# taz.de -- Nato-Gipfel: Trump lässt sich nicht um den Finger wickeln
       
       > Statt Stärke zu demonstrieren, glauben Deutschland und das
       > Militärbündnis, US-Präsident Donald Trump mit gefühlsduseligen Worten bei
       > Laune zu halten.
       
 (IMG) Bild: Spürt „große Gefühle“ in Gegenwart von Donald Trump: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       
       Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Bundeskanzler Friedrich Merz meinten
       tatsächlich, große Gefühle im Raum gespürt zu haben. Beide traten nach der
       Sitzung des Nordatlantikrats in Ankara beschwingt vor die Kameras und
       berichteten von Harmonie, Einigkeit und ja, sogar einer liebevollen
       Stimmung im Militärbündnis. Auch US-Präsident Donald Trump sagte, das
       Gespräch der Staats- und Regierungschefs hinter verschlossenen Türen sei
       von „unglaublicher Liebe“ geprägt gewesen. Wenige Stunden später [1][ließ
       er neue Bomben auf Iran regnen]. Dass Liebe für den US-Präsidenten keine
       universelle Bedeutung hat, ist keine Überraschung. Doch wie bereitwillig
       die europäischen Staaten die sich anbahnende Gewalteskalation am Golf
       ignorierten, nur um die Einigkeit auf dem Nato-Gipfel nicht zu gefährden,
       ist erbärmlich.
       
       Die Bundesregierung und die Führung der Militärallianz lobten die
       Ergebnisse des diesjährigen Treffens gar als außergewöhnlich. Der Gipfel
       habe gezeigt, dass man trotz Streitigkeiten untereinander gemeinsame Stärke
       demonstrieren könne, sagte Rutte. Dabei liest sich die Abschlusserklärung
       vielmehr so, als konnte man sich lediglich auf Minimalergebnisse
       verständigen: die Beistandsverpflichtung innerhalb Nato zu bekräftigen und
       neue Militärhilfen für die Ukraine zu beschließen. Das ist zwar beides
       richtig, aber nicht wegweisend. Vor allem ist die Abschlusserklärung eines
       nicht: ein Zeichen dafür, dass Donald Trump sich stärker in das Bündnis
       einbinden lässt. Wahrscheinlich wird keines der Ergebnisse des Nato-Gipfels
       die USA einen zusätzlichen Cent kosten. Im Gegenteil: Der US-Präsident
       rühmte sich damit, dass die neue Einigkeit dazu führen werde, die
       Orderbücher der Waffenhersteller im eigenen Land noch weiter zu füllen.
       
       Noch ist offen, wie viel die Ukraine für die angedachte Lizenz zur
       Produktion von Patriot-Systemen zur Flugabwehr im eigenen Land zahlen soll.
       Auch der Kaufpreis und die Stückzahl der von Deutschland gewünschten
       [2][Tomahawk-Marschflugkörper] ist nicht bekannt. Doch eines ist klar: Es
       wird teuer, und das umso mehr, je dringender die Waffen gebraucht werden.
       Es wäre naiv zu glauben, dass es Trump auch bei diesen Fragen nicht vor
       allem darum geht, sich als den großen Dealmaker zu inszenieren, der
       wirtschaftlich das Beste für sein Land herausholt.
       
       Die Bundesregierung scheint wieder einmal dem Glauben zu verfallen, dass
       man den US-Präsidenten bei allen Fragen öffentlich ruhig poltern lassen
       kann: Soll er doch über die Nato schimpfen, weil die Allianz ihn in seinem
       irrsinnigen und brutalem Krieg gegen Iran hängengelassen habe. Soll er doch
       Grönland erobern wollen. [3][Soll er doch die spanische Regierung an den
       Pranger stellen]. Und soll er doch den beendet geglaubten Angriff auf Iran
       unvermittelt wieder aufnehmen. Nur weil Trump am Ende die lasche
       Abschlusserklärung abnickte und dazu noch ein paar gefühlsduselige Worte
       sprach, glaubt die Bundesregierung, ihn um den Finger gewickelt zu haben.
       Wie bitter.
       
       10 Jul 2026
       
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