# taz.de -- DUH warnt vor Kleidung von Shein: „Ein bunter Cocktail an Chemikalien“
       
       > Produkte von Online-Billighändlern halten Sicherheitsbestimmungen nicht
       > immer ein. Das zeigt auch ein aktueller Test von Shein-Klamotten.
       
 (IMG) Bild: Die Deutsche Umwelthilfe hat Kleidungsstücke von Shein testen lassen und geht nun gegen das Unternehmen vor
       
       dpa | Auf der [1][Online-Plattform Shein] verkaufte Kleidung ist zum Teil
       stark mit Chemikalien belastet – und reißt damit europäische Grenzwerte.
       Das geht aus Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der
       Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor. Die Testergebnisse liegen der Deutschen
       Presse-Agentur in Berlin vor. 7 von 18 getesteten Kleidungsstücken
       verstießen demnach gegen EU-Grenzwerte.
       
       ## Shein will Produkte vorerst aus Sortiment nehmen
       
       „Wir nehmen die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst“, erklärte
       Shein auf dpa-Anfrage. Man prüfe den Sachverhalt nun. „Bis die Untersuchung
       abgeschlossen ist, nehmen wir die betroffenen Produkte, entsprechend
       unseren Produktsicherheitsrichtlinien, weltweit aus dem Angebot.
       Gleichzeitig führen wir eine unsere gesamte Seite umspannende Prüfung
       vergleichbarer Produkte durch.“
       
       Nicht nur Shein fällt bei Tests von Verbraucherschützern negativ auf. Das
       betrifft auch andere Online-Billigplattformen wie Temu. Die EU-Kommission
       brummte Temu zuletzt eine Strafe in Höhe von 200 Millionen Euro auf, unter
       anderem wegen Sicherheitsbedenken bei Ladegeräten und zu viel Chemikalien
       in Kinderspielzeug. Temu kritisierte die Strafe in einem Statement als
       unproportional. Zudem beziehe sich die Entscheidung auf die Risikoabwägung
       von 2024 und spiegele nicht den aktuellen Stand der Systeme wider.
       
       „Wir haben in letzter Zeit häufig Grenzwertüberschreitungen, auch gerade
       was die PFAS angeht“, sagt Ulrike Siemers, Co-Geschäftsführerin des
       Umweltinstituts. „Häufig auch bei Plattformen, wo man die Textilien und die
       Produkte eben auch online bestellen kann.“
       
       ## „Bunter Cocktail an Chemikalien“
       
       Bei den aktuellen Labor-Untersuchungen der Shein-Produkte wurden laut Labor
       teils erhebliche Überschreitungen von Grenzwerten festgestellt. „Wir haben
       in den Produkten eine Vielzahl von verschiedenen Chemikalien gefunden, von
       den Schwermetallen über die Weichmacher, über einige PFAS“, so Siemers.
       „Das ist ein bunter Cocktail an Chemikalien, auch welche, die eben
       vielleicht nicht unbedingt reglementiert sind, aber trotzdem eben auch ein
       gesundheitsgefährdendes Potenzial aufweisen können.“
       
       So wurde in einer getesteten Kinderjacke ein Grenzwert für eine Chemikalie
       aus der [2][PFAS-Gruppe] um mehr als das 1.100-Fache überschritten, in
       einer für Teenager angebotenen Jacke sogar um mehr als das 12.000-Fache.
       PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffe werden
       eingesetzt, um unter anderem Kleidung wasser-, fett- und schmutzabweisend
       zu machen.
       
       ## Massive Überschreitungen von Grenzwerten
       
       Als sogenannte Ewigkeitschemikalien reichern sich PFAS in Mensch und Umwelt
       an. Manche PFAS können laut Umweltbundesamt Effekte auf Stoffwechsel,
       Hormonhaushalt und Immunsystem haben, manche stehen im Verdacht,
       krebserregend zu sein.
       
       In einem Paar Damen-Schnürstiefel wiederum wurde eine Konzentration von
       179.000 Milligramm pro Kilogramm des Weichmachers DEHP gefunden. Erlaubt
       wären allenfalls Werte von unter 1.000 Milligramm. Die Stiefel enthalten
       also das 179-Fache des zugelassenen Wertes.
       
       ## Was Phthalate auslösen können
       
       Sogenannte Phthalate – dazu gehört DEHP – haben hormonähnliche
       Eigenschaften und können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
       Insgesamt verstießen von 18 untersuchten Produkten 7 gegen EU-Grenzwerte.
       Shein vertreibt sowohl eigene Produkte als auch Waren von anderen
       Anbietern. Alle getesteten Kleidungsstücke sind nach Angaben der DUH
       Shein-Produkte.
       
       Shein betonte, Händler und Lieferanten seien verpflichtet, sich an interne
       Produktsicherheitsstandards sowie die jeweils geltenden
       Produktsicherheitsstandards zu halten. Zudem arbeite man mit international
       anerkannten Prüf- und Inspektionsunternehmen zusammen, darunter der TÜV
       Süd.
       
       ## Umwelthilfe schickt Abmahnung an Shein
       
       Die Deutsche Umwelthilfe hat Shein nun eine Abmahnung geschickt. „Das
       bedeutet erstens, dass wir eine Unterlassungserklärung einfordern, also
       diese ganzen gefährlichen Chemikalien und Produkte müssen vom Markt, und
       zwar weltweit“, sagt Viola Wohlgemuth, Textilexpertin von der DUH. Zudem
       werde man der EU-Kommission die Testergebnisse zur Verfügung stellen.
       
       Hintergrund ist ein Verfahren, das die EU-Kommission im Februar gegen Shein
       einleitete. Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen, nicht genug
       gegen den Vertrieb illegaler Produkte auf seiner Plattform zu tun und den
       Verbraucherschutz zu vernachlässigen.
       
       ## EU-Untersuchung läuft
       
       Für Aufsehen hatte der Verkauf kindlich aussehender Sexpuppen gesorgt, auch
       genehmigungspflichtige Waffen sowie Medikamente konnte man auf dem
       Onlinemarktplatz erwerben. Das Unternehmen hatte die Angebote nach Kritik
       selbst von seiner Seite genommen.
       
       Grundlage für das Verfahren der EU-Kommission ist das Gesetz über digitale
       Dienste (Digital Services Act, kurz DSA). Große Onlineplattformen müssen
       sich wegen des DSA an deutlich strengere Vorschriften halten, die vor allem
       die Internetnutzer in der EU schützen sollen.
       
       Die Verfahren ziehen sich oft über Jahre. Gegen Shein laufen die
       Ermittlungen noch. Im nächsten Schritt würde die EU-Kommission vorläufige
       Ergebnisse präsentieren, und erst danach – sollte Shein nicht einlenken und
       sich bessern – würde Brüssel eine Strafe verhängen.
       
       ## Privatpersonen und Organisationen können auf Missstände hinweisen
       
       Umweltaspekte stehen zwar nicht direkt im Fokus des DSA. Der Verkauf von
       Produkten, die nicht dem EU-Recht oder dem nationalen Recht eines
       Mitgliedslandes entsprechen, aber schon. Als illegal können also auch
       Produkte verstanden werden, die gegen Umweltvorschriften verstoßen.
       
       Das Gesetz sieht dabei explizit auch vor, dass Privatpersonen oder
       zivilgesellschaftliche Organisationen die EU-Kommission auf Missstände
       hinweisen können. Die Bremer Laborergebnisse will die Umwelthilfe nun der
       EU-Kommission für ihr weiteres Vorgehen gegen Shein als eben ein solches
       Beweismittel an die Hand geben.
       
       ## Verbraucherschützer haben immer wieder etwas zu bemängeln
       
       Auch Stiftung Warentest stellte bei Tests von Spielzeug, Schmuck und
       elektronischen Geräten, die bei Temu und Shein verkauft wurden, fest, dass
       110 von 162 Produkten EU-Standards nicht erfüllten. Oekotest fand bei Tests
       von über Shein verkaufter Kleidung bedenkliche Chemikalien. Die
       Arbeiterkammer Oberösterreich kam bei von Temu und Shein verkaufter
       Kleidung zu ähnlichen Ergebnissen.
       
       Auch Tests, die die Verwaltung der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in
       Auftrag gab, fanden fragwürdige Substanzen bei Produkten, die unter anderem
       über Temu und Shein vertrieben wurden. Zu all diesen Tests äußerte sich
       Shein in seiner Antwort an die dpa nicht.
       
       ## Was Experten raten
       
       Onlineshoppern rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen zu besonderer
       Vorsicht beim Einkaufen auf Onlinemarktplätzen, auf denen vor allem
       chinesische Händler Produkte anbieten. Bei sicherheitsrelevanten Waren wie
       Spielzeug, Elektrogeräten und Kosmetika raten die Experten zum Kauf in der
       EU. Zudem solle man auf komplette Angaben zu Hersteller, Importeur und
       Sicherheitskennzeichen wie das CE-Zeichen achten. Bei extrem günstigen
       Angeboten könnten schlechte Qualität oder mangelnde Sicherheit
       dahinterstecken.
       
       Die Umwelthilfe wünscht sich generell ein stärkeres Vorgehen gegen Fast
       Fashion, also gegen sehr günstige Mode mit extrem schnell wechselnden
       Kollektionen. Bei der anstehenden Reform des Textilgesetzes sollten
       Umweltkriterien eine Rolle spielen. Nach den bisher bekannten Plänen von
       Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sollen sich Hersteller künftig an
       Organisationen für Herstellerverantwortung beteiligen, die sich aus
       Beiträgen der Hersteller finanzieren und um Sammlung und Verwertung von
       Alttextilien kümmern sollen.
       
       „Wenn Unternehmen giftige, kurzlebige und schwer recycelbare
       Fast-Fashion-Produkte auf den Markt bringen, dann sollten diese drastisch
       höhere Beiträge zahlen müssen als Hersteller langlebiger, schadstoffarmer
       und kreislauffähiger Textilien“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführerin
       Barbara Metz.
       
       29 Jun 2026
       
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