# taz.de -- Erfurter*innen über Anti-AfD-Aktion: Von „Scheiß“-Blockaden bis „AfD verbieten“
       
       > Das Bündnis Widersetzen hat am Wochenende versucht, den Bundesparteitag
       > der AfD zu verhindern. Wie fanden die Menschen in Erfurt die Aktion?
       
 (IMG) Bild: Protest gegen den Parteitag der AfD: Blockade der Autobahn 71 bei Erfurt am 4. Juli 2026
       
       Den Bundesparteitag der AfD konnten die Blockaden am Samstagfrüh nicht
       verhindern. An 12 Orten in und um Erfurt versperrten laut dem Bündnis
       Widersetzen insgesamt 17.000 Aktivist*innen physisch die Zufahrt zur
       Messehalle. Doch die AfD-Delegierten waren längst angereist, der Parteitag
       konnte pünktlich beginnen.
       
       In der rechten Bubble machte man sich lustig, dass die Linken wohl keine
       Wecker hätten, um früh genug aufzustehen. Auch einige Linke halten die
       Blockaden für gescheitert. Das Bündnis Widersetzen sprach trotzdem von
       einem Erfolg. „Das waren die größten Blockaden, die wir je auf die Beine
       gestellt haben“, heißt es auf der Website.
       
       Aber wie fanden Unbeteiligte vor Ort die Blockaden? Die taz hat sich in
       Erfurt umgehört und festgestellt: Die Meinungen gehen auseinander. Und das
       nicht nur entlang der erwartbaren politischen Linien.
       
       „Eine Sauerei“, wettern die Seniorinnen sofort los, als die Reporterin sie
       auf die Blockaden anspricht. Und das hieße nicht, dass sie etwas mit der
       AfD zu tun hätten, jagen sie im selben Atemzug hinterher. „Aber die wurden
       hier ja in Busladungen angekarrt“, kritisiert die eine, „und dafür
       bezahlt“, behauptet sie entgegen den Fakten.
       
       „Mit den Protesten schenkt man der AfD ja noch mehr Aufmerksamkeit – und
       schanzt ihr sogar Leute zu“, mutmaßt die andere. Die 68-Jährige war früher
       „Industriekaufmann“. Zuletzt habe sie BSW gewählt, aber nach den Aktionen
       vom Wochenende könne sie sich durchaus vorstellen, AfD zu wählen. Die SPD
       wählen sie schon lange nicht mehr. Warum nicht? „Wegen allem.“
       
       Vor einem Späti sitzt eine 19-Jährige mit ihren Friends. Sie hat perfekt
       geschminkte Wimpern, keine Ausbildung und arbeitet im Sicherheitsbereich.
       Die Blockaden fand sie „scheiße – für die Mitbürger hier“. Die AfD findet
       sie genauso „scheiße“. Mehr möchte sie nicht sagen.
       
       „Die Blockaden finde ich nicht gut“, gibt auch die Mitarbeiterin eines
       Buchladens zu Protokoll. Auf Autostraßen sei das „zu gefährlich“, meint die
       26-Jährige. Sie hat „Verkäufer“ gelernt, wohnt zehn Minuten von Erfurt
       entfernt. Sie selbst wähle jedes Mal etwas anderes, die AfD sei noch nicht
       dabeigewesen. Normale Demos stören sie nicht: „Des is mir egal, des können
       die machen.“ Ob sie Verständnis dafür hat, dass Leute gegen die Partei
       protestieren? „Joar.“
       
       ## Sorgen um Straßenverkehr
       
       Dass die Blockaden „in den Straßenverkehr“ eingreifen, ist das häufigste
       Gegenargument, das die taz hört. „Das geht gar nicht“, findet auch ein
       47-Jähriger. „Ich bin nicht rechts“, betont er gleich zu Beginn des
       Gesprächs. Er sei Nichtwähler, war mal bei Amazon im Lager tätig und ist
       jetzt arbeitssuchend. Für die Proteste habe er durchaus Verständnis, „weil
       es in der AfD wohl auch einige Rechtsextreme gibt“ – und beeilt sich zu
       ergänzen: „Aber nicht alle in der AfD sind so!“ Angst, dass sie an die
       Macht kommt, hat der Mann mit den braunverfärbten Zähnen nicht. „Noch
       schlechter werden kann es hier ja nicht.“
       
       So ähnlich sieht das ein gelernter Berufskraftfahrer, der darüber
       nachdenkt, erstmals AfD zu wählen. „Ich bin immer am Zweifeln.“ Bei der
       Partei sei „viel Soziales“ dabei, sagt er und nippt vorsichtig an seinem
       heißen Kaffee. „Aber eine Diktatur will niemand.“ Ihn störe „das
       Rechtsextremistische“. Die SPD komme für ihn aber nicht mehr infrage, etwa
       wegen der Heraufsetzung des Renteneintrittsalters. Für die Blockaden äußert
       er einerseits Verständnis: „Man muss ja auf sich aufmerksam machen.“
       Andererseits sagt er: „Blockaden auf der Autobahn gehen gar nicht, da kann
       es Tote geben!“
       
       Auch diese Haltung begegnet der taz in Erfurt häufiger: Friedliche
       Proteste: Okay. Blockaden oder Militanz: Nein danke. Ein 16-Jähriger mit
       Sporttasche über der Schulter fand die Posts im Vorfeld zu aggressiv. „Also
       die Drohungen, AfD-Mitglieder nicht nach Erfurt reinzulassen, [1][von
       Dächern aus anzugreifen, bunkert euch Steine und was da alles angedroht
       wurde].“ Er könne sich vorstellen, beim ersten Mal AfD zu wählen, „die sind
       smart“, sagt er, stimmt der taz-Reporterin aber auch zu, dass es eine
       schwierige Frage ist, wohin Menschen mit deutschem Pass eigentlich
       „remigrieren“ sollten. „Ich bin mir ja auch noch nicht sicher, was ich
       wähle“, versichert er zum Abschied.
       
       „Wir haben das Weite gesucht“, sagt eine junge Frau. Sie ist 28, Konditorin
       und wohnt direkt am Gothaer Platz, wo am Samstag eine der Blockaden
       stattfand. „Ich habe meine Katze geschnappt und bin aufs Land gefahren.“
       Wieso? „Weil die Dächer besetzen, Pflastersteine runterwerfen wollten und
       so ’ne Faxen“, antwortet ihr Partner. Er ist 35 und Sozialpädagoge. Die
       Blockaden fand er affig. „Die können doch eh nicht verhindern, dass die AfD
       ihren Parteitag abhält.“ Wäre das denn gut? „Weder – noch“, findet sie.
       Wählen würde sie die AfD aber nicht.
       
       „Um Gottes willen!“, entfährt es der Dame mit dem grauen Zopf auf die
       Frage, ob sie bei Blockaden gegen die AfD mitmachen würde. „Nein.“ Die AfD
       würde sie nicht wählen, aber dagegen demonstrieren würde sie auch nicht,
       erklärt sie der taz lächelnd. Auch nicht [2][bei einer ruhigeren
       Kundgebung], wie sie etwa am Domplatz stattfand. Sie und ihr Mann, ein
       Unternehmerpärchen um die 80, wählen beide CDU. Selbst wenn die mit der AfD
       koaliert? Achselzucken, wieder Lächeln. „Ich wähle nur die CDU.“
       
       ## „Die AfD sollte verboten werden“
       
       „Es hat sich ja gezeigt, dass das Blockieren nichts gebracht hat“, sagt
       eine Gewerbetreibende am Gothaer Platz. „Die Politiker sind trotzdem in die
       Messehalle gekommen, weil die Polizei ein bisschen schlauer war.“ Die AfD
       sollte aus Sicht der Betriebswirtin verboten werden. Protest und sogar
       Blockaden findet sie okay und zeigt sich erleichtert, [3][dass es „dieses
       Mal sehr gesittet abgelaufen“ ist].
       
       Der pensionierte Fleischer in der Straßenbahnlinie 4 findet die Blockaden
       „in Ordnung“. Die AfD gehöre verboten. „Wir haben genug Faschismus erlebt
       in diesem Land. Meine Eltern haben das mitgemacht. Wir brauchen das nicht
       noch mal.“ Um die AfD zu verhindern, würden die Blockaden allerdings nichts
       nützen, sagt der 65-Jährige. „Es kommt ja auf die Wähler an.“
       
       Daran zeigt sich: Nicht alle Blockadegegner wählen automatisch AfD, viele
       wählen gar nicht (mehr) oder bezeichnen sich als unpolitisch. Selbst
       Konservative können Blockaden akzeptieren, in helle Begeisterung
       ausgebrochen ist niemand, mit dem die taz gesprochen hat. Zugleich bewerten
       nicht alle Blockadesympathisanten die Aktionen von Samstag als einen
       Erfolg. Durch die Bank positiv über die Blockaden geäußert haben sich die
       Migrant*innen, mit denen die taz gesprochen hat.
       
       Von der rumänischen Toilettenfrau, die den Unterschied zwischen Demos und
       Blockaden zwar nicht ganz verstanden hat, aber froh ist, wenn etwas gegen
       Ausländerfeindlichkeit getan wird, über den afghanischen Apotheker bis hin
       zum pakistanischen Späti-Betreiber: „Das haben die gut gemacht“, lobt
       Letzterer das Bündnis Widersetzen. Geärgert habe ihn aber das Bohei, das
       Medien und Polizei veranstaltet hätten.
       
       Ein 14-jähriger Schüler, dessen Familie aus Russland stammt und den stört,
       dass seine Schwester AfD wählt, sagt: „Was die Leute da versucht haben, ist
       wirklich gut. Blockaden sind nichts gegen das, was die AfD vorhat.“
       
       8 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.indymedia.org/node/747228
 (DIR) [2] /AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6187867
 (DIR) [3] /AfD-Parteitag-in-Erfurt-endet/!6193602
       
       ## AUTOREN
       
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