# taz.de -- Nato-Gipfel in Ankara: Nato-Staaten versprechen Ukraine 70 Milliarden Euro
> Die Nato-Staaten sichern der Ukraine eine milliardenschwere Militärhilfe
> zu. Diese soll die Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung finanzieren.
(IMG) Bild: Am 7. und 8. Juli findet in Ankara der Gipfel der westlichen Verteidigungsallianz Nato statt
Die von Russland angegriffene Ukraine hat beim Nato-Gipfel in Ankara eine
Zusage für milliardenschwere Militärhilfen erhalten. Für dieses Jahr sagen
Verbündete 70 Milliarden Euro für Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung
zu. 2027 soll die Militärhilfe mindestens auf diesem Niveau fortgesetzt
werden, wie aus der am Nachmittag von den Staats- und Regierungschefs
angenommenen Gipfelerklärung hervorgeht.
„Die Ukraine trägt zur transatlantischen Sicherheit bei, und die
Bündnispartner stehen geschlossen hinter der Ukraine und unterstützen sie
unerschütterlich bei der Verteidigung ihrer Freiheit, Souveränität und
territorialen Integrität“, heißt es in der Abschlusserklärung. Die
europäischen Bündnispartner und Kanada finanzierten den überwiegenden Teil
der Sicherheitshilfe für die Ukraine über bilaterale und multilaterale
Kanäle. Die Nato-Mitgleider betonen, dass „diese Unterstützung gerecht,
berechenbar und langfristig nachhaltig sein muss.“
Man begrüße die Entscheidung der EU, die Ukraine über das
Hilfskreditprogramm für die Ukraine weiter zu unterstützen. Hinweise über
einen möglichen Ausblick auf einen Nato-Beitritt der Ukraine fehlen, wie zu
vor angenommen, in der Erklärung. Zuletzt betonten die Nato-Staaten 2024 in
Washington, dass die Zukunft der Ukraine in der Nato läge. Seitdem scheint
die Frage eines Beitritts vom Tisch.
Aus der Erklärung geht außerdem hervor, dass 2025 die europäischen
Bündnispartner und Kanada ihre Investitionen in zentrale
Verteidigungsbedürfnisse um mehr als 139 Milliarden Dollar erhöht haben.
„Heute geben wir in Ankara neue Beschaffungsvorhaben im Wert von mehr als
50 Milliarden Dollar bekannt und verpflichten uns, die gemeinsamen
Produktionskapazitäten auszubauen und gemeinsam mit der Industrie
Innovationen voranzutreiben“, heißt es in dem Abschlusspapier.
US-Präsident Donald Trump will der Ukraine eine Lizenz zum Bau von
Patriot-Abwehrraketen erteilen. Darüber spricht er nach eigenen Angaben mit
dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels.
Zudem kündigt Trump ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir
Putin an. Putin wünsche sich ein Treffen in Moskau, sagt Trump. Er hoffe
auf ein baldiges Treffen. Nach Trumps Einschätzung ändern sich Putins
Bedingungen für ein Ende des Krieges. Beide Seiten wollen demnach eine
Beilegung des Konflikts. Die USA arbeiten laut Trump an einer
Sicherheitsgarantie für die Ukraine, um Leben zu retten.(dpa/taz)
Deutschland will Nordwest-Flanke unterstützen
Deutschland bietet der Nato als Ersatz für bislang garantierte Fähigkeiten
des US-Militärs in Europa Schiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte
Waffensysteme an. Dabei geht es nach Informationen der Deutschen
Presse-Agentur um militärische Zusagen für den Nordwesten des
Bündnisgebietes („Joint Operation Area North West“/JOA NW) unter
Verantwortung des Hauptquartiers in Norfolk sowie den Südosten (JAO SE),
für den das Hauptquartier in Neapel zuständig ist.
Demnach soll für jede der beiden Verteidigungszonen eine deutsche Fregatte
vom Typ F125 eingemeldet werden, das Modell für den Südosten mit dem
Luftverteidigungssystem Iris-T ausgestattet. Die Bundeswehr bezeichnet die
Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse als technologisch führende
Kriegsschiffe, die als Aufgabenspektrum Seeraumüberwachung oder auch
Missionen für Embargokontrolle und Anti-Piraterie-Operationen haben.
Für den Südosten werden auch zwei Seefernaufklärer vom Typ P-8 Poseidon
genannt, die mit Radar, akustischen Systemen und hochauflösenden Optiken
ausgestattet sind und U-Boote bekämpfen können, wie erklärt wurde. Zudem
sollen acht zusätzliche Eurofighter für den Nordwesten des Bündnisses
gestellt werden.
Zum deutschen Angebot zählen auch eine Korvette K130 – diese dienen der
Seeraumüberwachung in Küstennahe – sowie 5 Drohnen des Typs Heron TP und 2
Kampfdrohnen aus US-Produktion.
Die Bundeswehr hatte im Januar acht dieser Drohnen vom Typ MQ-9B beim
US-Hersteller General Atomics bestellt. Die unbemannten Flugzeuge werden
nach diesen Angaben vor allem für den Einsatz über See beschafft und
künftig von den Marinefliegern eingesetzt. Die ersten Systeme erhält die
Marine ab 2028. Noch gesprochen wird zudem über die Bereitstellung von zwei
Tankschiffen für die Marine.
Die USA hatten entschieden, weniger militärische Fähigkeiten für
Abschreckung und Verteidigung unter Nato-Kommando in Bereitschaft zu
halten. Es geht dabei um Zusagen für das genannte Nato Force Model. (dpa)
## US-Präsident Trump droht Spanien
US-Präsident Donald Trump will wegen des Streits um Spaniens Engagement in
der Nato den Handel mit dem EU-Land einstellen. „Ich will nichts mit
Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten
abgebrochen werden“, sagte Trump am Mittwoch beim Nato-Gipfel in Ankara.
Der Beziehungsabbruch soll demnach „sofort“ vollzogen werden, Spanien sei
„ein schrecklicher Nato-Partner“.
Trump wirft den Nato-Staaten vor, nicht genug für die Verteidigung zu tun
und sich auf die USA zu verlassen. Er fordert von allen Mitgliedsländern
des Verteidigungsbündnisses, dass sie ihre Verteidigungsausgaben auf 5
Prozent ihrer Wirtschaftsleistung erhöhen. Spanien gehört zu den Ländern,
deren Verteidigungsausgaben bislang kaum steigen. Im laufenden
Haushaltsjahr liegen sie weiterhin bei rund 2 Prozent der
Wirtschaftsleistung.
Spanien hatte sich zudem mit Kritik am US-Krieg gegen den Iran bei Trump
unbeliebt gemacht. Unter anderem verweigerte Madrid der US-Armee die
Nutzung von Stützpunkten für den Krieg. Spanien gehört außerdem zu den
schärfsten Kritikern Israels unter den EU-Staaten. Ministerpräsident Pedro
Sánchez warf Israel wiederholt vor, im Gazastreifen einen „Völkermord“ zu
begehen.
Inwiefern die USA die Handelsbeziehungen mit einem einzelnen EU-Land
abbrechen können, ist allerdings fraglich. Der Außenhandel liegt gemäß der
Logik des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes als gebündelte Aufgabe des
Staatenbundes in der Verantwortung Brüssels. (afp)
Trump auf Nato-Gipfel: Iran-Feuerpause „ist vorbei“
Nach den nächtlichen Angriffen der US-Streitkräfte auf Ziele im Iran hat
US-Präsident Donald Trump die Feuerpause mit der Islamischen Republik für
beendet erklärt. „Was mich betrifft, ist sie vorbei“, sagte Trump am
Mittwoch auf dem Nato-Gipfel in Ankara auf die Frage eines Journalisten.
Trump bezeichnete die iranische Führung als „Lügner“ und „krank“.
„Es ist reine Zeitverschwendung, sich mit ihnen abzugeben“, sagte Trump
weiter über die iranische Führung. Trump fügte an: „Das sind fiese Typen,
deshalb haben sie es auf jeden abgesehen, wahrscheinlich auch auf mich. Ich
stehe schon seit Jahren ganz oben auf ihrer Liste. Und sie sind ein Haufen
Abschaum, um ehrlich zu sein. Sie sind Abschaum.“
Die Angriffe der USA auf iranische Ziele in der Nacht zum Mittwoch
bezeichnete Trump als „sehr heftig“ und ergänzte: „Wir haben ihnen gestern
Abend sehr hart zugesetzt, sehr hart.“
Die USA hatten in der Nacht zum Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80
Ziele im Iran attackiert. Die US-Armee begründete die neue Angriffswelle
mit einem vorangegangenen Beschuss von drei Tankern im Bereich der Straße
von Hormus, für den Washington die Führung in Teheran verantwortlich macht.
Der Iran griff nach eigenen Angaben als Vergeltungsmaßnahme US-Stützpunkte
in anderen Staaten der Region an. In Kuwait und Bahrain wurde Luftalarm
ausgelöst.
Seit Anfang hatte in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran bereits eine
brüchige Waffenruhe gegolten. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA
auf ein Rahmenabkommen, das weitere Verhandlungen zu einer dauerhaften
Beendigung des Krieges vorsieht. Die immer wieder aufflammenden Gefechte
hatten bisher nicht zum Abbruch der Verhandlungen geführt. (afp)
## Merz verteidigt Nato
Die europäischen Staats- und [1][Regierungschefs der Nato] wollen
US-Präsident Donald Trump am Mittwoch bei einem Gipfeltreffen in Ankara von
einem Verbleib im Militärbündnis überzeugen. Nach der Kritik von Trump an
den Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Verbündeten hat
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erneut auf die deutliche Steigerung seit
dem letzten Gipfel in Den Haag verwiesen. „Wir haben geliefert“, sagte er
vor der Arbeitssitzung beim Gipfeltreffen in Ankara. Die meisten
europäischen Staaten hätten ihre Anstrengungen im Verteidigungsbereich
erheblich verbessert.
Das Treffen in der türkischen Hauptstadt wird von neuen Spannungen
überschattet, nachdem Trump den Streit über den Irankrieg sowie den Streit
um Grönland wieder angefacht und neue Luftangriffe auf den Iran angeordnet
hat. Zudem steht der Umgang der Allianz mit dem russischen Angriffskrieg
gegen die Ukraine auf der Tagesordnung.
Trump teilte bei seiner Ankunft in Ankara am Dienstag Seitenhiebe gegen die
Verbündeten aus. Er warf ihnen abermals vor, die USA im Irankrieg nicht zu
unterstützen. Er erklärte, ohne seine Freundschaft mit dem gastgebenden
türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hätte er das Treffen womöglich
boykottiert.
Die USA hatten am Dienstag als Reaktion auf Angriffe auf drei Tanker neue
Militärschläge gegen den Iran gestartet und eine Ausnahmegenehmigung
entzogen, die dem Iran den Verkauf von Öl erlaubte. Dies gefährdet das
ohnehin brüchige Waffenstillstandsabkommen in einem Krieg, der in Europa
auf breite Ablehnung stößt. (rtr/dpa)
## Rutte hält US-amerikanische Angriffe auf Iran für notwendig
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigte die neuen US-Angriffe vor dem
Gipfel als „absolut notwendig“. Wenn eine Waffenruhe bestehe und der Iran
diese im Grunde verletze, halte er es für entscheidend, dass die USA
entschlossen reagierten, sagte Rutte vor Journalisten. Er spielte Trumps
Klagen über die Verbündeten als „Einzelfälle“ herunter. Die Nato-Staaten
hatten am Dienstag versucht zu demonstrieren, dass sie Trumps Forderungen
nach höheren eigenen [2][Verteidigungsausgaben nachkommen, indem sie
Rüstungsgeschäfte] im Wert von mindestens 50 Milliarden Dollar ankündigten.
Trump zeigte sich dennoch unzufrieden. Er sei „sehr enttäuscht“ von der
Allianz. Die USA seien während des US-israelischen Krieges gegen den Iran
nicht gut behandelt worden, sagte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit
Erdogan. Warum gebe man Hunderte Milliarden Dollar aus, wenn die Partner
im Ernstfall nicht für die USA da seien, fragte Trump. Er warf den
europäischen Staaten vor, den US-Streitkräften während des Konflikts die
Nutzung ihres Luftraums und ihrer Stützpunkte verweigert zu haben.
Zudem kritisierte der US-Präsident die italienische Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni, die früher als seine enge Verbündete galt. Die Beziehung
sei „etwas abgekühlt, weil sie sich weigerte, uns zu helfen“, sagte Trump,
nannte Meloni jedoch gleichzeitig eine „nette Person“.
Europäische Regierungsvertreter betonten, sie hätten ihre Verpflichtungen
weitgehend erfüllt, obwohl sie vor dem wirtschaftlich folgenschweren
Konflikt nicht konsultiert worden seien. (rtr/dpa)
## Trump erneuerte Grönland-Anspruch
Trumps erneute Forderung, dass die zu Dänemark gehörende autonome Region
Grönland unter US-Kontrolle gestellt werden sollte, sorgte für zusätzliche
Verstimmung. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte in
Ankara, Grönland stehe nicht zum Verkauf. Die Nato sei gegründet worden,
damit im Ernstfall alle füreinander einständen. „Wir sind bereit, jeden
Zentimeter des Nato-Gebiets zu verteidigen, einschließlich unseres eigenen
Territoriums.“ Natürlich werde man das Königreich Dänemark verteidigen.
Die 32 Nato-Staats- und Regierungschefs kommen am Mittwoch zur Hauptsitzung
zusammen, nachdem sie sich am Dienstagabend zu einem gemeinsamen Abendessen
getroffen hatten. Die Botschafter der Mitgliedstaaten haben eine
Gipfel-Erklärung ausgearbeitet, die eine „unerschütterliche Verpflichtung“
zur kollektiven Verteidigung vorsieht. Diese wird jedoch erst
veröffentlicht, wenn die Staats- und Regierungschefs sie gebilligt haben.
Die US-Regierung unter Trump drängt die Europäer seit längerem dazu, mehr
Verantwortung für die konventionelle Verteidigung zu übernehmen, da
Washington seinen militärischen Fokus auf den Indopazifik richten will.
Auch deshalb haben die USA den Abzug von Truppen aus Europa angekündigt.
Zudem reduzierten sie die dem Bündnis für Verteidigungspläne zugewiesenen
Militärkapazitäten – darunter ein Flugzeugträger, Tankflugzeuge, Kampfjets
und Drohnen – und leiteten eine sechsmonatige Überprüfung ihrer
Militärpräsenz auf dem Kontinent ein. Europäische Diplomaten hoffen nun,
dass Trumps gute Beziehungen zu Erdogan und Rutte dazu beitragen können,
die Spannungen beim Gipfel abzubauen. (rtr/dpa)
8 Jul 2026
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