# taz.de -- Nachwahl in England: Nigel Farage kehrt ins Parlament zurück
> Der Chef der rechten Partei Reform UK gewinnt die Nachwahl in
> Clacton-on-Sea. Doch das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt ein anderer
> Kandidat.
(IMG) Bild: Scherzkandidat Count Binface, Hauptkonkurrent des Rechtspopulisten Nigel Farage, im Gespräch mit Medienvertreter:innen, 14. August 2026
Die Stimmauszählung dauerte ungewöhnlich lange, gab es doch 34
Kandidat:innen auf einem 90 cm langen Wahlzettel, darunter der Chef der
rechtspopulistischen Partei Reform UK und der Scherzkandidat Count Binface
(Graf Mülleimer). Doch gegen sechs Uhr morgens britischer Zeit stand der
62-jährige Farage als erwarteter Sieger der Nachwahl des südostenglischen
Wahlkreises Clacton-on-Sea fest.
Farage holte 62,8 Prozent, insgesamt 22.239 Stimmen. Im Juli 2024 lag er
noch bei 46,2 Prozent. Für Farage ist das eine Bestätigung seiner Position.
Der Chef der Partei Reform UK hatte bereits Stunden vor der offiziellen
Verkündung seines Wahlsieges eine Rede gehalten. „Ich habe am heißesten Tag
des Jahres, mitten im August in der Urlaubszeit, mit mehr Stimmen als bei
der Nationalwahl 2024 gewonnen“, sagte er vor jubelnden Unterstützer:innen.
Bei der Verkündung der Wahlergebnisse werde er jedoch nicht dabei sein, da
die Polizei vor organisierten Störaktionen gewarnt habe, so Farage.
Wahlleiter Ian Davidson widersprach dem jedoch: Die Veranstaltung sei
geschützt und sicher. Auch die BBC, welche die Wahlnacht übertrug, konnte
keine polizeilichen Warnungen bestätigen. Dennoch wurde auch eine von
Farage geplante Ansprache am Vormittag von Reform UK abgesagt. Farage hatte
schon häufig von einer Gefährdung seiner Sicherheit gesprochen. Im
Hinterkopf hatte er dabei wohl auch [1][die Ermordung der Reform
UK-Politikerin Ann Widdecombe] in ihrem Haus in Devon im Juli.
## Scherzkandidat als Hauptkonkurrent
Farages Hauptkontrahent war [2][der Scherzkandidat Count Binface], (Graf
Mülleimer), der mit eben diesem Mülleimer als Helm über dem Kopf und im
Motorradanzug auftritt und sich als Wesen vom Planeten Sigma IX ausgibt. Er
kam mit 9.455 Stimmen auf 26,93 Prozent, mehr als bei den fünf vorherigen
Wahlen, bei denen er angetreten war.
Damit hat Binface, hinter dem der britische Comedian Jonathan Harvey steht,
das höchste Scherzkandidaten-Ergebnis in der britischen Geschichte erzielt.
## Geldgeschenk als Rücktrittsgrund
Zur Nachwahl in Clacton-on-Sea war es gekommen, [3][weil Nigel Farage]
[4][am 8. Juli] [5][von seinem Posten als Parlamentarier aus diesem
Wahlkreis zurückgetreten war]. Zuvor hatte die Prüfstelle für
parlamentarische Standards eine Geldzuwendung des Milliardärs Christopher
Harborne in Höhe von 5 Millionen Pfund (rund 5,85 Millionen Euro)
überprüft, die Farage drei Monate vor seinem Eintritt ins Unterhaus
erhalten hatte.
Farage hatte behauptet, es habe sich um ein persönliches Geschenk
gehandelt, das er zum Schutz und zur Sicherheit seiner Person genutzt habe.
Medienberichten zufolge hatte es Farage womöglich versäumt, diese Summe
offenzulegen, obwohl die parlamentarischen Richtlinien eindeutig verlangen,
dass alle größeren Geldspenden und finanziellen Transaktionen in dem Jahr
vor dem Einzug ins Parlament öffentlich gemacht werden müssen.
Um eine mögliche parlamentarische Suspendierung und damit eventuell
verbundene Neuwahlen zu vermeiden, trat Farage proaktiv zurück. Die
Untersuchung an sich bezeichnete er als Ergebnis einer medial gesteuerten
Hexenjagd.
Doch diese Nachwahl, die die britischen Steuerzahler:innen jetzt
umgerechnet 300.000 Euro gekostet haben könnte, beendet die Untersuchungen
der Prüfstelle für parlamentarische Standards gar nicht. Nach Farages
Rücktritt waren sie zwar auf Eis gelegt worden, doch werden sie mit seiner
jetzigen Wiederwahl wieder aufgenommen.
## Untersuchungen werden mit Neuwahl wieder aufgenommen
Farage könnte demnach doch noch parlamentarisch suspendiert werden, wodurch
es zu einer zweiten Nachwahl kommen könnte. Gerade deshalb hatten sich
sämtliche größeren Parteien – Labour, Konservative,
Liberaldemokrat:innen und Grüne – nicht an der Wahl beteiligt, die
sie als Inszenierung Farages bezeichneten. Nur deshalb war Count Binface
überhaupt zum Hauptgegenkandidaten geworden. Insgesamt traten
schlussendlich noch 32 andere zur Wahl an, darunter vor allem unabhängige
Kandidat:innen. Sie kamen insgesamt auf 3.375 Stimmen.
Neben der ausstehenden parlamentarischen Untersuchung zu seinen
Geldangelegenheiten sind die Probleme für Farage und seine Partei noch
nicht beendet. [6][Seitdem die Labour-Partei Andy Burnham zum Nachfolger
Keir Starmers als Premierminister ernannt hat,] sind die Umfragewerte der
rechtspopulistischen Reform UK rückläufig. Am Montag lag Labour in einer
Meinungsumfrage von Yougov mit 24 Punkten zum ersten Mal zwei Punkte vor
Reform UK und auch die Tories holten stark auf.
Anm. d. Red. In einer früheren Fassung war die Rede davon, die Nachwahl
dürfte umgerechnet rund 300 Millionen Euro gekostet haben. Richtig ist:
300.000 Euro. Wir haben die Stelle korrigiert.
14 Aug 2026
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