# taz.de -- Bundesweiter Ausfall der Deutschen Bahn: Sendepause auf der Schiene
       
       > Der Ausfall des Funks führte zu einem flächendeckenden Stillstand der
       > Deutschen Bahn. Den Güterverkehr traf das besonders hart.
       
 (IMG) Bild: Münchener Hauptbahnhof am Mittwochmorgen: Nach dem Stillstand in der Nacht läuft der Zugverkehr langsam wieder an
       
       Einen Tag nach der [1][größten Störung der Deutschen Bahn] in der
       bundesdeutschen Geschichte steht die Ursache fest: Arbeiten am Funksystem
       haben dazu geführt, dass es fast flächendeckend ausgefallen ist – und
       Personen- und Güterzüge im ganzen Land stehen bleiben mussten. Einen
       Cyberangriff schloss die [2][Deutsche Bahn] aus.
       
       In der Nacht zum Mittwoch hat der Zugverkehr nahezu in ganz Deutschland für
       rund zwei Stunden stillgestanden. Gegen 0.30 wurde der Verkehr wieder
       aufgenommen. Tausende Fahrgäste strandeten. Verantwortlich für den
       Stillstand war der komplette Ausfall des digitalen Bahnfunks GSM-R. Dem
       vorangegangen war der geplante Austausch einer technischen Komponente.
       
       „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster
       Priorität“, sagte Philipp Nagl, Chef der für das Schienennetz zuständigen
       Konzernsparte DB InfraGO, am Mittwoch. Durch die Störung konnten
       Leitstellen und Lokführer:innen keinen Kontakt mehr zueinander
       aufnehmen.
       
       Fällt das Zugfunksystem GSM-R aus, ist es auf jeden Fall die richtige
       Entscheidung, den Bahnbetrieb einzustellen, sagte Uwe Höft, Professor und
       Bahnexperte an der Technischen Hochschule Brandenburg. „Wenn die Zugführer
       nicht mit den Fahrdienstleitern kommunizieren können, können sie auch nicht
       auf Notfälle hingewiesen werden“, erklärte er. Eine Koordinierung des
       Zugverkehrs sei dann gefährlich, es könne zu Unfällen kommen. Die „dreckige
       Lösung“, die Fahrdienstleiter per Handy anzurufen, sei nur dann möglich,
       wenn die entsprechenden Telefonnummern bekannt sind. Und für stärker
       befahrene Strecken sei das ohnehin völlig unzureichend. „Dass in ganz
       Deutschland das Funksystem ausgefallen ist, darf nicht passieren“, betonte
       Höft.
       
       Das sieht auch der bahnpolitische Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs
       Deutschland (VCD) Alexander Kaas Elias so. „Das ist ein Schuss vor den
       Bug“, sagte er. „Das darf sich nicht noch einmal wiederholen.“ Aus Sicht
       des VCD ist die Störung auch eine Folge des großen Sanierungsstaus bei der
       Bahn. „Das GSM-R-System ist Jahrzehnte alt“, sagt Kaas Elias. Die Störung
       zeige, wie wenig resilient das System sei.
       
       ## Nur noch im Schleichverkehr
       
       Gnädiger bewertet Manuel Atug von der unabhängigen Arbeitsgruppe Kritische
       Infrastruktur (AG Kritis) die Störung. „Hundertprozentig kann man nie
       garantieren, dass nichts schiefläuft“, sagte er. Die Reaktion der Bahn, die
       das Funksystem in anderthalb Stunden wieder zum Laufen brachte, sei
       „relativ schnell“ gewesen.
       
       Atug zufolge wurden zentrale Komponenten geupdatet, die sowohl mit dem
       Funksystem GSM-R als auch mit dem Rückfallsystem PGSM verknüpft seien.
       „Wenn der Fehler in diesem System steckt, wirkt sich das auf alle
       verknüpften Systeme aus“, erklärte er. Das sei wie mit einem Lkw, der in
       der Mitte eines Autobahnkreuzes havariert: „Da kann dann keiner mehr
       vorbei, Stillstand.“
       
       Atug schlägt vor, Updates künftig noch später in der Nacht vorzunehmen,
       sodass weniger Reisende betroffen sind – den Güterverkehr würde das aber
       nicht schützen. Außerdem werde die Bahn nicht zuletzt aufgrund der hohen
       Kosten des Ausfalls aus einer Fehleranalyse ableiten, wie derartige
       Probleme beim vorherigen Testen verlässlicher gefunden und aktiv verhindert
       werden können. „Und das neue Kommunikationssystem FRMCS wird auch für mehr
       Zulässigkeit sorgen“, sagt er. Das soll bis 2035 eingeführt sein, GSM-R
       wäre dann nur noch Back-up.
       
       ## Zu wenig Vorsorge
       
       Der VCD wirft der Deutschen Bahn vor, zu wenig Vorsorge für so ein Ereignis
       betrieben zu haben. „Wenn etwas Neues installiert wird, brauche ich eine
       Lösung, wenn etwas schiefgeht“, sagte Bahnexperte Kaas Elias. Die Bahn
       müsse zudem eine bessere Informationspolitik betreiben und dürfe bei so
       einem Ereignis Fahrgäste nicht nur über den DB-Navigator informieren. Dazu
       gehöre, die Fahrgäste bei einem Komponentenaustausch mit möglichen
       derartigen Konsequenzen vorzuwarnen.
       
       Der Ausfall zeigt aus Sicht des VCD, dass der Bund die Deutsche Bahn mehr
       steuern muss. Der Konzern ist eine Aktiengesellschaft, die zu 100 Prozent
       im Besitz des Staates ist. Verkehrsverbände fordern seit Langem, dass die
       Bundesregierung größeren Einfluss auf die Deutsche Bahn nehmen muss, damit
       sich die prekäre Lage im Schienenverkehr verbessert.
       
       Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) habe zwar im vergangenen
       Jahr [3][gemeinsam mit der Bahn eine „Agenda für zufriedene Kunden auf der
       Schiene“] vorgelegt, sagt Kaas Elias. Aber sie sei noch nicht ausreichend
       mit Leben gefüllt worden. „Der Verkehrsminister hat die falschen
       Prioritäten“, sagte er. Schnieder setze zu sehr auf die Straße und zu wenig
       auf die Schiene.
       
       Am Bundesverkehrsministerium prallt die Forderung nach mehr Steuerung ab.
       Der Bundesverkehrsminister sei mit Bahnchefin Evelyn Pallas im Gespräch,
       sagte eine Sprecherin dazu nur. „Den Vorfall aufzuklären, ist Sache der
       Bahn.“
       
       Besonders hart getroffen hat die Störung den Güterverkehr. Von den täglich
       rund 5.000 Güterzügen fahren die meisten in der Nacht, weil dann weniger
       Personenzüge auf den Schienen sind. Ohne Warnfunk ist das Sicherheitsrisiko
       für eine Weiterfahrt zu groß, sagte eine Sprecherin des Verbands Die
       Güterbahnen. „Überall im Land wurden deshalb Güterbahnen abgestellt“,
       berichtete sie. Rund die Hälfte der Züge standen auch noch am
       Mittwochmorgen still. Nach Angaben des Verbands wird es Tage dauern, bis
       die Güterzüge an den vorgesehenen Orten sind.
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundesweite-Stoerung-bei-der-Bahn/!6190194
 (DIR) [2] /Deutsche-Bahn/!t5008760
 (DIR) [3] /Bahnstrategie-des-Verkehrsministers/!6112679
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
 (DIR) Jonas Waack
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Infrastruktur
 (DIR) Kritische Infrastruktur
 (DIR) Personenverkehr
 (DIR) Zugausfälle
 (DIR) Bahn
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Kritische Infrastruktur
 (DIR) Hitze
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Deutsche Bahn
 (DIR) Deutsche Bahn
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Rekordschäden an den Fahrbahnen: Hitzewelle ramponiert Autobahnen
       
       Die deutschen Fahrbahnen kommen mit der Klimakrise nicht klar: 42
       Abschnitte wurden im ersten Halbjahr durch Hitze beschädigt. Das sind 32
       mehr als im Rekordjahr 2019.
       
 (DIR) Bundesnetzagentur zu Italo-Einstieg: Deutsche Bahn muss Platz machen
       
       Auf vielbefahrenen Strecken soll die DB in Zukunft Kapazitäten an die
       Konkurrenz vergeben, sagt die Bundesnetzagentur. Das kommt nicht überall
       gut an.
       
 (DIR) Schienenverkehr in Deutschland: Der DB-Totalausfall muss ein Weckruf sein
       
       Die Bundesregierung muss schleunigst etwas gegen die Krise des
       Staatskonzerns unternehmen. Es braucht eine gemeinwohlorientierte Deutsche
       Bahn.
       
 (DIR) Hitzewelle in Deutschland: Der Bahn wird's zu heiß, sie rät von Zugfahrten ab
       
       Die Deutsche Bahn erstattet kostenlos Tickets für gebuchte Fahrten bis
       Dienstag. Sie befürchtet wegen des Sommerwetters Störungen im Zugbetrieb.
       
 (DIR) Funkstörung bei der Bahn: Nicht mal die Informationen kamen an
       
       Am Dienstagabend brach Deutschlands Zugverkehr plötzlich zusammen. Wie
       haben Fahrgäste das Chaos erlebt?
       
 (DIR) Bahnhofsneubau in Stuttgart: Zwölf Jahre Verspätung wegen Verzögerungen im Bauablauf
       
       Die Bahn verschiebt die Inbetriebnahme des Projekts Stuttgart 21 auf 2031.
       Ursprünglich sollte der unterirdische Neubau schon 2019 fertig gewesen
       sein.
       
 (DIR) Bundesweite Störung bei der Bahn: Techniktausch führt zum Totalausfall
       
       Eine Störung hat in der Nacht alle Züge für zwei Stunden lahmgelegt. Die
       Ursache war der Tausch einer Funkkomponente. Verkehrsminister kritisieren
       die Bahn.
       
 (DIR) Bauarbeiten bei der Bahn: Ab Oktober langer Umweg zwischen Berlin und Hannover
       
       Wegen Streckensanierungen verlängern sich Fahrtzeiten zwischen Hannover und
       Berlin teils um 80 Minuten. Das betrifft auch Fahrten nach NRW und
       Amsterdam.