# taz.de -- Tausende Hitzetote in einer Woche: Das unerhörte Massensterben
> Ende Juni starben in Deutschland 4.300 Menschen an Hitze – eine
> Katastrophe wie ein schweres Erdbeben. Ein Krisenstab auf höchster Ebene
> ist überfällig.
(IMG) Bild: Wenn die Hitze zur Gefahr wird
In Venezuela gab es vor fast zwei Wochen ein dramatisches Erdbeben mit
Tausenden Toten und noch immer viel mehr Vermissten. [1][Die Regierung dort
wird von Rettungsinstitution für ihre zögerliche Arbeit heftig kritisiert].
Aber immerhin nennt sie, wenn auch zögerlich, Opferzahlen: 3.685 Tote
wurden bisher [2][offiziell gezählt]. Gut, dass wir in Deutschland leben?
Da würde die Regierung doch sofort …
Aber nein. Zeitgleich zum Doppelbeben in Südamerika überzog eine der
heftigsten Hitzewellen Europa. In Deutschland wurden täglich neue
Temperaturrekorde gebrochen. Die Autobahnen bröckelten, was immerhin ein
paar Leute aufregte. Und seit Donnerstag ist bekannt: Innerhalb nur einer
Woche starben in Deutschland l[3][aut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als
4.300 Menschen an Hitze]. Laut Statistischem Bundesamt gab es in der
letzten Juniwoche sogar 6.800 Tote mehr als zwei Wochen zuvor – eine
Übersterblichkeit um 30 Prozent.
## Zahlen wie zu Corona-Weihnachten 2020
Um die Dimension dieser Zahlen zu verstehen: Solch dramatisch überhöhten
Sterbezahlen pro Woche gab es selbst während Corona nur rund um Weihnachten
2020, als das Land in der zweiten Pandemiewelle komplett im Lockdown war
und es noch keine Impfungen gab. Hitzetote gab es zwar auch schon in den
Vorjahren, aber zumeist waren es laut RKI weniger als 3.000. Der
Spitzenwert im Jahr 2018 lag bei 8.000 Hitzetoten – im ganzen Jahr und
nicht in einer Woche.
Was macht die Bundesregierung angesichts dieser nationalen Katastrophe?
Kanzler Friedrich Merz hat die Wörter „Hitzewelle“ oder „Hitzedom“ nicht
einmal angesprochen. Dabei hatten erst kurz vor der Hitzewelle 150
Organisationen mit einem Appell darauf hingewiesen, dass Deutschland
[4][nicht im Geringsten auf drohende Hitzedome vorbereitet sei]. Und dass
es im Extremfall bis zu 10.000 Tote binnen weniger Tage geben könne. Was in
manchen Ohren nach Panikmache klang, ist noch im selben Monat Realität
geworden.
## Besonders die Ältesten und Schwächsten trifft es
Wie schon bei Corona trifft es auch diesmal insbesondere die Ältesten, die
Schwächsten. Wenn in einem Seniorenheim Dutzende Menschen durch ein Feuer
sterben würden, wäre die Betroffenheit groß. Wenn sie an der Hitze
krepieren, weil Klimaanlagen fehlen und selbst Notaufnahmen in Kliniken
nicht auf Hitze ausgelegt sind, ist das nur noch mehr Öl ins [5][Feuer des
Klimawandels]. Und niemand aus der Regierung schaut hin.
Nichts weniger als ein Krisenstab auf höchster Ebene ist angemessen, der
dem mittelfristigen Umbau der Städte in hitzeresiliente Orte Dampf macht.
Der Klimapolitik allerhöchste Priorität zumisst und sich um die sofortige
Kühlung der am stärksten bedrohten Hotspots kümmert. In den nächsten Tagen
droht vor allem im Südwesten Deutschlands wieder eine zunehmende
Hitzebelastung. Und wieder werden Menschen sterben.
9 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Venezuela-11-Tage-nach-dem-Erdbeben/!6193667
(DIR) [2] https://presidencia.gob.ve/Site/Web/Principal/paginas/classMostrarEvento3.php?id_evento=32575
(DIR) [3] /Bericht-des-Robert-Koch-Instituts/!6194641
(DIR) [4] /Hitzewelle-in-Deutschland/!6190925
(DIR) [5] /Studie-zur-extremen-Hitze/!6190981
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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