# taz.de -- Beeinflussung der Fußball-WM: Trumps schlechte Vorbilder
> Mit seinem Anruf bei Fifa-Chef Infantino knüpft der US-Präsident an
> ungute Traditionen an. Politische Einmischung gab es bei WM-Spielen schon
> früher.
(IMG) Bild: Männer, die den Sport missbrauchen: Donald Trump und Gianni Infantino bei der Auslosung der WM-Partien im Dezember 2025
kna/afp | Es gebe keinerlei Zusammenhang, heißt es von offizieller Seite.
Reiner Zufall also soll es sein, dass der Weltfußballverband Fifa die
Sperre nach der Roten Karte für US-Kicker Folarin Balogun ohne weitere
Begründung zur Bewährung aussetzte – und dass, [1][kurz nachdem
US-Präsident Donald Trump offenbar Fifa-Boss Gianni Infantino angerufen
hatte]. Zuvor hatte bereits US-Außenminister Marco Rubio in einem höchst
ungewöhnlichen Schritt lautstark und öffentlich dagegen protestiert, dass
der bisher beste US-Torschütze das Viertelfinale gegen Belgien verpassen
sollte.
Die Fifa hob die Sperre am Sonntag ohne weitere Erklärung auf. Balogun, mit
bislang drei Turniertreffern bester Torschütze seines Teams bei der
Fußball-Weltmeisterschaft, steht der US-Mannschaft somit im Achtelfinale
gegen Belgien zur Verfügung. Das Spiel wird in der Nacht zum Dienstag um 2
Uhr MESZ in Seattle ausgetragen.
„Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und
eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt“, schrieb Trump auf seiner
Plattform Truth Social zum Dank dafür. Es wirkt [2][wie blanker Hohn].
## Auch Garrincha spielte trotz Roter Karte
Dass die Politik zumindest versucht, Einfluss auf den Fußball zu nehmen,
zeigen zahlreiche zum Teil auch skurrile Beispiele aus der WM-Geschichte.
Das wohl bekannteste betrifft [3][Brasiliens Stürmerstar Garrincha] bei der
Fußball-WM 1962 in Chile: Nachdem er im Halbfinale gegen den Gastgeber nach
einer Tätlichkeit vom Platz flog, entschied ein Fifa-Komitee unter bis
heute ungeklärten Umständen, dass er im Finale trotzdem mithelfen durfte,
Brasilien zum Weltmeister zu machen.
Ähnlich dubiose Machenschaften prägten auch schon die zweite Fußball-WM
1934 in Italien, die [4][Diktator Benito Mussolini] gnadenlos als
Propagandainstrument für seinen Faschismus benutzte. Doch nicht nur das:
Italien gewann mehrere Spiele und letztlich auch das Turnier mithilfe
merkwürdiger Schiedsrichterentscheidungen. Die qua Amt eigentlich
Unparteiischen soll der Diktator persönlich ausgesucht und zum Teil auch
vor dem Spiel zum Essen eingeladen haben, wird berichtet.
## Kabinenbesuch in Argentinien
Denkwürdige Ereignisse gab es auch 1978 in Argentinien: Der Gastgeber und
spätere Weltmeister musste sein letztes Spiel in der Zwischenrunde gegen
Peru mit mindestens vier Toren Unterschied gewinnen, um weiterzukommen. Und
siehe da: Nach 90 Minuten mit zum Teil seltsamen Szenen auf dem grünen
Rasen und dubiosen Schiedsrichterpfiffen stand ein 6:0 auf der
Anzeigetafel.
[5][Augenzeugen berichteten später von Bestechungsversuchen und von
unmissverständlichen Drohungen] der argentinischen Militärjunta gegen die
Mannschaft und die Regierung von Peru.
Dabei sei es etwa um Getreidelieferungen, Kredite und einen
Gefangenenaustausch gegangen, heißt es. Auch ein Besuch von Argentiniens
Machthaber Jorge Videla und US-Außenminister Henry Kissinger in Perus
Spielerkabine soll eine wichtige Rolle gespielt haben.
## Gaddafi-Sohn als Fußballstar
Zu einer Fußball-WM hat es [6][al-Saadi al-Gaddafi] nie geschafft. Aber
gewundert hätte es wohl auch niemanden, wenn Libyens Diktator Muammar
al-Gaddafi seinen Sohn auch dort noch untergebracht hätte. Aber immerhin
gelang es al-Saadi al-Gaddafi, gleichzeitig Kapitän der libyschen
Nationalmannschaft, Verbandschef und Eigentümer eines Spitzenclubs zu
werden. Um die Erfolge des Vereins zu sichern, wurden auch schon mal Regeln
geändert, gegnerische Clubs aufgelöst und missliebige Schiedsrichter und
Trainer aus dem Verkehr gezogen.
Die Einflussnahme ging sogar über Libyen hinaus. Dank libyscher Gelder und
der Hilfe von Sportsfreunden wie Silvio Berlusconi schaffte es der
Gaddafi-Sprössling sogar noch zu einigen Einsätzen in Italiens Erster Liga
– auch wenn er dort zum schlechtesten Spieler der Serie-A-Geschichte
gewählt wurde.
Pure Langeweile sorgte dagegen für den wohl skurrilsten politischen
Eingriff in der Fußballgeschichte: Es war 2015, als Mauretaniens Präsident
Mohamed Ould Abdel Aziz in der 63. Minute genug hatte vom Finale des
nationalen Supercups zwischen ACS Ksar und dem FC Tevragh-Zeina. Er ließ
das Spiel beim Stand von 1:1 abbrechen und die Kicker zum sofortigen
Elfmeterschießen antreten. Der Kick sei so langweilig und zäh gewesen, dass
die restliche knappe halbe Stunde und die drohende Verlängerung unzumutbar
gewesen wären. Nach Hohn und Spott aus aller Welt beeilte sich der
Fußballverband natürlich, umgehend zu erklären, wegen „organisatorischer
Probleme“ hätten sich die Trainer und Vereine einvernehmlich auf die
Verkürzung geeinigt.
## Entsetzte Reaktionen in Deutschland
So weit ist es bei dieser Fußball-WM bisher noch nicht gekommen. Aber mit
ihrer Entscheidung, die Sperre für den US-Spieler Folarin Balogun
auszusetzten, setzt die Fifa ein gefährliches Exempel. Zur Begründung
verwies sie auf Artikel 27 ihres Disziplinarkatalogs. Dieser besagt, dass
eine Strafe für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Von dieser
Regelung hatte schon Portugals Superstar Cristiano Ronaldo profitiert,
nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom
Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der Fifa zunächst für drei
Spiele gesperrt, verpasste aber nur das Qualifikationsduell gegen Armenien.
Danach wurde die Sperre für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.
Die jüngste Entscheidung wiegt aber ungleich schwerer. „Das ist ein fatales
Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt“, sagte der frühere
Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, dem Sportmagazin Kicker.
„Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese
Entscheidung berufen. Es wird größter Anstrengungen bedürfen, um diese
Entwicklung einzufangen.“ DFB-Präsident Bernd Neuendorf formulierte es
etwas vorsichtiger: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme
der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt
werden“, forderte er eine Erklärung von der Fifa.
[7][Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp] zeigte sich fassungslos.
„Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben – das
ist verrückt, das stellt alles infrage“, sagte Klopp MagentaTV. Empört
fügte er hinzu: „Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung
haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht
deren Spiel.“
6 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Trump-greift-bei-Fussball-WM-ein/!6193728
(DIR) [2] /Skandalentscheidung-der-Fifa/!6193717
(DIR) [3] /Dribbeln-als-Selbstzweck/!5188820
(DIR) [4] /Neue-Biografie-ueber-Mussolini/!5280884
(DIR) [5] /Manipulation-bei-der-Fussball-WM-1978/!5489133
(DIR) [6] /Saadi-Gaddafi-in-Libyen-vor-Gericht/!5044167
(DIR) [7] /Deutschlands-Trainer/!6193542
## TAGS
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Donald Trump
(DIR) Gianni Infantino
(DIR) Fifa
(DIR) Jürgen Klopp
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) New York ist nicht die USA: Wie New York zur WM-Stadt wird
Bürgermeister Zohran Mamdani kämpft für bezahlbare Tickets, feiert mit Fans
und nutzt die WM für politische Statements gegen Washington.
(DIR) Abschied vom US-Team: Eine große Hoffnung
Das US-Team hat bei dieser WM begeistert. Tragisch ist nur, dass der größte
Gegner des Gastgebers zugleich der Regierungschef des Gastgebers ist.
(DIR) Spanien wirft Portugal aus der WM: Am Ende entscheidet die Bank
Portugal und Spanien spielen verblüffend ähnlich – bis La Roja die Joker
zückt. 666 Millionen Follower können also doch irren.
(DIR) Trump greift bei Fußball-WM ein: „Vielen Dank an die Fifa“
Die Fifa setzt die Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun nach einem Anruf
von US-Präsident Trump aus. Die Uefa zeigt sich fassungslos. Die Belgier
legen Berufung ein.
(DIR) Skandalentscheidung der Fifa: Entscheidend ist nicht mehr auf’m Platz
Die Sperre eines US-Spielers wird nach einem Telefonat von Donald Trump mit
dem Fifa-Boss aufgehoben. Das ist das Ende des Fußballs, wie wir ihn
kannten.
(DIR) Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Mich können alle anrufen
Fifa-Präsident Infantino hat für alle ein offenes Ohr, die den Fußball
besser und gerechter machen wollen. Donald Trump gehört fraglos auch dazu.