# taz.de -- Awacs-Flotte wird modernisiert: Nato setzt bei Aufklärung nicht mehr auf US-Flugzeuge
> Die Nato kündigt am Rande ihres Gipfeltreffens in Ankara
> milliardenschwere Rüstungsdeals an. Brisant ist vor allem einer zu den
> neuen „Augen im Himmel“.
(IMG) Bild: Daumen hoch für das Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye: Nato-Generalsekretär Mark Rutte (l.) ist zufrieden
afp/dpa | Die Nato setzt bei der Erneuerung ihrer in Nordrhein-Westfalen
stationierten Flotte von Awacs-Aufklärungsflugzeugen nicht wie ursprünglich
geplant auf US-Maschinen. Wie Generalsekretär Mark Rutte am Rande des
[1][Gipfeltreffens in Ankara] ankündigte, sollen künftig Flugzeuge des
kanadischen Herstellers Bombardier genutzt werden, die mit dem Aufklärungs-
und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab
ausgerüstet sind. Die Bestellung werde bis zu zehn Flugzeuge umfassen,
sagte er.
GlobalEye ermögliche die gleichzeitige Überwachung des Luftraums, des
Seeraums und des Bodens von einer einzigen Plattform aus und verschaffe den
militärischen Befehlshabern ein umfassendes Lagebild, erklärte Rutte. Das
System könne unter anderem Drohnenschwärme, ballistische Raketen und
Marschflugkörper aufspüren, verfolgen und identifizieren. Es wird auf
Flugzeuge des Typs Bombardier Global 6000 oder Global 6500 installiert.
## Alliierte wollten ursprünglich US-Flugzeuge kaufen
Aus Nato-Kreisen verlautete, [2][im Laufe des Tages] würden
[3][Rüstungsverträge im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar (rund 44
Milliarden Euro)] unterzeichnet werden. Der schwedische Ministerpräsident
Ulf Kristersson betonte, der Kauf der Aufklärungsflugzeuge werde die
Fähigkeit der Nato stärken, „Aggression abzuschrecken, verbündetes Gebiet
zu verteidigen und die Freiheit und Sicherheit von nahezu einer Milliarde
Bürger zu schützen“.
Ursprünglich hatte die Nato eigentlich US-Maschinen vom Typ Boeing E-7A
Wedgetail bestellen wollen. Dieses Vorhaben wurde allerdings vorerst
aufgegeben, nachdem die US-Regierung im vergangenen Sommer ihren Ausstieg
aus dem Programm angekündigt hatte.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte dann bereits im
vergangenen September gesagt, dass nach der geplanten Ausmusterung der
Aufklärungsflugzeuge vom Typ Awacs für Deutschland auch das
GlobalEye-System von Saab in Betracht komme. Deutschland wird nach dem
Rückzug der USA voraussichtlich den größten Anteil der Kosten in Höhe von
mehreren Milliarden Euro übernehmen.
Dass Boeing möglicherweise später auch noch einen Auftrag bekommt, ist nach
Angaben aus Nato-Kreisen denkbar. Es habe zuletzt wieder Gespräche gegeben,
heißt es.
## Augen der Nato am Himmel
Bislang sind rund vier Jahrzehnte alte Flugzeuge vom Typ Boeing 707 Basis
für das fliegende Radarsystem der Nato im Einsatz, das auch unter dem Namen
Awacs (Airborne Early Warning and Control System) bekannt ist. Die
Maschinen werden derzeit vor allem zur Überwachung des Luftraums im
östlichen Europa eingesetzt.
Hauptstützpunkt der Flotte ist der Nato-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen.
Sie besteht derzeit aus 14 Maschinen und war bislang an allen großen
Nato-Einsätzen beteiligt, zum Beispiel an denen zum Kampf gegen den
Terrorismus und im Kosovokrieg.
Die Awacs sind mit ihrem pilzförmigen Radaraufbau in der Lage, andere
Luftfahrzeuge in mehr als 400 Kilometern Entfernung zu orten und zu
identifizieren. Die von ihnen gewonnenen Informationen können die Flugzeuge
über Datenlinks in nahezu Echtzeit an Kräfte am Boden, auf See oder in der
Luft weitergeben. Damit können sie auch als fliegende Gefechtsleitstände
eingesetzt werden.
Jahrzehntelang seien die Awacs die Augen des Bündnisses im Himmel gewesen,
sagte Rutte bei der Ankündigung. Mittlerweile erreichen sie aber das Ende
ihrer Nutzungsdauer.
Neben dem Kauf von Aufklärungsflugzeugen kündigte die Nato die Auslieferung
eines zehnten Transport- und Tankflugzeugs vom Typ Airbus A330 MRTT an.
Damit komme die Nato „dem vollständigen MRTT-Bestand von zwölf Flugzeugen
einen Schritt näher“, sagte Rutte. Die Bündnispartner starteten demnach
außerdem ein neues multinationales Projekt mit Schwerpunkt auf dem
Transportflugzeug Airbus A400M.
7 Jul 2026
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