# taz.de -- Milliardenauftrag für TKMS: Kanada bestellt U-Boote in Deutschland
       
       > Das Werben um eine U-Boot-Partnerschaft mit Kanada ist geglückt.
       > Pistorius begrüßt Auftrag für Kieler Marineschiffbauer. Nun werden
       > Gegengeschäfte erwartet.
       
 (IMG) Bild: Mark Carney verkündet auf dem MC Dockyard in Halifax/Nova Scotia, dass Kanada 12 U-Boote bei TKMS kauft
       
       dpa | Milliardenauftrag aus Kanada vor dem Nato-Gipfel: Der Kieler
       Marineschiffbauer TKMS soll bis zu zwölf U-Boote nach Nordamerika liefern.
       Wie Premierminister Mark Carney in Halifax mitteilte, setzt Kanada auf eine
       Zusammenarbeit mit Deutschland.
       
       Der deutsche Hersteller stach bei dem Geschäft, das Arbeitsplätze an der
       Ostseeküste sichert, einen südkoreanischen Konkurrenten aus. Carney
       verkündete die Entscheidung vor seiner Abreise zum Gipfel des Bündnisses in
       Ankara.
       
       Die Bundesregierung hatte sich mit Blick auf die gemeinsame Abschreckung
       Russlands sowie die Sicherheitslage im Atlantik und der Arktis wiederholt
       für das Geschäft starkgemacht. Allein Verteidigungsminister Boris Pistorius
       reiste mehrfach zu Gesprächen nach Kanada, zuletzt im Mai.
       
       ## Pistorius begrüßt kanadische U-Boot-Entscheidung
       
       Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die kanadische Entscheidung zur
       Beschaffung deutsch-norwegischer U-Boote als Meilenstein für die Stärkung
       der transatlantischen Sicherheit begrüßt. Die zukünftige U-Boot-Flotte der
       drei Nationen sei wesentlicher Pfeiler in der Strategie der Nato zur
       Sicherung des hohen Nordens und sichtbarer Beitrag zur Lastenteilung im
       Bündnis, erklärte der SPD-Politiker vor dem Beginn des Nato-Gipfels.
       
       „Gemeinsam werden wir die weltweit größte und modernste konventionelle
       U-Boot-Flotte aufbauen. Die Informationen, die unsere 24 U-Boote im
       Nordatlantik, in der Arktis und im hohen Norden sammeln werden, können wir
       schnell untereinander austauschen, analysieren und nutzen“, sagte
       Pistorius, der am Dienstag aus Berlin zum Gipfel nach Ankara reisen will.
       Die Systeme könnten bei Bedarf an vier verschiedenen Werften in der
       nördlichen Hemisphäre gewartet werden.
       
       Pistorius, der [1][mehrfach zur Unterstützung des deutschen Angebotes nach
       Kanada gereist war], dankte TKMS-Chef Oliver Burkhard und seinem
       norwegischen Amtskollegen Tore O. Sandvik, den er als Freund bezeichnete.
       Er sagte: „Klar ist auch: Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Jetzt geht es
       darum, die Verträge fertig zu machen und die U-Boote möglichst schnell ins
       Wasser zu bekommen.“
       
       ## „Seite an Seite für Sicherheit im Nordatlantik“
       
       Für TKMS ist es [2][der größte U-Boot-Auftrag in der
       Unternehmensgeschichte]. Kanada erhält von der Werft U-Boote des Typs
       212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame
       Nutzung entwickelt. Die Buchstaben „CD“ stehen dabei für das gemeinsame
       Design („Common Design“). Diese Baugleichheit soll die Kosten verringern
       und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen, der sich nun Kanada als
       dritter großer Partner anschließt.
       
       „Wir wollen Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen
       Norden und ja auch der Arktis“, hatte Pistorius beim Besuch einer
       kanadischen Rüstungs- und Sicherheitskonferenz erklärt. Dabei geht es um
       den Schutz von Kommunikations- und Handelswegen über den Atlantik sowie
       möglichen Nachschubrouten des Bündnisses.
       
       Der SPD-Politiker sagte aber auch: „Es geht um eine strategische
       Partnerschaft mit Kanada.“ Im Hintergrund laufen Gespräche über
       umfangreiche Gegengeschäfte als Teil eines Gesamtpakets, das die
       deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen stärken soll.
       
       Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das
       Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt von US-Präsident
       Donald Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von
       Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat
       einzugliedern.
       
       ## Vor der Entscheidung gab es harten Wettbewerb
       
       In den vergangenen Wochen und Monaten hatte das [3][Rüstungsunternehmen
       TKMS] im Wettbewerb mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean sein Werben
       intensiviert und diverse Kooperationen mit kanadischen Unternehmen
       verkündet, um die eigenen Chancen zu erhöhen. Bereits bei der Vorstellung
       der Halbjahreszahlen im Mai hatte sich TKMS-Chef Oliver Burkhard
       zuversichtlich gezeigt: „Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen.“
       
       Zum Auftragsvolumen machten weder Kanada noch TKMS Angaben. Dies dürfte
       sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber allein für die
       U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Wartung und
       Betrieb eingerechnet gehe es für die nächsten Jahrzehnte um ein
       Finanzvolumen von 100 Milliarden kanadischen Dollar (rund 62 Mrd. Euro),
       berichteten kanadische Medien.
       
       ## Boote sollen in Kiel und Wismar gebaut werden
       
       TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear
       betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten
       neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber
       angedeutet, dass eine erste Auslieferung früher erfolgen könnte.
       
       Die High-Tech-Boote will die Werft sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in
       der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Dort will das
       Unternehmen bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen hat nach
       eigenen Angaben mehr als 9.100 Beschäftigte, darunter rund 3.300 in Kiel.
       Weiterer Standort neben Kiel und Wismar ist Itajaí in Brasilien.
       
       Die Auftragsbücher des Unternehmens waren bereits vor dem Rekordauftrag aus
       Übersee gut gefüllt. Die Werft profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage
       nach Rüstungsgütern. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres – von Oktober
       2025 bis März 2026 – erreichte der Auftragsbestand 20,6 Milliarden Euro.
       Das war bereits ein neuer Höchstwert. Bereits damit war TKMS bis in die
       2040er Jahre hinein ausgelastet.
       
       ## Neue U-Boot-Klasse
       
       Durch die Bestellung erhöht sich die Zahl der Aufträge für die neue Klasse
       212CD auf 24. Für Deutschland und Norwegen baut die Werft bereits jeweils
       sechs U-Boote.
       
       Deutschland nutzt aktuell sechs U-Boote der Vorgängerklasse 212A, die 56
       Meter lang sind. Die neuen U-Boote werden dagegen etwa 72 Meter lang sein.
       Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung
       möglicher Gegner unter und auf dem Wasser. Die Boote sollen mit jeweils 30
       Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz
       in der Arktis und unter Eis ausgelegt.
       
       ## Umsatz wächst bei TKMS – große Investitionen
       
       In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz bei TKMS
       um 10 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, weil Aufträge nach Plan erfüllt
       worden seien. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern nahm bereinigt um 14
       Prozent auf 60 Millionen Euro zu. Unter dem Strich verdiente TKMS 27
       Millionen Euro, was einem Rückgang um 41 Prozent entsprach. Der
       Gewinnrückgang ist die Folge von Investitionen in den Ausbau des
       Unternehmens, etwa für Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb.
       
       7 Jul 2026
       
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