# taz.de -- Der Berlin-Trend und das grüne Dilemma: Zwischen Linksbündnis und Rotem Rathaus
       
       > Nach der neuesten Umfrage haben die Grünen zwei Möglichkeiten: ein
       > Linksbündnis unter Elif Eralp. Oder mit der CDU erstmals ins Rote Rathaus
       > ziehen.
       
 (IMG) Bild: Der grüne Spitzenkandidat Werner Graf muss nur zugreifen. Aber was?
       
       Mehr war aus Werner Graf nicht herauszulocken. „Was wir sehen, ist, dass
       Schwarz-Rot, dass CDU und SPD die Stadt nicht mehr hinter sich haben“,
       sagte der Fraktionschef der Grünen und Spitzenkandidat seiner Partei nach
       dem jüngsten [1][Berlin-Trend des RBB]. Und fügte hinzu: „Dass diese Stadt
       den Wechsel will.“
       
       Nun: Welchen Wechsel will die Stadt? Für die Grünen gibt es da zwei
       Interpretationen, die nicht unbedingt zueinanderpassen. Will die Stadt ein
       Linksbündnis, müssen sich Werner Grafs Grüne mit der Linkspartei und der
       SPD einig werden.
       
       Läge die Linke bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September ähnlich
       wie bei der Umfrage vom vergangenen Mittwoch mit 20 Prozent einen
       Prozentpunkt vor den Grünen, würde das bedeuten, dass ihre
       Spitzenkandidatin Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin von Berlin wird.
       
       Oder will Berlin gar nicht die Linke im Roten Rathaus, sondern ihn, Werner
       Graf, auch wenn er der unbekannteste unter den Spitzenkandidaten ist? Dann
       müssten die Grünen ihre zweite Option ziehen: eine Kenia-Koalition aus
       Grünen, CDU und SPD. Die Zweifler in den eigenen Reihen könnten die Grünen
       dann mit dem Argument überzeugen, dass nicht mehr die Autopartei CDU den
       Ton angibt, sondern die Verkehrswendepartei Bündnis90/Die Grünen. Und dass
       mit ihm, Werner Graf, zum ersten Mal ein Grüner Berlins Regierender
       Bürgermeister werden kann.
       
       Zwischen Linksbündnis und Rotem Rathaus: Einfach werden die Debatten um
       beide Alternativen ganz bestimmt nicht werden. Auch wenn auf grüner
       Realoseite bereits vor dem Berlin-Trend, der die Grünen mit 19 Prozent zwei
       Punkte vor der CDU mit 17 Prozent sieht, gemunkelt wurde, dass eine
       Linkspartei auf Platz eins ganz zwingend Kenia bedeute. Ein Kenia, bei dem
       die Farbe Grün leuchtet, wird der Basis aber sicher besser zu vermitteln
       sein als eines, bei dem das Schwarz dominiert.
       
       ## Sollen die Grünen Kai Wegner eine zweite Chance geben?
       
       Aber auch die Befürworter eines Linksbündnisses haben einige Argumente auf
       ihrer Seite. Mehr Druck gegen Immobilienkonzerne? Geht eher mit der Linken
       als mit der CDU. Grünes Licht für die Verkehrswende? Dito. Vor allem aber
       stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die Grünen einem gescheiterten
       Regierenden Bürgermeister eine zweite Chance geben sollten – wenn auch nur
       als einfacher Senator.
       
       Natürlich wird nach der Wahl erst einmal sondiert werden. Und vielleicht
       erweist sich eine um 16 Prozent geschrumpfte CDU als ebenso geschmeidig wie
       die SPD in ihren Juniorpartnerverhandlungen mit den Christdemokraten.
       
       Und dann ist da noch das liebe Geld. Was, wenn die Vergesellschaftung, auf
       die die Linke in einem Linksbündnis, das sie anführt, besteht, alle
       Ressourcen aufraucht? Wenn es nicht mehr reicht für neue Fahrradstraßen und
       die Klimawende, die die Stadt so dringend braucht?
       
       „Mit der SPD und der Linkspartei haben wir inhaltlich die meisten
       Schnittmengen, daher ist das unsere klare Präferenz“, sagte die grüne
       Co-Landeschefin [2][Nina Stahr am Freitag dem Tagesspiegel].
       
       Klingt eindeutiger, als es ist. Vielleicht ist es da ein Trost für die
       Grünen, dass auch die Linkspartei vor einem Dilemma steht. Vor allem dann,
       wenn sie nicht vor den Grünen liegt. Regieren oder doch Opposition?
       
       5 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/beitraege/berlin-trend-juli-cdu-spd-gruene-linke-afd-bsw-fdp.html
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/aufschwung-in-den-umfragen-die-grunen-konnten-nach-der-berlin-wahl-die-konigsmacher-sein-15795208.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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