# taz.de -- Ein neues U-Boot für Israel: Großes Geheimnis um die „INS Drakon“
> Die Einkaufstour für Israels Marine beschäftigt dort die Justiz. Derweil
> erteilt die Bundesregierung eine Exportgenehmigung für ein weiteres
> U-Boot.
(IMG) Bild: Was sich unter dieser Abdeckung wohl verbirgt? „INS Drakon“ bei der Erprobungsfahrt in der Kieler Förde
Während das milliardenschwere U-Boot-Geschäft mit Kanada [1][für Jubel bei
der Bundesregierung sorgt], findet die Abwicklung eines weiteren
Marinedeals jenseits der großen Öffentlichkeit statt: Israel erhält
demnächst wohl das sechste hochmoderne U-Boot aus Deutschland. Die
Bundesregierung [2][spricht in Dokumenten aus dem Bundestag] von einem
„Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich“, für das sie jüngst eine
Ausfuhrgenehmigung erteilt habe. Der Wert von etwa 480 Millionen Euro deckt
sich etwa mit dem Preis für das „INS-Drakon“ getaufte U-Boot, für das
Israel und die Firma Thyssenkrupp Marine Systems bereits 2012 einen
Kaufvertrag unterzeichnet hatten.
Das zuständige Wirtschaftsministerium möchte die Frage der
Exportgenehmigung auf taz-Anfrage am Dienstag weder bestätigen noch
dementieren und verweist auf bestehende „Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse“. In dem Bundestagsdokument heißt es, bis zum 31. Mai
seien Exportgenehmigungen nach Israel im Wert von etwa 795 Millionen Euro
erteilt worden. Mehr als 60 Prozent des Betrags gingen auf einen einzelnen
Posten im maritimen Bereich zurück – bei dem es sich, angesichts der seit
mehr als einem Jahr beobachteten Erprobung des U-Boots für Israel in der
Kieler Förde, nur um dieses handeln kann.
Die Exportgenehmigung wäre auch keine Überraschung: Schon vergangenes Jahr
hatte TKMS – wie das Unternehmen inzwischen offiziell heißt – Anfang August
bei einer außerordentlichen Hauptversammlung auf Nachfrage von kritischen
Aktionär*innen ausgeplappert, [3][dass die Ausfuhrerlaubnis für das
U-Boot erteilt worden sei.] Doch die Bundesregierung wies dies damals
vehement zurück: [4][In einer Antwort auf die schriftliche Anfrage der
Linken-Abgeordneten Lea Reisner] vom 19. August 2025 hieß es aus dem
Wirtschaftsministerium, die Exporterlaubnis für das U-Boot sei nicht
erteilt worden.
## Auch atomwaffenfähig?
Es liegt nahe, dass das damalige Hin und Her damit zusammenhängt, dass
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zwischen August und November 2025 wegen
Israels brutalem Vorgehen in Gaza [5][einen Teilstopp über
Waffenlieferungen aus Deutschland verfügt hatte.] Es ist unklar, inwieweit
das neue U-Boot von TKMS auch für eine solche Kriegsführung genutzt werden
könnte. [6][Laut Berichten des Fachmagazins Marineforum] wurde der Turm der
„INS Drakon“ bei ihren Testfahrten mit Planen und Glasfaserplatten
abgedeckt, damit möglichst wenig über die Konfiguration des U-Boots nach
außen dringt.
Die Geheimniskrämerei ging so weit, dass der Facebook-Account eines
Rügen-Urlaubers gesperrt wurde, der es vergangenes Jahr gewagt hatte,
[7][eine Fahrt des U-Boots zu filmen und online zu stellen.]
So viel ist bekannt: Das U-Boot fährt mit einem dieselelektrischen Motor
und wird der Dolphin-II-Klasse zugeordnet. Aufnahmen zeigen einen nach
hinten und in die Breite verlängerten Turm, der Spekulationen von
Fachmagazinen zufolge über Startvorrichtungen für vier ballistische Raketen
verfügt – die im Zweifel auch atomar bestückt werden können. Denn die
U-Boote aus deutscher Produktion stellen einen zentralen Pfeiler der
israelischen Nukleardoktrin dar, weil sie die seegestützte
Zweitschlagfähigkeit des Landes garantieren.
Aus der Linksfraktion kommt scharfe Kritik an dem U-Boot-Geschäft.
„Angesichts der jüngsten völkerrechtswidrigen Militäroffensiven Israels
gegen den Libanon, Gaza und Iran kann von einer Unterstützung des legitimen
Selbstverteidigungsrechts Israels keine Rede sein“, erklärte ihr
verteidigungspolitischer Sprecher, Ulrich Thoden, gegenüber der taz. „Neue
Exportgenehmigungen für TKMS-U-Boote an Israel würden sich nach den
Maßstäben einer wertegeleiteten Außenpolitik, die friedliche Entwicklungen
fördern soll, von selbst verbieten.“
Doch die Bundesregierung fördert den Verkauf der U-Boote nach Israel sogar.
Die israelische Marine wird schon seit Jahrzehnten aus deutschen
Steuergeldern mitfinanziert. Bei der „INS Drakon“ [8][werden einem Bericht
des NDR zufolge 30 Prozent der Kosten] von Deutschland übernommen. Auch bei
den neuen U-Booten der Dakar-Klasse, die derzeit in Kiel für die
israelische Marine entwickelt werden und deren Kaufpreis bei etwa drei
Milliarden Dollar pro Stück liegt, soll einer ersten Vereinbarung zufolge
ein Drittel der Kosten aus dem Bundeshaushalt kommen.
Dabei beschäftigen die U-Boot-Geschäfte zwischen Israel und Deutschland
[9][schon seit Jahren die Justiz und die Knesset]. Einer der Vorwürfe
lautet, dass Israel gar nicht so viele U-Boote brauche und andere
sicherheitsrelevante Fragen durch das Milliardengeschäft in den Hintergrund
gerückt seien. Ein Gericht in Tel Aviv verfolgt in dem Zusammenhang auch
Korruptionsvorwürfe, [10][die bis zu engsten Vertrauten des
Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu reichen.]
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Megaauftrag-aus-Kanada/!6194117
(DIR) [2] https://dserver.bundestag.de/btd/21/062/2106244.pdf
(DIR) [3] /Trotz-angekuendigtem-Exportstopp/!6105954
(DIR) [4] https://dserver.bundestag.de/btd/21/013/2101324.pdf
(DIR) [5] /Wieder-deutsche-Waffen-fuer-Israel/!6130470
(DIR) [6] https://marineforum.online/u-boot-fuer-israel-in-der-erprobung/
(DIR) [7] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/geheimhaltung-u-boot-video-vor-ruegen-facebook-profil-aus-sicherheitsgruenden-gesperrt,aktuellmv-116.html
(DIR) [8] https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2025/korruption-deutsche-u-boote-fuer-israel,israel-uboote-korruption-100.html
(DIR) [9] /Israels-U-Boot-Affaere/!5424997
(DIR) [10] https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/u-boote-netanjahu-merkel-heusgen-100.html
## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Güler
## TAGS
(DIR) ThyssenKrupp
(DIR) U-Boot
(DIR) Rüstungsexporte
(DIR) Israel Defense Forces (IDF)
(DIR) Waffenexporte
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Rüstungsrausch
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Nato
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) US-Militärhilfe für Israel: Immer mehr Demokraten rücken von Israel ab
Unter den demokratischen Kongressabgeordneten im US-Repräsentantenhaus
wächst der Widerstand. Eine Abstimmung zeigt, wie gespalten die Partei ist.
(DIR) Sicherheitsexperte über U-Boot-Deal: „Kanada gibt dem Druck nach, den Trump auf Alliierte ausübt“
Es ist ein historischer Deal: Kanada wird Teil eines deutsch-norwegischen
U-Boot-Verbundes. Das sei ein Zeichen für ein stärkeres Bündnis, sagt
Sicherheitsexperte Allers.
(DIR) U-Boote für Kanada: Der Auftakt zum Auftakt
Im Vorfeld des Nato-Gipfels verkündet Kanada einen milliardenschweren
Rüstungsdeal mit Thyssen-Tochter. Das ist auch ein klares Zeichen an die
USA.
(DIR) Milliardenauftrag für TKMS: Kanada bestellt U-Boote in Deutschland
Das Werben um eine U-Boot-Partnerschaft mit Kanada ist geglückt. Pistorius
begrüßt Auftrag für Kieler Marineschiffbauer. Nun werden Gegengeschäfte
erwartet.