# taz.de -- Frankreichs Sieg gegen Paraguay: Les Bleues mit neuer Facette
> Gegen Deutschland-Schreck Paraguay tun sich auch die bisher so
> glanzvollen Franzosen schwer. Künftige Gegner werden genau hingeschaut
> haben.
(IMG) Bild: Geht doch: Kylian Mbappé nach dem erlösenden Elfmetertor
Didier Deschamps empfand eine etwas überraschende Art von Stolz, als er am
Samstagabend kurz vor dem Ausbruch eines Hitzegewitters seine Bilanz zu dem
mühsamen 1:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Paraguay zog. Fußballerisch war
nur wenig zu sehen von dem Glanz, den die Équipe Tricolore über vier
WM-Siege zuvor verbreitet hat.
Die fünfte Turnierpartie hatte nun unerwartet große Ähnlichkeiten zum Duell
der deutschen Mannschaft mit diesen Südamerikanern gehabt. Die
ausgeschiedene DFB-Elf war [1][für ihre Einfallslosigkeit medial zerrissen]
worden, Frankreich war jetzt kaum besser und benötigte einen vom VAR
empfohlenen Elfmeterpfiff, um ein Spiel zu gewinnen, in dem den
Offensivkünstlern Michael Olise, [2][Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé]
nicht viel mehr eingefallen war als Florian Wirtz, Deniz Undav und Leroy
Sané. Und doch sagte Deschamps: „Das ist ein großartiger Meilenstein.
Spiele gegen südamerikanische Mannschaften sind immer knifflig, und ich bin
sehr zufrieden mit dem, was die Mannschaft an diesem Abend erreicht hat.“
In gewisser Weise erlebte die am höchsten gelobte Mannschaft dieser WM
einen Turnierklassiker: Irgendwann müssen sich auch die größten Favoriten
auf dem Weg zu einem Titel gegen oftmals unerwartete Widerstände
durchbeißen. „Ich glaube, es war wichtig für uns, so eine Partie zu erleben
und zu sehen, wie wir damit umgehen“, sagte Kylian Mbappé, der den
VAR-Elfmeter zum Tor des Tages verwandelt hatte (70.).
Die Erkenntnis: Frankreich kann auch Spiele gewinnen, die sehr unangenehm
sind. „Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, dann machen wir uns
die Hände schmutzig“, verkündete Mbappé.
## Drei Gelbe für Frankreich, keine für Paraguay
Es ist eine neue Facette dieser zuvor für ihre elegante, inspirierte und
künstlerische Spielweise gefeierten Mannschaft. Oft lassen sich Spieler
solcher Teams ja durch Zweikampfhärte provozieren, erst recht, wenn sie –
wie in diesem Fall – nicht vom Schiedsrichter geschützt werden. Mehrere
Aktionen der Paraguayer hätten mit gelben Karten geahndet werden müssen
oder sogar rote Karten nach sich ziehen können. Absurderweise hatten die
Franzosen am Ende drei gelbe Karten gesehen, ihr Gegner keine.
Aber sie nahmen all das hin und behielten die Nerven – eine Meisterleistung
in Resilienz. „Ich habe eine geschlossene Mannschaft mit einer
hervorragenden Einstellung“, sagt Deschamps, um die Besonnenheit seiner
Spieler zu illustrieren. „Wir hatten mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen
– wie viele andere Teams auch –, aber wir haben das Nötige getan.“
Es war also nicht nur dieses für ein Großturnier typische Spiel ohne
Leichtigkeit, das die Franzosen überstanden, sie haben eine bemerkenswerte
Reife gezeigt. Das nährt die Zuversicht für das im Viertelfinale anstehende
Duell mit Marokko, wohingegen die bloße Leistung auch Anlass für ein paar
Zweifel gibt. Den Franzosen gelang erstmals in diesem Turnier kein Tor aus
dem Spiel heraus.
Der Rest der Welt, der bisher voller Ehrfurcht auf dieses Frankreich
blickte, konnte nun sehen, dass auch das Ensemble um die Offensivkünstler
Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé effizient verteidigt werden kann.
Vor dem Elfmetertor gelang den Franzosen kein einziger Spielzug, der zu
einer klaren Chance führte.
## Keine guten Lösungen
Die nach vier Spielen und vier Siegen übermächtig wirkenden Franzosen sind
also auch verletzlich, zumal ein Mittel für solche Problemspiele nicht zu
den Stärken des Weltmeisters von 2018 zählt: Die insgesamt zwölf Ecken, die
sie ausführen durften, blieben bemerkenswert harmlos. Womöglich taugen
diese Eindrücke als kleiner [3][Trost für manche Teilnehmer am deutschen
WM-Projekt]. Selbst Frankreich, dieses hochgelobte Team, fand keine guten
Lösungen gegen diese Paraguayer.
Die beiden K.-o.-Spiele der Südamerikaner hatten sogar große Ähnlichkeiten,
das relativiert manches. Allerdings schied die DFB-Elf aus, während
Frankreich am Ende jubelte wie nach einem ganz großen Sieg, denn es ist WM,
und die Interpretation von Deschamps und seinen Spielern ist ohnehin klar:
„Wir hatten bisher leichte Spiele, insofern ist es gut, dass das jetzt ein
richtig schweres Spiel war“, sagte Deschamps.
Im Subtext heißt das: Die Gefahr, dass die Zauberer aus dem französischen
Angriff in einen Zustand der Überheblichkeit abkippen, ist mit diesem
Erlebnis wohl gebannt. Frankreich ist bereit für die ganz großen Spiele,
die nun kommen, aber unverletzlich ist das Ensemble von Trainer Deschamps
nicht. Das konnten die kommenden Gegner an diesem Tag sehr gut studieren.
5 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Theweleit
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