# taz.de -- Megaauftrag aus Kanada: Wenigstens eine Branche, die boomt
> Die deutsche Marineindustrie profitiert von der globalen Bedrohungslage.
> Das könnte zumindest den siechen Küstenstädten im Land helfen
(IMG) Bild: Sonnige Zeiten für die deutsche Marineindustrie, auch bei dieser Aufnahme im April 2026 in Kiel
So viel hätten die Maschinenbauer oder Unternehmen aus der deutschen Auto-
oder Chemieindustrie auch gerne zu tun: Der Marineschiffbauer [1][TKMS]
verfügte bereits über einen Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro – und
damit genug Arbeit bis in die 2040er Jahre. Dieses Volumen soll mit den
[2][12 U-Booten], die die Thyssenkrupp-Tochter für Kanada bauen soll, nun
noch mal um gut 50 Prozent wachsen. Der Konzern mit aktuell 9.100
Mitarbeiter*innen sucht längst verzweifelt Fachkräfte – und sprach am
Dienstag von der größten Bestellung seiner Unternehmensgeschichte. Der
[3][Lobbyverband VSM] bejubelte gar den „größten U-Boot-Auftrag der
Nato-Geschichte“. TKMS hatte sich gegen einen Wettbewerber aus Südkorea
durchgesetzt.
Nach mauen Jahren geht es der deutschen Marine- und Schiffbauindustrie samt
Zulieferern mit ihren landesweit 3.000 Unternehmen wegen der neuen globalen
Bedrohungslage wieder glänzend. Die Welt rüstet auf – und deutsche Werften
verkaufen Patrouillenschiffe, Fregatten, Korvetten nach Ägypten oder
Bulgarien. Der Kanadaauftrag ergänzt die Bestellung von [4][zwölf
baugleichen U-Booten] des Typs 212CD für Norwegen und die deutsche Marine.
Die Branche boomt. Der Umsatz der maritimen Industrie insgesamt stieg
allein im vergangenen Jahr um 15 Prozent, Fachleute erwarten eine
Verdoppelung bis 2030.
Vor zwei Wochen hatte TKMS bereits einen weiteren Großauftrag an Land
gezogen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stoppte das
milliardenschwere Fregattenprojekt F126 wegen explodierender Kosten.
Stattdessen bestellte er bei TKMS vier kleinere Schiffe des Typs Meko
A-200. Das Auftragsvolumen beträgt 6,6 Milliarden Euro. Zudem besteht eine
Option auf vier weitere baugleiche Fregatten zum Preis von 5,3 Milliarden
Euro.
Für den Konkurrenten [5][Rheinmetall] war das ein schwerer Schlag.
Deutschlands größter Rüstungskonzern hatte im März des Jahres Werften in
Bremen, Hamburg, Wolgast und Wilhelmshaven gekauft, um dort auch
Kriegsgerät zu bauen – und stand kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrags
zur Übernahme des F126-Projekts.
## Duell von TKMS und Rheinmetall
Inzwischen duellieren sich TKMS und Rheinmetall um die Übernahme der Werft
German Naval Yards Kiel (GNYK). Rheinmetall ist deutlich größer als TKMS.
Der Konzern kam im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 auf einen Umsatz von
2,2 Milliarden Euro, Rheinmetall fuhr 2025 mit rund 34.000 Beschäftigten
knapp 10 Milliarden Euro Umsatz ein.
Die Produktion der U-Boote für Kanada werde komplett in Deutschland
stattfinden, kündigte TKMS-Chef Oliver Burkhard an, und zwar im Stammsitz
Kiel als auch in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Dort will das
Unternehmen bis zu 1.500 Jobs schaffen. Auch in Kanada werden zwei „Hubs“
errichtet, also kleine Häfen für die Wartung.
Die Expansion des maritimen Rüstungssektors bedeutet auch Standortpolitik
für die wirtschaftlich häufig siechen Küstenstädte. So benötigt die
Bundeswehr nicht nur neues Kriegsgerät, sondern prüft auch gerade, ob an
der Nordseeküste ein weiterer Militärhafen eingerichtet wird. Im Gespräch
sind die Häfen in Bremerhaven, das seit Jahrzehnten unter extremer
Arbeitslosigkeit leidet, und Emden, das um sein VW-Werk bangt.
SPD-Chef Lars Klingbeil sagte bei seinem Besuch vor wenigen Wochen bei TKMS
in Wismar, er wolle „den Standort stärken, und dafür sorgen, dass Made in
Germany stark bleibt“. Ab 2027 sollen hier die U-Boote für Kanada gebaut
werden, die ersten 2032 vom Stapel laufen. Im September wird in
Mecklenburg-Vorpommern ein neues Landesparlament gewählt.
7 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pistorius-auf-Werbetour/!6182458
(DIR) [2] https://www.thyssenkrupp.com/de/newsroom/pressemeldungen/pressedetailseite/kanada-bekennt-sich-zu-trilateraler-partnerschaft:-tkms-als-bevorzugter-lieferant-fur-das-kanadische-u-boot-programm-ausgewahlt-314072
(DIR) [3] https://www.vsm.de/de/presseinformation/9736
(DIR) [4] /Ruestungsindustrie-im-Aufwind/!6136428
(DIR) [5] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ruestungskonzern-rheinmetall-uebernimmt-mehrere-norddeutsche-werften,rheinmetall-280.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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