# taz.de -- Argentinien erreicht das Halbfinale: Alles in den Raum stellen
       
       > Steht mit Argentinien der Weltmeister längst fest? Im Viertelfinale gegen
       > die Schweiz profitierte es von einer Roten Karte wegen Schwalbe.
       
 (IMG) Bild: Schwalbe? Rot! Breel Embolos Ende
       
       Ja, es wird sicher wieder wilde Theorien geben nach diesem Spiel. Dass der
       Schweizer Breel Embolo nach VAR-Intervention mit Gelb-Rot vom Platz flog,
       gerade in dem Moment, als die Schweiz gegen Argentinien ausgeglichen hatte
       und dabei war, die Oberhand zu gewinnen – konnte das Zufall sein? Oder
       steckte wieder die Fifa dahinter, die Lionel Messi ins Finale hieven
       wollte? Hätte es Gelb-Rot in derselben Situation auch für Argentinien
       gegeben, das bei dieser WM bis dahin [1][nur alle 19,7 Fouls eine Gelbe
       Karte] sah, eine der geringsten Quoten? Und steht der Weltmeister längst
       fest? Die Debatte um Argentinien ist nicht mehr totzukriegen.
       
       Aber nein, diesmal ging die Schiedsrichterleistung völlig in Ordnung beim
       mühsamen 3:1-Sieg der Argentinier im Viertelfinale. Es war eher ein
       unglücklicher Zufall, der das Spiel wendete: Schiedsrichter João Pinheiro
       gab dem Argentinier Leandro Paredes für ein vermeintliches Foulspiel an
       Breel Embolo Gelb. Aufgrund der neuen Regel griff der VAR ein, weil die
       Karte den falschen Spieler traf. Der schon verwarnte Breel Embolo hatte in
       der Tat eine plumpe Schwalbe begangen.
       
       Die Karte ging an Embolo, der in Tränen und völlig geschockt den Platz
       verließ. Und so kam es, dass Argentinien gegen heroisch eingeigelte
       Schweizer absehbar irgendwann doch traf. Atlético-Stürmer Julián Álvarez
       besorgte das in der 112. Minute mit einem so wundervoll gezirkelten Schuss,
       dass viele Fans den Mund lange nicht zu bekamen. Magie für einen Moment.
       
       Denn es war kein besonders magischer Abend in Kansas City. Das Magischste
       war die Kulisse von fast 70.000 Argentinier:innen, die das Stadion mit
       ihren dröhnenden Gesängen beinahe in eine Pralinenschachtel wie in Buenos
       Aires verwandelten. Sie hätten besseren Fußball verdient gehabt. Früh hatte
       der amtierende Weltmeister nach Messi-Ecke durch Alexis Mac Allister die
       Führung erzielt. Und dann geschah sehr lange nichts. Weil Argentinien
       pragmatisch verwaltete und der Schweiz vorn nichts gelang.
       
       ## Erstaunlich
       
       Wie gelähmt [2][wirkten die Schweizer vom Druck], zum ersten Mal das
       Halbfinale einer WM zu erreichen. Erst nach der Pause nahm die Elf von
       Murat Yakin ordentlich Betrieb auf, vor allem über den herausragenden Dan
       Ndoye, der folgerichtig den Ausgleich erzielte. Und plötzlich roch es nach
       Sensation, je länger das Remis auch in Unterzahl hielt. Bis in die zweite
       Hälfte der Verlängerung. Bis zum sensationellen Geniestreich von Álvarez.
       
       „Es war ein körperlich sehr starker Gegner“, resümierte Argentiniens Coach
       Lionel Scaloni. „Sie haben uns leiden lassen. Sie waren besser in den
       Duellen und bei den zweiten Bällen.“ Erstaunlich selbstkritisch klang der
       Weltmeistertrainer. „Wir waren nicht in Bestform. Wir konnten unseren Stil
       nicht umsetzen.“
       
       Empört waren die Schweizer. „Es ist schwierig, wenn man den Schiedsrichter
       gegen sich hat“, schimpfte Verteidiger Manuel Akanji. „Jede Kleinigkeit
       wurde für Argentinien gepfiffen. Ich habe noch nie ein so einseitig
       gepfiffenes Spiel erlebt. Alle ihre Schwalben – keine Gelbe Karte.“ Viel
       Basis hatte diese Behauptung nicht, denn nennenswerte argentinische
       Schwalben oder streitbare Entscheidungen hatte es nicht gegeben. Aber
       mittlerweile kann man bei dieser WM wohl alles in den Raum stellen.
       
       ## Hätte, hätte
       
       Ein Sieg der Schweiz hätte dieser WM gewiss gutgetan. Die WM, die auch vom
       Versprechen lebte, ein Turnier der Underdogs zu sein, erwies sich als das
       Gegenteil. Mindestens im Fall Ägypten blieb dabei ein unschöner
       Beigeschmack ob der Schirileistung.
       
       Die Argentinier sprangen nur so hoch, wie sie mussten. Die
       Titelverteidiger, die mit einem Durchschnittsalter von über 29 Jahren
       antraten, wirkten gegen die Schweiz ein wenig wie ein Team, das seinen
       Zenit überschritten hat. Kaum Dynamik war in diesem Auftritt, das
       argentinische Spiel lebte von genialen Einzelaktionen.
       
       Immerhin, die Spieler dafür hat man. Die kriselnden Engländer dürften im
       Halbfinale der richtige Aufbaugegner sein. Dort hat Coach Thomas Tuchel
       gerade Tuchel-Dinge gemacht und das eigene Team öffentlich zerlegt.
       [3][Jude Bellingham] war nicht amüsiert. Argentinien dagegen tritt mit
       einer geschlossenen Mannschaft an, die zu großen Teilen schon zusammen
       Weltmeister wurde. Es könnte der entscheidende Vorteil sein. „Wir hatten
       heute Glück“, hat Tuchel gesagt. Nun, das können die Argentinier
       unterschreiben.
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.upday.com/gelbe-karte-alle-197-fouls-warum-argentiniens-statistiken-manipulationsvorwurfe/zes9eqv
 (DIR) [2] /WM-Viertelfinalist-Schweiz/!6194698
 (DIR) [3] /Fussball-WM-2026/!6186719
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Schwermer
       
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