# taz.de -- Reform des Strommarktes: Grüne wollen Deutschland in mehrere Preiszonen aufteilen
       
       > Als erste große Partei fordern die Grünen einen regionalen Strompreis.
       > Damit soll belohnt werden, wer Strom nutzt, wo und wann er produziert
       > wird.
       
 (IMG) Bild: Hochspannungsnetze und Winkraftanlagen entlang der Autobahn in Bremen
       
       Die Grünen machen sich für regionale Strompreise stark. Auf ihrem
       [1][kleinen Parteitag] verabschiedete die Partei am Wochenende einen
       Leitantrag für eine neue Preislogik auf dem deutschen Strommarkt: In
       Netzgebieten mit hohem Stromangebot – was speziell auf Wind- und Solarstrom
       abzielt – soll der Strom billiger werden. „Mit Märkten, die die Realität im
       Netz abbilden, sorgen wir für grüne Energie aus der Region, für die Region“
       heißt es in dem Beschluss.
       
       Bislang gibt es im deutschen Großhandel nur eine einzige Preiszone. Dieser
       Einheitspreis an der Strombörse führt zunehmend zu Verwerfungen auf dem
       Markt, weil Stromkunden zum Beispiel in Süddeutschland auch dann billig
       Strom einkaufen können, wenn der üppige Windstrom des Nordens den Süden
       physikalisch gar nicht erreichen kann. Im vergangenen Jahr hatten die
       europäischen Übertragungsnetzbetreiber im Rahmen einer groß angelegten
       Analyse vorgeschlagen, Deutschland in bis zu fünf Preiszonen aufzuteilen.
       
       Damit gewinnt ein Thema an Dynamik, das seit den 2010er-Jahren diskutiert
       wird. Vor allem im hohen Norden rumort es zunehmend. Erst vor wenigen
       Wochen hatte das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und
       Energiesystemtechnik im Auftrag der landeseigenen Gesellschaft für Energie
       und Klimaschutz Schleswig-Holstein eine Studie vorgelegt, die in der
       Branche für Aufsehen sorgte; sie verspricht Schleswig-Holstein Vorteile,
       wenn sich das Land aus dem einheitlichen [2][deutschen Strommarkt]
       herauslösen und eine gemeinsame Strompreiszone mit dem westlichen Dänemark
       bilden würde.
       
       Als die Idee vor Jahren aufkam, den deutschen Strommarkt sachgerechter zu
       organisieren, ging man noch von einer Aufteilung in nur zwei Gebotszonen
       aus, eine Nord- und eine Südzone. Doch dieses Modell lehnen die Grünen
       jetzt „klar ab“. Eine solche Aufteilung würde nach ihrer Einschätzung
       „keiner Engpassgrenze“ folgen, sondern „einer politischen Linie“. Damit
       würde man „das Land spalten, ohne die Kostenvorteile für alle zu heben“.
       
       ## Preiszonen sollen Netz entlasten
       
       Deswegen setzen die Grünen auf „knotenscharfe Preise“, die sich allein an
       der Struktur und den Anforderungen des Netzes orientieren. Die Preiszonen
       würden dann so gestaltet, dass „der Zuschnitt die Netze entlastet, die
       Systemsicherheit und Stabilität stärkt, unsere industriellen Kerne erhält,
       neue Produktionen ermöglicht und den Markt liquide hält“. Zudem sollen „mit
       dynamischen Netzentgelten Flexibilität und netzdienliche Speicher
       marktwirtschaftlich“ gesteuert werden. Kernbotschaft: „Wer Strom nutzt,
       wann und wo er entsteht, wird belohnt.“
       
       Der Vorstoß, in Deutschland solche Preise einzuführen, stützt sich auch auf
       Erfahrungen und Debatten in anderen Ländern. [3][Großbritannien] diskutiert
       lokale Preise ebenfalls, in einer Reihe von US-Bundesstaaten sind sie
       etabliert, ebenso etwa in Chile und Neuseeland.
       
       29 Jun 2026
       
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