts mit ihnen zu tun haben“, sagte er auf eine
       Nachfrage, ob die [2][im Juni vereinbarte Absichtserklärung zwischen den
       USA und Iran] noch gelte. Die iranische Führung bezeichnete er als
       „Abschaum“ und „kranke Leute“, als ein Krebsgeschwür, das herausgeschnitten
       werden müsse.
       
       Die iranische Führung gibt sich wenig beeindruckt. Der iranische
       Parlamentssprecher und Chefverhandler mit den USA, Mohammad Ghalibaf,
       bezeichnete die US-Angriffe als eine Verletzung des
       Waffenstillstandsabkommens, ohne die iranischen Angriffe auf die Tanker zu
       kommentieren. „Wir werden nicht einknicken“, schrieb er auf der
       Internetplattform X.
       
       Vorausgegangen war ein weiterer militärischer Austausch zwischen beiden
       Ländern. Die Iraner beschossen an der Straße von Hormus drei Tanker, die
       sich bei ihrer Route nicht an die von den Iranern aufgestellten Regeln
       gehalten haben sollen. Daraufhin griff die USA laut einer Erklärung von
       Centcom, dem US-Kommando für die Region, über 80 Ziele in Iran an.
       Iranische Medien vermeldeten Angriffe auf die iranische Insel Qeschm, den
       Hafen Bandar Abbas und Sirik. Außerdem setzten die USA die im Abkommen
       vereinbarten Sanktionserleichterungen für iranische Ölverkäufe aus.
       
       ## Iran attackiert US-Militäreinrichtungen am Golf
       
       Die iranische Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Raketen und Drohnen
       seien gegen „85 Schlüsseleinrichtungen des US-Militärs“ eingesetzt worden,
       berichteten die iranischen Revolutionsgarden, darunter auch gegen das
       US-Navy-Hauptquartier in Bahrain und eine US-Luftwaffenbasis in Kuwait.
       
       Die Waffenruhe war zwar auch in den letzten Wochen seit dem Abkommen immer
       brüchig gewesen. Doch seit Trumps Pressekonferenz in Ankara stehen nun alle
       Zeichen auf Sturm. Zumal Trump am Mittwoch auch die verbale Rückendeckung
       von Nato-Generalsekretär Mark Rutte erhielt: Iran habe die bestehende
       Waffenruhe verletzt. Es sei deshalb „absolut entscheidend, dass die USA
       entschlossen reagieren“. Fakt ist aber auch, dass die europäischen
       Nato-Staaten Angst vor einer erneuten Eskalation und einer erneuten
       Schließung der Straße von Hormus haben. Ihr Balanceakt: Sie wollen Trump
       nicht verärgern, aber gleichzeitig kein Öl ins Feuer am Golf gießen.
       
       Die Golfstaaten verurteilten die iranischen Angriffe. Das Außenministerium
       in Katar betonte die Notwendigkeit, den Weg der Diplomatie fortzusetzen und
       die Spannungen zu deeskalieren.
       
       ## Trump hält sich alles offen
       
       Die große Frage ist, ob die Lage jetzt weiter eskaliert. Trump hatte in
       Ankara während seines Wutausbruchs auch erklärt, dass die Verhandlungen mit
       Iran weitergingen, bezeichnete das Ganze aber als „Zeitverschwendung“.
       Dennoch: Er hält sich alle Türen offen.
       
       Trump weiß, dass er durch eine militärische Eskalation die erneute
       Schließung der Straße von Hormus riskiert. Die Iraner hingegen könnten
       versuchten, Atomverhandlungen weiter hinauszuzögern. Allerdings: Trumps
       erneute Sanktionen für iranisches Öl schmerzen der iranischen Ökonomie.
       Zwar findet Iran immer Wege, sein Öl zu verkaufen, aber dann weit unter
       Marktwert.
       
       Am Ende ist es das wahrscheinlichste Szenario, dass in den nächsten Tagen
       doch wieder die Diplomatie übernimmt. Ein neuer (Wirtschafts-)Krieg schadet
       beiden Seiten einfach zu sehr.
       
       8 Jul 2026
       
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