# taz.de -- Versemmeltes Open-Source-Projekt: Nord-Länder setzen Software-Millionen in den Sand
       
       > Die öffentliche Verwaltung aus den Fängen von Microsoft zu lösen, ist
       > schwieriger als gedacht. Ein Projekt des Dienstleisters Dataport ist
       > gescheitert.
       
 (IMG) Bild: Steht für quelloffene Software: Betriebssystem Linux mit dem Pinguin als Maskottchen
       
       Die öffentliche Verwaltung vom Tropf der US-Techkonzerne zu nehmen – das
       war das Ziel des norddeutschen Projekts Phoenix. Wie jetzt der Hamburger
       Rechnungshof nachgezeichnet hat, ist es an Missmanagement und fehlender
       Kontrolle gescheitert. Immerhin, ganz verloren sind die Investitionen
       nicht: Das, was hier mit einem zweistelligen Millionenverlust erarbeitet
       wurde, macht einen wesentlichen Teil der Open-Desk-Software aus, die
       mittlerweile bundesweit Ämtern und Behörden zur Verfügung steht.
       
       Seit der ersten Präsidentschaft von Donald Trump ist in Europa das
       Bewusstsein dafür gewachsen, wie gefährlich eine Abhängigkeit von den
       Software- und Speicherdiensten der US-amerikanischen Tech-Konzerne sein
       kann. Wie sicher sind unsere Daten in deren Clouds? Was, [1][wenn Trump
       seine Tech-Kumpels dazu bringt, bei der einen oder anderen Anwendung den
       Stecker zu ziehen]?
       
       Dazu kommt noch etwas anderes: „Es macht keinen Sinn, mit unseren
       Lizenzgebühren länger den technologischen Fortschritt anderswo in der Welt
       zu finanzieren, wenn wir gleichzeitig mit unseren öffentlichen Budgets auch
       unseren Digitalstandort stärken können“, sagte Schleswig-Holsteins
       Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) kürzlich der dpa.
       
       Das Projekt Phoenix hat Dataport, der IT-Dienstleister von sechs
       norddeutschen Bundesländern und einem Kommunalverband, 2019 aus eigener
       Initiative gestartet. Ziel war es, aus vorhandenen quelloffenen Programmen
       wie Libre Office und Ice Dove auf Basis des Open-Source-Betriebssystems
       Linux eine Alternative zu dem allgegenwärtigen Programmpaket Microsoft
       Office zu schaffen. Dabei sollten diese unter einer Benutzeroberfläche
       miteinander verzahnt werden.
       
       ## Schiefgelaufen ist so einiges
       
       Doch daraus wurde nichts. Im Oktober vergangenen Jahres beendete Dataport
       das Projekt. Es habe sich als „technisch machbar, aber wirtschaftlich nicht
       mehr tragfähig“ erweisen, teilte die schleswig-holsteinische schwarz-grüne
       Landesregierung der SPD auf Anfrage mit. Bis dahin hatte das Projekt 90
       Millionen Euro Verlust eingefahren.
       
       In seiner jetzt vorgelegten Bilanzanalyse von Dataport für das Jahr 2024
       verweist der Rechnungshof auf den allein in jenem Jahr aufgelaufenen
       Verlust von knapp 30 Millionen Euro. Die in den vergangenen Jahren
       eingegangenen Risiken hätten sich darin niedergeschlagen, weitere Risiken
       drohten. Mit Blick auf eine mögliche Gewährträgerhaftung der Stadt Hamburg
       sei es „dringend geboten, Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Verluste zu
       ergreifen“.
       
       Schiefgelaufen sei so einiges, stellt der Rechnungshof fest: Zwar habe
       Dataport den Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des Chefs der Hamburger
       Senatskanzlei, Jan Pörksen (SPD), regelmäßig über eine Reihe von Kennzahlen
       informiert. Allerdings seien einige dieser Kennzahlen nur begrenzt
       aussagekräftig gewesen und in der Folge auch noch weniger geliefert worden.
       Auch beim Projekt Phoenix sei der Verwaltungsrat „zögerlich und verspätet“
       informiert worden.
       
       Die Rechnungsprüfer kritisierten auch das schlechte Controlling der Anstalt
       öffentlichen Rechts (AöR). Phoenix sei „unter realistischen Annahmen von
       Beginn an nicht wirtschaftlich geplant“, Aufwand und Risiken unterschätzt
       worden.
       
       Dataport habe es versäumt, dem Verwaltungsrat gewichtige Verträge zur
       Entscheidung vorzulegen. Dabei habe die AöR mit Dritten Verträge über
       Leistungen geschlossen, die sie gar nicht liefern konnte.
       
       Ein gewisses Controlling gab es dem Rechnungshof zufolge doch: Die interne
       Revision habe „zahlreiche gravierende Mängel bei der wirtschaftlichen,
       finanziellen, organisatorischen und inhaltlichen Steuerung festgestellt“.
       Dazu gehörten mangelhafte Dokumentation und unzureichendes
       Risikomanagement. Doch statt das Controlling zu verstärken, zog der
       Vorstand die Bremse. 2022 habe dieser entschieden, die anstehende
       Innenrevision zu verschieben – im Endeffekt auf Oktober 2024.
       
       Der Hamburger Senat räumt ein, es seien zwar „die technische Entwicklung
       von Phoenix grundsätzlich richtig aufgesetzt“ und keine grundlegenden
       Mängel in der Architektur festgestellt worden; das Projekt sei aber wegen
       der wirtschaftlichen und finanziellen Risiken nicht tragbar gewesen.
       
       „Wir haben den Aufwand unterschätzt, unterschiedliche Hersteller
       miteinander auf eine Plattform zu bringen“, sagte der Vorstandschef von
       Dataport, Johann Bizer, im November vergangenen Jahres im
       Digitalisierungsausschuss des Kieler Landtages.
       
       Zuvor hatte Dataport erklärt, der Versuch, erfolgreiche, existierende
       Open-Source-Programme technisch zu integrieren, sei durchaus erfolgreich
       gewesen. Schließlich sei daraus der digitale Büroarbeitsplatz Open-Desk
       entstanden, den das [2][Zentrum für Digitale Souveränität (Zendis) im
       Auftrag] des Bundesinnenministeriums erfolgreich managt.
       
       ## Plötzlich zwei öffentliche Anbieter
       
       Dataport schiebt Zendis zugleich einen Teil des wirtschaftlichen Scheiterns
       von Phoenix zu. Weil das Bundesinnenministerium das Zendis Anfang 2024 als
       öffentlichen Auftraggeber positionierte, habe es plötzlich zwei
       konkurrierende öffentliche Anbieter gegeben. Daher habe Dataport
       entschieden, Phoenix aufzugeben und Open-Desk zu unterstützen. In der Folge
       habe Dataport 36,5 Millionen für den Arbeitsplatz Phoenix abgeschrieben.
       
       Dazu, dass sich die Sache nicht lohnte, hat auch beigetragen, dass das
       [3][Dataport-Trägerland Schleswig-Holstein] sich bereits 2022 von Phoenix
       verabschiedet hatte, „unter anderem aufgrund von Verzögerungen und
       fehlenden Sicherheitskonzepten“, wie der Rechnungshof schreibt. Das Land
       hat seither einzelne Open-Source-Programme wie Libre Office als
       Standard-Bürosoftware in der Verwaltung eingeführt und gehört damit
       bundesweit zu den Vorreitern.
       
       „Zum Zeitpunkt der Entscheidung, in Schleswig-Holstein auf
       Open-Source-Lösungen zu setzen, waren weder Phoenix noch Open-Desk
       entwickelt oder ausreichend geeignet, die in Schleswig-Holstein genutzten
       Systeme abzulösen“, teilte die schleswig-holsteinische Staatskanzlei mit.
       Manche dieser Programme wie Open Xchange oder Nextcloud seien auch Teil von
       Open-Desk.
       
       Schleswig-Holsteins Erfahrungen hätten dazu beigetragen, [4][Open-Desk] und
       Phoenix überhaupt zu entwickeln. Durch die bereits [5][laufende Umstellung
       habe das Land „aktuell gegenüber Open-Desk einen technologischen
       Vorsprung]“, schrieb der Pressesprecher für Digitalisierung und
       Medienpolitik der taz.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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