# taz.de -- Mandat in Großbritannien niedergelegt: Der schillernde Populist Farage will es noch einmal wissen
       
       > Nigel Farage, Chef der britischen Rechtspopulistenpartei Reform UK,
       > provoziert eine Nachwahl in seinem Wahlkreis Clacton-on-Sea. Es ist eine
       > Kampfansage.
       
 (IMG) Bild: Hier nicht direkt im Bild: der Stinkefinger für das Establishment. Nigel Farage am Dienstag in London
       
       Als Nigel Farage am frühen Dienstagnachmittag ein „Statement über meine
       öffentliche Zukunft“ ankündigte, war das politische London elektrisiert.
       Würde der populäre britische Rechtspopulist, seit Monaten als möglicher
       Sieger vorgezogener Neuwahlen in Großbritannien gehandelt, hinschmeißen?
       Seit Wochen mehren sich Skandale um seine Person, seine Partei Reform UK
       scheint ihren Höhenflug beendet zu haben. Der 62-Jährige schien in seinen
       zunehmend seltenen Auftritten erschöpft und dünnhäutig.
       
       In [1][seinem Statement], live im Fernsehen übertragen, ist Farage
       stattdessen in die Offensive gegangen. Der Reform-UK-Chef legt sein
       Abgeordnetenmandat nieder und provoziert damit eine Nachwahl in seinem
       Wahlkreis Clacton-on-Sea. Zu dieser Nachwahl will er antreten und sich
       damit bestätigen lassen.
       
       ## „Nachwahl zwischen Volk und Establishment“
       
       „Dies wird eine Nachwahl zwischen dem Volk und dem Establishment“, rief er.
       „Es ist eine Gelegenheit, dem gesamten Establishment den Stinkefinger zu
       zeigen und ihnen zu sagen, wohin sie es sich stecken können. Und deswegen
       werde ich meine Kandidatur anmelden. Ich werde für den Sieg kämpfen, ich
       werde dafür kämpfen, die politische Revolution fortzusetzen.“
       
       Das ist eine Kampfansage nach Wochen zunehmend peinlicher Enthüllungen. So
       [2][berichtete im April der Guardian], der Cryptowährungsmilliardär
       Christopherr Harborne habe Farage Anfang 2024 5 Millionen Pfund (6
       Millionen Euro) gespendet, kurz bevor der eigentlich längst aus der aktiven
       Politik abgetauchte Rechtspopulist in die Politik zurückkehrte. Farage
       übernahm den Vorsitz der von ihm gegründeten Partei Reform UK und gewann
       bei den Parlamentswahlen im Juli 2024 das Mandat im Wahlkreis
       Clacton-on-Sea. Entgegen den Regeln sei die Spende nicht deklariert worden,
       schrieb der Guardian.
       
       Farage konterte, der Guardian habe seine Informationen mit illegalen
       Mitteln beschafft, was die Zeitung bestreitet. Aber weiter in die Defensive
       geriet Farage am vergangenen Wochenende: [3][Die größte britische
       Sonntagszeitung, die Sunday Times, berichtete] über seine langjährige enge
       Freundschaft zu dem wegen Betrugs verurteilten Straftäter George Cottrell,
       dessen Geld ihn über Wasser hielt. Da lief bereits eine parlamentarische
       Untersuchung gegen Farage, die zu einer Suspendierung seines
       Parlamentsmandats und einer vorgezogenen Nachwahl in Clacton-on-Sea führen
       könnte.
       
       ## Farage kommt einer möglichen Suspendierung zuvor
       
       Dem kommt Farage jetzt durch seinen Rücktritt aus dem Parlament zuvor,
       womit die Untersuchung ausgesetzt wird. Es ist die neueste Wendung in einer
       schillernden Karriere. Nigel Farage hat nacheinander die United Kingdom
       Independence Party (Ukip) geführt, die 2016 das Brexit-Referendum erzwang,
       dann die Brexit Party, die 2019 den Vollzug des Brexits erzwang, und
       schließlich Reform UK, um das neue, „souveräne“ Großbritannien in seinem
       Sinne zu reformieren: libertär, dereguliert und ohne unerwünschte
       Zuwanderer. Reform UK liegt seit Frühjahr 2025 konstant vorn in allen
       britischen Meinungsumfragen. Aber die Partei bleibt auf die Person Farage
       zugeschnitten.
       
       „Das Establishment kann mich nicht fair schlagen, also haben sie sich für
       unfaire Mittel entschieden“, sagte Farage jetzt und nannte einen
       Zeitungsbericht, der mit dem privaten Wohnhaus seiner Tochter illustriert
       war. Er sagt, er sei fast täglich mit Angriffen und Mordaufrufen
       konfrontiert und verdanke seinen Spendern seine private Sicherheit, die
       viel Geld koste. „In meinem ganzen Leben war ich noch nie so wütend“, fuhr
       er fort. Und: „Ich habe nichts falsch gemacht.“
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/Nigel_Farage/status/2074480311543755165
 (DIR) [2] https://www.theguardian.com/politics/2026/apr/29/revealed-nigel-farage-was-given-undisclosed-5m-by-crypto-billionaire-in-2024
 (DIR) [3] https://www.thetimes.com/uk/politics/article/revealed-nigel-farage-secretly-funded-by-convicted-criminal-j0brtrlnk
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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