# taz.de -- EU-Zollpaket: Pakete außer Rand und Band
> Kunden freuen sich über preiswerte Waren aus dem Ausland, der Zoll ist
> überfordert. Die EU geht ab 2026 gegen Billigimporte vor.
(IMG) Bild: In der Weihnachtszeit sind es besonders viele: Pakete in einer Zustellbasis von DHL
taz | Sie türmen sich auf den Tischen der Zollbeamten am Frankfurter
Flughafen: Pakete mit Klamotten, Spielzeug aus Plastik, Werkzeug. Täglich
reißen die Beamten Hunderte auf, prüfen den Inhalt. Sind die Artikel
gefährlich, gefälscht? Sie kommen kaum noch hinterher. Immer mehr Flugzeuge
landen mit Paketen an Bord.
In Zahlen: Im gesamten Jahr 2024 sind am Flughafen Frankfurt 210 Millionen
Artikel angekommen, also eingeführt worden, die im Internet bestellt
wurden. 2025 waren es schon bis zum August mehr: 260 Millionen. Bis Ende
des Jahres erwartete der Zoll 400 Millionen. Das entspricht fast einer
Verdopplung innerhalb eines Jahres. Das rechnet Florian Preißner vor,
Vizebundesvorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ.
Damit vertritt er seine Kolleginnen und Kollegen, die solche Artikel
herausfischen sollen, die nicht den Sicherheits- oder Umweltstandards
hierzulande entsprechen.
„Mittlerweile müssen jeden Tag mehrere Hunderttausend Pakete abgefertigt
werden“, sagt Preißner. Dabei zählt er nur die Menge, die in Frankfurt
ankommt. Auch wenn das bundesweit „mit Abstand“ der größte Batzen sei,
kommen weitere Lieferungen dazu. Sie landen etwa am Flughafen Köln/Bonn
oder in Leipzig/Halle. Viele Sendungen erreichen Deutschland über den
Flughafen Lüttich, nur 50 Kilometer von der deutsch-belgischen Grenze
entfernt.
Preißner sagt: „Der Warenwert der Sendung ist meist gering, dahinter
stecken in erster Linie Einkäufe auf den Shoppingportalen Temu und
[1][Shein].“ Die beiden Onlinehändler verschicken ihre Waren aus Asien in
die ganze Welt: die grün leuchtenden Plastikfledermäuse für die
Halloweenparty für 5,09 Euro oder die Yogamatte für 1,96 Euro. Die Ware,
die sich online mit nur ein paar Klicks ordern lässt, ist vergleichsweise
billig, das Angebot groß. Temu verkauft etwa Deko, Elektronik,
Haushaltswaren, Kosmetik und Mode. Shein bietet Mode an und stellt einer
[2][McKinsey-Studie] von 2023 zufolge täglich bis zu 10.000 neue Modelle
auf seine Website.
## „Nicht selten mangelhaft oder nicht verkehrsfähig“
Sie kommen bei den Kunden an. Das zeigt die Studie „[3][E-Commerce-Markt
Deutschland 2025]“ vom Handelsforschungsinstitut EHI und der Datenplattform
ECDB. Demnach steht Shein inzwischen auf Platz sieben der umsatzstärksten
Onlineshops in Deutschland und Temu bei den Internetmarktplätzen
hierzulande auf Platz fünf. Der Unterschied zwischen Onlineshops und
Internetmarktplätzen: In Ersteren verkaufen Unternehmen direkt an Kunden,
Marktplätze sind Plattformen, auf denen verschiedene Händler ihre Produkte
gegen Gebühren an den Betreiber anbieten.
Der Zoll sei angesichts der, wie Preißner sagt, „gigantischen Paketschwemme
an Billigwaren“ besonders gefordert, wenn nicht überfordert. In den
Sendungen steckten Dinge wie Textilien, Elektronikzubehör oder Kosmetik,
„die nicht selten mangelhaft oder nicht verkehrsfähig sind, weil sie zum
Beispiel unzulässige Inhaltsstoffe enthalten oder ihre Sicherheit nicht
garantiert ist“. Nur: Jede Prüfung koste viel Zeit, so der Gewerkschafter.
Viel werde dabei noch mit Stift und Klemmbrett in der Hand gemacht, die
Kontrollen lägen derzeit im „Promillebereich“. Anders gesagt: Gut möglich,
dass die Zollbeamten einiges übersehen. Mit zunehmender Masse wird ihr Job
nicht einfacher.
Die EU-Kommission ist alarmiert, auch weil die Bestellungen aus China
Händlern hierzulande zu schaffen machen. Sie geht daher mit einem im
Dezember beschlossenen Zollpaket gegen die Billigimporte vor: Ab Mitte
dieses Jahres soll es eine pauschale Abgabe von 3 Euro auf Lieferungen
geben, die in EU-Staaten gehen und deren Warenwert unter 150 Euro liegt.
Die Regelung soll nur eine Übergangslösung sein, perspektivisch soll die
Zollbefreiung für Sendungen unter 150 Euro Warenwert abgeschafft werden.
Lob für das Zollpaket gibt es vom Handelsverband Deutschland (HDE). „Die
gemeinsame europäische Maßnahme zeigt Drittstaatenhändlern, dass sie mit
ihren Regelverstößen in der gesamten EU nicht länger durchkommen“, erklärte
HDE-Präsident Alexander von Preen.
Zollgewerkschaftler Preißner zufolge reicht das nicht: IT-Verfahren müssten
weiterentwickelt, in die Zollverwaltung investiert werden, um die Paketflut
zu bewältigen.
3 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Greenpeace-Recherche-Shein-Jacken-tausendfach-gfitger-als-erlaubt/!6130522
(DIR) [2] https://www.mckinsey.com/featured-insights/mckinsey-explainers/what-is-fast-fashion
(DIR) [3] https://www.ehi.org/produkt/studie-e-commerce-markt-deutschland-2025/
## AUTOREN
(DIR) Hanna Gersmann
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