# taz.de -- WM-Aus der DFB-Elf im Sechzehntelfinale: Mit der Brechstange gescheitert
       
       > Die deutsche Elf flankt und flankt in den Strafraum von Paraguay. Selbst
       > vom Elfmeterpunkt entwickelt sie kaum Gefahr und scheitert erneut
       > frühzeitig.
       
 (IMG) Bild: Trauriger Abgang in Boston: die DFB-Elf verabschiedet sich wieder mal vorzeitig von einer WM
       
       Das Spiel: Immerhin jetzt dürfen sie mal frei aufs Tor schießen. Nach zwei
       Stunden überwiegend vergeblicher Bemühungen Torgefahr zu entwickeln, musste
       man schon Mitleid mit dem deutschen Team haben. Doch von den letztlich
       sechs Elfmetern gingen gerade einmal auch nur die Hälfte rein. Die
       Versagensangst stand den Spielern ins Gesicht geschrieben. Der deutsche
       Fußball ist nach den Auftritten in Russland (2018) und Katar (2022) ein
       weiteres Mal ganz vorne dabei, wenn es darum geht, die schlechtesten Teams
       einer WM auszusieben. Dieses Mal schaffte die DFB-Elf es zwar auch dank
       eines Sieges gegen das karibische Inselteam von Curaçao in die K.-o.-Runde,
       aber Paraguay, Nr. 41 in der Fifa-Weltrangliste, stellte sich als zu hohe
       Hürde heraus.
       
       Gespielt haben die DFB-Nationalspieler, als hätte ihnen irgendjemand einen
       besonders schweren Rucksack mitgegeben. Die Angriffsbemühungen verliefen
       tatsächlich schleppend, es fehlte an Tempo und jeglichem Esprit. Die
       Strategie schien es anfangs erst einmal zu sein, den Ball vornehmlich zu
       Florian Wirtz zu passen, der diesen im optimalen Falle irgendwie in den
       Strafraum bringen sollte. Leroy Sané suchte auf der rechten Seite
       vergeblich nach einem Kombinationspartner.
       
       Hinzu kamen, wie schon bei den WM-Spielen zuvor, eklatante defensive
       Schwächen. Julio Ensico hatte in der 41. Minute nicht mal seine ganze
       Körpergröße (173 Zentimeter) gebraucht, um den Kopfball im deutschen Tor
       unterzubringen. So frei und gut kam sein Mitspieler auf der rechten
       Angriffsseite Paraguays zum Flanken und so frei er selbst zum Köpfen.
       
       Mithilfe von Wechseln konnte [1][Bundestrainer Julian Nagelsmann] dem
       deutschen Spiel zwar ein wenig mehr Varianz gerade auf der rechten Seite
       geben, aber selbst nach dem Treffer von Kai Havertz kam die Nationalelf
       nicht in Spielfluss. Flankenweltmeister schien man an diesem Abend allein
       werden zu wollen, nur Abnehmer fanden diese Hereingaben in den Strafraum
       selten. „Mit der Brechstange“, so räumte Nagelsmann ein, habe man es
       versucht. Aber warum nur so früh und weshalb der Verzicht auf andere
       Spielideen, Kombinationen und Pässe hinter die Abwehrkette?
       
       Nagelsmann erfüllt im Verlaufe der Partie die beiden größten Wünsche aller
       Hobby-Bundestrainer. Der Unterschiedsjoker Deniz Undav stand in der
       Startelf. Hätte es nicht auf dem Spielberichtsbogen gestanden, konnte man
       ansonsten nur wenig Belege dafür finden, dass er wirklich auf dem Platz
       war. Und Joshua Kimmich wurde nach Einwechslung von Waldemar Anton von der
       rechten Außenverteidigerposition ins defensive Mittelfeld versetzt. Doch
       des Rätsels Lösung waren auch diese beiden Maßnahmen nicht.
       
       Aura: Auch Manuel Neuer genannt, ließ zwei Paraguayer beim Elfmeterschießen
       versagen, dass es plötzlich doch noch spannend zu werden schien. Aber die
       Aura reichte nicht aus, um alle deutschen Fehlschützen (Havertz, Woltemade,
       Tah) zu kompensieren.
       
       Stimmungsbarometer: Über das beste WM-Ergebnis seit 2014 will sich niemand
       so richtig freuen. Der zeitliche Abstand wird es gewiss nicht besser
       machen. Im Gegenteil: Man darf sich auf allerlei absurde Debatten
       einstellen. Können die Deutschen denn gar nichts mehr und so weiter …
       
       Der taz Fifa-Friedenspreis: Der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed
       wird vom Videoschiedsrichter beim Kopfballtor von Jonathan Tah in der
       Verlängerung an den Bildschirm gerufen und annulliert dann doch das Tor
       wegen Torhüterbehinderung. Alle deutschen Fans, die das wollen, können also
       künftig den Schiedsrichter für das Ausscheiden verantwortlich machen. Erst
       [2][diese Sache mit Cucurella] und dem Unparteiischen und jetzt auch das
       noch! Danke Jalal Jayed!
       
       Titelreife: So ein Mist. Das Ärgerlichste ist, [3][dass wir jetzt noch
       einmal vier Jahre warten müssen,] bis wir endlich mal wieder Weltmeister
       werden können. Was denn auch sonst? Ob dann Julian Nagelsmann dabei sein
       wird, dürfte die große Diskussion der nächsten Tage werden. Er selbst will
       zumindest bei der EM 2028 weiter das deutsche Team betreuen.
       
       30 Jun 2026
       
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 (DIR) Johannes Kopp
       
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