# taz.de -- New York ist nicht die USA: Wie New York zur WM-Stadt wird
> Bürgermeister Zohran Mamdani kämpft für bezahlbare Tickets, feiert mit
> Fans und nutzt die WM für politische Statements gegen Washington.
(IMG) Bild: Die WM ist für New York City ein großes Fest. Selbst an den ruhigen Rändern ist der Sport gegenwärtig: marokkanische Fans
Es dürfte schwer sein, einen US-amerikanischen Politiker zu finden, mit dem
man über Fußball fachsimpeln kann, doch der [1][New Yorker Bürgermeister
Zohran Mamdani] bildet auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Als ein
Reporter des Sportmagazins The Athletic ihn etwa fragt, wie er sein
geliebtes Arsenal London verstärken würde, fallen ihm auf Anhieb Éli Junior
Kroupi und Julián Álvarez ein. „Wir brauchen mehr Tempo auf den Flügeln“,
sagt er. Mbappé fände er natürlich auch toll, aber wahrscheinlich utopisch.
Es sind keine Fakten, die er vor dem Weltcup schnell auswendig gelernt hat,
der gebürtige Ugander Mamdani ist tief in der Fußballkultur verwurzelt.
Noch bis kurz bevor er Bürgermeister wurde, spielte er in einer
Feierabendmannschaft in Brooklyn. Danach ging es dann in Fußballkneipen wie
das Windjammer oder das Duckduck, um Premier-League Spiele zu schauen.
Während des hohen islamischen Feiertags Eid-ul-Adha erschien er in einer
Kurta mit den Arsenal-Farben zu einer Familienfeier. Bei seinem Besuch des
Erstrundenspiels Marokko gegen Brasilien trug er dann dienstlich ein
New-York-Trikot, seine Frau Rama Duwaji verriet mit ihrem Marokko-Leibchen
jedoch die Familienneigung für [2][afrikanische Mannschaften]. „Na klar
würde ich mir [3][Marokko im Finale] wünschen“, gab Mamdani zu. Doch das
sei wohl genauso unwahrscheinlich, wie Mbappé zu Arsenal zu holen.
Während des Turniers kommt in Mamdani wieder einmal der Einwanderer durch.
Der Bürgermeister hat als Kind schon in Kinshasa gekickt und zu seinen
schönsten Erinnerungen gehört der Besuch des WM-Turniers in Südafrika mit
seinem Großvater. Auch an die senegalesische Mannschaft von 2002 kann er
sich noch gut erinnern, an El-Hadji Diouf oder Henri Camara. Er selbst,
sagt er, habe als Spieler hingegen immer mehr Herz als Talent besessen.
## Fußballstadt New York
Das Herz ist heute noch zu spüren. So euphorisch Mamdani noch vor einer
Woche mit einer Jubelrede den Basketballtriumph der New York Knicks
gefeiert hat, so enthusiastisch ist er jetzt, wenn er auf einem Platz in
seinem Heimatstadtteil Queens mit Kindern kickt und dabei verkündet, dass
alle Plätze der Stadt während der WM 24 Stunden lang geöffnet sind. Mamdani
macht es sichtbar Spaß, wie sich New York zurzeit in eine Fußballstadt
verwandelt.
In anderen US-Städten zündet das WM-Fieber hingegen bislang nur punktuell.
Der Sport wird in weiten Teilen des Landes noch immer als unamerikanisch
empfunden – auch wenn [4][Trump sich nun mit Infantino besser versteht] als
mit den NFL-Bossen. In New York verbreitet es sich jedoch so rasch wie ein
Waldbrand im trockenen Gehölz. Als die norwegischen Fans beim Public
Viewing am Times Square ihre [5][Wikinger-Choreo] zum Besten gaben, machten
Tausende begeisterte Passanten einfach mit. Nach dem Spiel Mexiko gegen
Ecuador entzündete sich im lateinamerikanischen Einwandererviertel Jackson
Heights ein Straßenfest, dass auch die ecuadorianischen Fans tröstete. Und
in Little Senegal in Harlem trafen sich Franzosen und Senegalesen, um
gemeinsam die Partie ihrer beiden Länder zu feiern.
Das ist die Vision des WM-Turniers in New York, die Mamdani schon gehegt
hatte, als die Vergabe des Turniers bekannt gegeben wurde und er noch lange
nicht daran dachte, als Bürgermeister zu kandidieren. Der Sport der Welt
kommt in die Stadt der Welt, Einheimische aus allen Ländern feiern mit
Besuchern aus allen Ländern. „The people’s game comes to the people’s city“
ist der offizielle New Yorker WM Slogan.
## Auch Pauli-Fans finden eigene Kneipe
Dabei demonstriert die Stadt, dass sie schon lange über eine ebenso tiefe
Fußballkultur verfügt wie ihr Bürgermeister. Das liegt natürlich zu einem
guten Teil an den vielen Einwanderern. Es liegt aber auch daran, dass die
urbane Elite der Stadt sich schon lange darin gefällt, lieber europäischen
Fußball zu schauen als American Football. Es gibt kaum einen großen
europäischen oder lateinamerikanischen Verein, der in New York keine
Fankneipe hat, sogar St. Pauli ist vertreten. Und das Fachwissen des
Bürgermeisters ist nicht ungewöhnlich.
Mamdani vereint beide New Yorker Fankulturen in sich: diejenige der jungen
Professionellen und diejenige der Einwanderer. Und während der WM kommen
sie in der Stadt zusammen. Doch darum, dass die WM wirklich ein Fest für
alle ist, musste Mamdani kämpfen.
So musste er Gianni Infantino ausreden, für die geplanten Fanfeste in der
Stadt Geld zu verlangen. Zugleich verhandelte er mit dem Fifa-Boss um ein
Kontingent [6][verbilligter Tickets]. Ein Drittel der Plätze für jedes
Spiel für New Yorker hätte er gerne gehabt. 1.000 für alle sieben Spiele
bekam er schließlich.
Am härtesten kämpfte er jedoch nicht mit der Fifa, sondern mit dem
Nachbarstaat New Jersey, auf dessen Territorium das Meadowlands Stadion
liegt. Die Betreibergesellschaft für den Bus- und Zugtransfer zum Stadion
wollte pro Fahrt bis zu 150 US-Dollar verlangen. Mamdani konnte sie auf 98
US-Dollar herunterhandeln. Gleichzeitig setzt er nun städtische Schulbusse
für den Transport ein, die 20 US-Dollar kosten. Doch auch hier ging seine
Klage weniger nach New Jersey als in Richtung der Fifa: „Ich kann New
Jersey verstehen. Sie müssen die Kosten wieder reinholen, die die Fifa auf
die Kommunen abwälzt.“
## Stets im Clinch mit Washington
Dass Mamdani die WM in New York als inklusiv und weltoffen inszeniert, ist
natürlich auch ein erneutes Statement in Richtung Washington. So hielt
Mamdani auch nicht hinter dem Berg, als es um die [7][Erschwerung der
Einreise für Spieler, Angehörige und Journalisten aus bestimmten Ländern]
ging. „Das widerspricht in jedem Sinn dem Geist dieses Turniers.“
Das würde auch eine verstärkte Präsenz von ICE auf den Straßen der Stadt
machen, die ICE-Direktor Homan vor dem Turnier angekündigt hat. Bislang
traut sich ICE jedoch nicht, New York die Party zu verderben. Weder am
Stadion noch in der Stadt wird bislang von einem Anstieg von Verhaftungen
oder Deportationen berichtet.
Allerdings erinnerten Demonstranten rund um das Meadowlands Stadion mit
Bannern daran, dass nur fünf Kilometer entfernt in einem ICE-Lager Insassen
wochenlang wegen unmenschlicher Bedingungen einen Hungerstreik durchgeführt
hatten. Beendet wurde der Streik nur durch Druck und die Verlegung der
Inhaftierten. Mamdani hatte die Proteste vor dem Aufbewahrungslager
unterstützt.
Auch zu den Feiern zum 250. Geburtstag der USA am 4. Juli ließ es sich
Mamdani nicht nehmen, das Wort zu ergreifen. Eingerahmt von einem Dutzend
frisch naturalisierter Neu-Amerikaner lobte er die USA als Land der
Einwanderer und New York in diesem Sinn als die amerikanischste aller
Städte. Und ohne den Namen Trump zu nennen, rief er zum Widerstand gegen
die Regierung auf. Die Ideale Amerikas seien stärker als jedes autoritäre
Regime, sagte er. Allerdings müsse jede AmerikanerIn danach greifen und
dafür kämpfen. Danach ging er in seinen Stammbezirk Queens, um sich mit
seinen Mit-New-Yorkern die Partie Kolumbien gegen Ghana anzuschauen.
7 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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