# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Niemals besiegt werden
> Die Musik dieser Woche macht den USA mit virtuosen Mitteln Mut. Und
> feiert diverse Heldinnen des Klangs.
(IMG) Bild: Die Klangkünstlerin Tomoko Sauvage spielt beim Festival Heroines of Sound und auf Wasserschalen
„El pueblo unido, jamás será vencido“ – „Das vereinte Volk wird niemals
besiegt werden“, dichtete die chilenische Band Quilapayún 1973, dem Jahr
des Putsches gegen den Präsidenten Salvador Allende. Das berühmte
Freiheitslied nahm der amerikanische Komponist Frederic Rzewski 1975 als
Grundlage für seinen Variationszyklus „The People United Will Never Be
Defeated!“ für Klavier. Die hymnische Melodie bearbeitete er mit
avantgardistischer Kompositionstechnik und erweiterte sie zu einem
virtuosen Werk von rund einer Stunde Dauer, das seine politische Botschaft
über die 36 Variationen hinweg nie aus dem Blick verliert.
Mittlerweile hat sich Rzewskis technisch sehr fordernde Komposition als
einer der großen Klavierzyklen des 20. Jahrhunderts etabliert. Zum 250.
Unabhängigkeitstag der USA am 4. Juli spielt Heather O’Donnell, Pianistin
und Psychotherapeutin, das Stück im Hamburger Bahnhof. Ein solcher Appell
an die Vorzüge der Einigkeit kann aktuell nicht schaden (Hamburger Bahnhof,
4. Juli, 12 Uhr, Eintritt frei).
Das Wort „ansteckend“ dürfte spätestens seit den Erfahrungen mit Covid-19
eher abschreckend wirken. Dabei ist etwas, das ansteckend oder eben
„contagious“ ist, ja auch anregend. Muss gar nicht immer unerwünschte
Folgen haben. Das Trio Contagious, bestehend aus der Trompeterin Sabine
Ercklentz, der Innenklavierspielerin Andrea Neumann und der Turntablistin
Mieko Suzuki mischt die Klänge der eigenen Instrumente mit elektronischen
Effekten. So stecken die Instrumente, wenn man möchte, sich selbst und
einander an.
In der Serie „Partners in Crime“ tun sich die Drei im Morphine Raum an drei
Tagen zudem mit drei verschiedenen Künstlerinnen zusammen: am 8. Juli mit
der Sängerin Lorena Izquierdo, am 9, Juli mit der Klangkünstlerin Andrea
Parkins und am 11. Juli mit der traditionellen serbischen Sängerin Svetlana
Spajić. Improvisiert wird dabei übrigens auch (Morphine Raum, 8., 9. + 11.
Juli, 20 Uhr).
Nachdem bisher ausschließlich Konzerte mit Musikerinnen im Angebot waren,
ist es nur konsequent, mit dem Festival Heroines of Sound weiterzumachen,
das am 9. Juli im Radialsystem beginnt. Dieses Jahr konzentriert sich das
dreitägige Programm auf die asiatische, vor allem die japanische Diaspora,
darunter die Klangkünstlerinnen Midori Hirano, Radio Hito, Yoko Konishi,
Tomoko Sauvage und Miki Yui.
In erster Linie geht es interdisziplinär zu und, wie es in der Ankündigung
heißt, „an den Schnittstellen von Klang, Performance und Technologie“. Zu
den unterschiedlichen Materialien, die dabei zum Einsatz kommen, gehören
auch Wasserschalen, die Tomoko Sauvage in ihren elektroakustischen
Performances erkundet (Radialsystem, 9.–11. Juli).
3 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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