# taz.de -- Messi im Viertelfinale: Erst Erleichterung, dann Schwärmerei
       
       > In Atlanta will den Argentiniern, will Messi gegen Ägypten lange nichts
       > gelingen. Doch dann erweisen sie sich als Mentalmonster. Wie viel geht da
       > noch?
       
 (IMG) Bild: „Wegweiser, Bezugspunkt, Anführer“ und natürlich auch der mit den Sponsoren: Seine Mitspieler feiern Lionel Messi
       
       Lionel Messi bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft, das ist schon viel
       Geschäft. Auch in Atlanta flimmerten seine Tricks und Tore bereits vor
       Anpfiff über den gigantischen Rundumbildschirm unter dem Dach. Schließlich
       wirbt der Argentinier gefühlt für jeden zweiten Fifa-Sponsor. Nach dem
       Schlusspfiff jedoch erschien auf dem gleichen bunten Halo Board ein
       weinender Weltstar – und erst in diesem Moment merkten viele Anhänger,
       welche historische Dimension die Aufholjagd der Albiceleste im
       WM-Achtelfinale gegen Ägypten, das mit 3:2 endete, besessen hatte.
       
       Wenn sich schon ein völlig ausgepumpter Anführer seiner Tränen nicht
       schämt, geht’s vielleicht doch auch um Gefühle. Abertausende Messi-Jünger
       mit der Zehn auf ihren Replika-Trikots und der [1][echte Messi im
       Originaljersey] gleichermaßen von Emotionen überwältigt: Die Bilder nach
       einem WM-Finale können vermutlich auch nicht besser sein.
       
       „Es war sehr schwer, wir haben gelitten, aber diese Gruppe gibt nie auf,
       sie kämpft bis zum Ende“, sagte Messi später wieder gefasst. „Es ist
       verrückt, was sie in dieser K.-o.-Runde geleistet hat. Ich freue mich, dass
       die Leute jetzt feiern können.“ Vor allem ließen sie ihn hochleben: Die
       Mitspieler schleuderten ihren Kapitän spontan in die Luft.
       
       Er könne nicht in Messis Kopf schauen, erklärte Nationalcoach Lionel
       Scaloni in der Pressekonferenz, „aber ich bin überzeugt, dass er für diese
       Momente Fußball spielt“. Und er sei auch für diese Emotionen Trainer
       geworden. [2][„Das sind wir – das ist Argentinien!“]
       
       ## Messis 21. WM-Tor
       
       Das bisweilen nicht ganz ausbalancierte Spiel seiner Mannschaft hatte sich
       wieder ganz um den 39-Jährigen gedreht. Aber es dauerte bis weit in die
       zweite Halbzeit, bis sich das auszahlte und er erst die feine Flanke zum
       Anschlusstreffer von Kraftpaket Cristian Romero schlug (79.), dann selbst
       mit einem Volleyschuss ausglich (84.). Sein 8. Tor in diesem Turnier,
       [3][sein 21. WM-Treffer], sein 125. Länderspieltor. Noch Fragen?
       
       Sein Tatendrang ist mindestens genauso groß wie beim argentinischen
       Titelgewinn vor dreieinhalb Jahren in Katar. Und auch in Nordamerika
       scheint die himmelblaue Gemeinschaft wieder auf einer besonderen Mission,
       weil sie ihrem „Wegweiser, Bezugspunkt, Anführer“ (Mitspieler Lautaro
       Martinez) bei seinem nun wirklich letzten Turnier noch einmal mit dem
       Goldpokal sehen wollen.
       
       „Wir versuchen, ihm zu helfen, ihn zu unterstützen und jeden Moment an
       seiner Seite zu genießen“, sagte Angreifer Julian Alvarez in der
       überfüllten Mixed Zone. „Er ist der beste Spieler der Welt – der
       Geschichte.“ Alvarez hatte übrigens selbst tief in der eigenen Hälfte den
       entscheidenden Ballgewinn gegen Mo Salah vor dem Siegtreffer von Enzo
       Fernandez (90.+2) verbucht.
       
       ## Können Europäer da mithalten?
       
       Der Siegtorschütze schwärmte von einer „phänomenalen Gruppe“, die dem
       Rückstand durch Vasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) trotzte. Es
       spiele keine Rolle, dass Messi nach 21 Minuten wie schon gegen Österreich
       einen Elfmeter verschoss und jetzt turnierübergreifend bei vier
       Fehlschüssen steht. Argentinien spielt nun am Sonntag im Viertelfinale in
       Kansas City gegen die Schweiz. Für den Sieger geht es im Halbfinale erneut
       in Atlanta gegen England oder [4][Norwegen.]
       
       Liegen europäische Gegner dem einzigen Viertelfinalisten aus Südamerika
       vielleicht besser? Denn gegen zwei Vertreter Afrikas hat es Kraftakte
       gebraucht. Auch das [5][Sechzehntelfinale gegen Kap Verde (3:2 n.V.)]
       avancierte in Miami zur schweißtreibenden Angelegenheit. Oder will das Team
       so viel Drama bieten, weil seine Gefolgschaft für die US-Tour so viel Geld
       ausgibt? Die Wechselwirkung von den fanatischen Fans auf den Rängen und den
       impulsiven Protagonisten auf dem Rasen kann jeder spüren.
       
       Der Titelverteidiger offenbart zwar eine defensive Anfälligkeit, bringt
       gleichwohl eine enorme Resilienz mit, die auf zwei Säulen basiert: Zum
       einen ist da fußballerische Qualität, die eben vor allem Messi zu verdanken
       ist. Zum anderen hilft eine beeindruckende Mentalität. Wenn sich die
       deutsche Nationalelf – einst ja mal ein Angstgegner –, die Messis
       Titelträume bei dessen ersten drei WM-Turnieren von 2006 bis 2014 hat
       platzen lassen, nur ein winziges bisschen abschaut, wäre für sie schon viel
       gewonnen. Aktuell hat Argentinien den Abstand eher weiter ausgebaut. Wenn
       sein Weltstar am Ende aus Erleichterung weint, ist alles über einen Antrieb
       gesagt, der von tief innen kommt
       
       8 Jul 2026
       
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 (DIR) Frank Hellmann
       
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