# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Die Kraft des Jazz – und des Pop
       
       > Diese Woche wird viel improvisiert, nicht bloß in der Weltpolitik.
       > Aktuelle Música Popular Brasileira gibt es auch.
       
 (IMG) Bild: Música Popular Brasileira ist bei Bruno Berle auf sehr gegenwärtige Weise traditionell
       
       Es könnte alles so einfach sein. Ein Rhythmus, sich wiederholende Patterns,
       ein wenig Melodie. Damit die Sache nicht langweilig wird, dann alles ein
       wenig verschachtelt, mit komplexen Rhythmen, aber so, dass man es nicht
       merkt. Über allem eine große Ruhe und Freundlichkeit. Obwohl die Welt viel
       Grund zu Sorge, Kummer oder Zorn gibt, ist in der Musik des Duos Bella
       Wakame davon eigentlich nichts zu hören. Was gut so ist. Die Musik muss die
       Sorgen nicht unbedingt verdoppeln, dafür kann sie anderes erreichen. Körper
       affizieren zum Beispiel, die schwingen sich dann wie von selbst ein.
       
       Der Schlagzeuger Andi Haberl, unter anderem für die Indierock-Institution
       The Notwist im Einsatz, und sein Kollege Florian Zimmer, seinerseits
       ansonsten aktiv in Projekten wie Saroos oder Driftmachine, machen als Bella
       Wakame aus der Kombination von Haberls akustischen und Zimmers
       elektronischen Beiträgen etwas, nun ja, Tolles. Verstärkt werden sie am
       Freitag in der Galiläakirche durch einen Auftritt des Duos Joasihno, dessen
       eine Hälfte, Cico Beck, ebenfalls bei The Notwist spielt, ergänzt durch den
       Schlagzeuger Nico Sierig. Auch bei ihnen gehen Elektronisches und
       Akustisches neue Verbindungen ein, mit genauso „positiven“ Resultaten.
       
       Am Freitag ist zugleich Beginn der achten Jazzwoche Berlin. An
       verschiedenen Orten verspricht die IG Jazz Berlin bis zum 20. 6. unter dem
       Titel „Collective improv(e)ment“ improvisierte Musik und Diskurs. Eröffnet
       wird sie im Gretchen, mit zwei Pianisten, die auf verschiedene Weise einen
       eleganten Stil entwickelt haben. Kelvin Sholar ist mit seinem Trio zu
       hören, das vorwiegend modernen Jazz in der Bebop-Tradition bietet.
       
       Julia Hülsmann hingegen spielt solo und in einer Weise lyrisch, die man als
       konsequent angewandte Kunst des Weglassens umschreiben könnte. So viele
       Töne braucht man eben gar nicht immer, um zu überzeugen. Neben Diskurs und
       Empfang gibt es noch einen Auftritt des Orchesters Unique unter Leitung von
       Holly Schlott, dessen „liberaler“ Klang aus Stimmen und Instrumenten sowohl
       Geschlechteridentität als auch musikalische Vielfalt feiert (Gretchen, 19.
       6., 19 Uhr).
       
       Und was macht die Música Popular Brasileira heute eigentlich? Entwaffnend
       sanften Gesang, unauffällige Melodien und gelegentlich schroffe Breakbeats
       vereint etwa die souverän handgemachte Musik von Bruno Berle. Von seinen
       Fähigkeiten als Sänger und Komponist kann man sich am Donnerstag im Beach
       Neukölln überzeugen. Dass er gelegentlich auf Auto-Tune zurückgreift, muss
       einen nicht abschrecken: Selbst das gelingt ihm auf charmante Art.
       
       18 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
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