# taz.de -- Historischer WM-Erfolg für Paraguay: Es war ein Fest
> Paraguay besiegt Deutschland mit 3:2 im Elfmeterschießen und steht im
> Achtelfinale der WM. Der Sieg war der gerechte Lohn für hohe
> Verteidigungskunst.
(IMG) Bild: Unbändige Freude: Paraguays Spieler nach dem alles entscheidenden Elfmeter von José Canale
Gewiss, Deutschland hat verloren. Und ja, es gibt viel zu besprechen nach
diesem bescheidenen Auftritt der Deutschen in diesem Sechzehntelfinale
gegen Paraguay. Was dabei im Land der Loser bisweilen untergeht: Das Spiel
hatte nicht nur einen Verlierer, es hatte auch einen Sieger. Und was für
einen! Was das Team aus Paraguay an diesem Montag in Boston gezeigt hat,
war derart herausragend, dass man ihm für seinen Auftritt im Spiel gegen
Deutschland einen prominenten Platz in den Annalen des Fußballs reservieren
sollte.
Wie es dem dichten Abwehrbollwerk gelungen ist, dem deutschen Angriffsspiel
beinahe jede Energie zu entziehen, ist feinste Verteidigungskunst. Sollen
sie doch kommen, mögen sich die Spieler aus Paraguay gedacht haben, und
erlaubten es den ratlosen Deutschen, um ihren Abwehrblock herumzuspielen,
ohne auch nur einen Meter herauszurücken, ohne sich ein einziges Mal
provozieren zu lassen, ohne ein einziges Mal die Konzentration zu
verlieren.
Schon mal etwas von Junior Alonso gehört? Von José Canale, Gustavo Gómez
oder Juan José Cáceres? Sie haben die Viererkette gebildet, an der die
deutschen Angreifer ein ums andere Mal abgeprallt sind. Zusammen haben sie
einen Marktwert von etwa 12 Millionen Euro, wenn man [1][die Angaben
einschlägiger Portale] mittelt. Für diese Summe würde sich der deutsche
Kapitän Joshua Kimmich wahrscheinlich nicht die Fußballstiefel schnüren. Er
soll beim FC Bayern München mindestens 20 Millionen Euro im Jahr verdienen.
Noch Fragen?
Ja, man mag fies finden, dass sich von Beginn an immer wieder ein Spieler
von Paraguay mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen gewälzt hat, um
Zeit zu schinden. Dafür gibt es Regeln. Wenn der Schiedsrichter nichts
unternimmt gegen diese Art des Zeitspiels, ist es einfach nur intelligent,
sich regelmäßig auf den Rasen zu legen. Hätten die Paraguayer einfach
munter mitspielen sollen mit den fußballerisch überlegenen Deutschen? Nein,
so blöd waren sie nicht.
## „Heute war es eine Polka“
Ein Team wie Paraguay muss reagieren. Agieren mussten die Deutschen.
[2][Gustavo Alfaro, Paraguays argentinischer Trainer], hat das nach dem
Spiel [3][so ausgedrückt]: „Wir müssen nach der Musik tanzen, die für uns
gespielt wird, also machen wir uns bereit. Mal ist es eine Cumbia, mal ein
Tango, mal eine Rumba. Heute war es eine Polka.“ Und so haben sie
mitgetanzt in jenem volkstümlichen Zweivierteltakt, den die Deutschen
[4][Stehgeiger] vorgegeben haben. Es war eine Symphonie der
Verteidigungskunst.
Keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen, gehört da zum Instrumentensatz. Dass
Paraguay die meisten davon gewonnen hat, gehört zur Geschichte dieses
Spiels, auch wenn sie hart geführt werden. Doch Foulspiel ist es nur, wenn
der Schiedsrichter pfeift. Das hat er nicht immer getan, wenn ein Deutscher
das gefordert hat. Auch das gehört zur Spielintelligenz des Teams aus
Paraguay. Sie haben die Linie verstanden, die der Schiedsrichter Jalal
Jayed vorgegeben hat. Dass der robuste Abräumer Matías Galarza in der
Verlängerung erst in der 118. Minute die gelbe Karte gesehen hat, darf man
getrost als Kunststück bezeichnen. Er wusste immer ganz genau, wie weit er
gehen kann.
## Tore aus beinahe nichts gemacht
Ein Hohelied der Lobpreisung haben sich auch Paraguays Vorzeigeoffensive
Miguel Almirón und Julio Enciso verdient. Aus beinahe nichts ein Tor zu
machen, schaffen nur Kicker mit dem perfekten Auge für die Situation. Wie,
um alles in der Welt hat jener Almirón da nur Galarza auf dem Flügel
entdeckt? Und wie ist es Enciso vor seinem Tor nur gelungen, sich im
deutschen Strafraum gleich ein paar Quadratmeter Platz zu verschaffen?
Kunst kommt von können, sagt man. Ja, die Paraguayer konnten wirklich viel
an diesem Tag.
Und dann war da ja noch Orlando Gill, jener baumhohe Torwart, der fast jede
der über 50 Flanken, die in seinen Strafraum geflogen sind, abgefangen hat.
Den Ausgleich der Deutschen konnte er nicht verhindern. Und dass der VAR
ein Foul an ihm gesehen hat, sodass Jonathan Tahs vermeintliches Tor
zurückgenommen werden musste, dafür kann er nun wirklich nichts. Dass er
den Kontakt, den Waldemar Anton ihm gegeben hat, dankend angenommen hat,
auch das ist Ausweis höchster Spielintelligenz.
Natürlich wird er wegen seiner zwei verrückten Elfmeterparaden im finalen
Shootout in seiner Heimat noch lange gefeiert werden. Vor allem bei ihm
dürfen die Paraguayer:innen über einen spontan ausgerufenen Feiertag
bedanken. Und in der Tat: Das Spiel des Teams aus Paraguay, es war ein
Fest.
30 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.fussballdaten.de/marktwerte/
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gustavo_Alfaro
(DIR) [3] https://www.instagram.com/reel/DaMcL6FOurl/
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Stehgeiger
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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