# taz.de -- Halbvolle Gasspeicher: Deutschlands Abhängigkeit vom Erdgas
> Gaskraftwerke liefern einen so großen Teil des deutschen Stroms wie nie
> zuvor – obwohl Erneuerbare wachsen. So bestimmen sie oft auch den
> Strompreis.
(IMG) Bild: Gaskraftwerke gleichen Schwankungen von Wind- und Solarenergie aus
Die deutschen Erdgasspeicher sind nur [1][etwa zur Hälfte gefüllt]. Dabei
treffen die niedrigen Füllstände auf eine Stromwirtschaft, die immer
stärker vom Erdgas abhängig ist. Rund 17 Prozent des in Deutschland
erzeugten Stroms kamen im Jahr 2025 laut Zahlen der Arbeitsgemeinschaft
Energiebilanzen aus Erdgaskraftwerken – ein historischer Höchstwert.
In den 1990er Jahren hatte der Anteil des Erdgases an der Stromerzeugung
noch im einstelligen Prozentbereich gelegen, erstmals 2003 überschritt er
die Marke von zehn Prozent. Der Trend hielt bis zuletzt an, und so startete
das Jahr 2026 abermals mit einem Rekordwert: Im ersten Quartal wurde in
Deutschland so viel Strom aus Erdgas erzeugt wie nie zuvor im
Vergleichszeitraum.
Zwar lag der Wert im zweiten Quartal nicht mehr ganz auf Rekordniveau, weil
Photovoltaikanlagen über Wochen hinweg üppig Strom lieferten. Gleichwohl
erreichte die Gasverstromung den höchsten Wert seit 2021.
Hintergrund der hohen Gasverstromung ist nicht nur der deutsche
Atomausstieg, sondern auch die Abschaltung zahlreicher Kohlekraftwerke. Die
Stromerzeugung aus fossilen Energien ist zwar insgesamt durch den Ausbau
der Erneuerbaren in den letzten Jahren deutlich gesunken, die Abhängigkeit
vom Erdgas zugleich aber gestiegen.
## Ohne Gaskraftwerke geht nichts
Den Betriebszeiten der Gaskraftwerke kommt dabei nicht nur der
Kohleausstieg zugute. Es steigt auch der Bedarf an hochflexibler
Stromerzeugung, weil die sogenannten fluktuierenden Quellen Photovoltaik
und Windkraft bedeutender werden, die [2][schwankende Energiemengen
liefern].
Somit geht in Deutschland ohne die Gaskraftwerke aktuell gar nichts. Bis zu
17,5 Gigawatt speisten die Kraftwerke der öffentlichen Versorgung in diesem
Jahr zeitweise ins deutsche Netz. Im Vorjahr waren es bis zu 17,7 Gigawatt.
Unterdessen wirbt die Biogasbranche, die unter den Erneuerbaren am meisten
steuerbare Leistung bieten kann: Sie könne theoretisch mehr als 30 Gigawatt
liefern, wenn die Anlagen „überbaut“, also mit lokalen Biogasspeichern und
leistungsstärkeren Kraftwerksaggregaten ausgestattet würden. Nach [3][einer
Studie der Universität Erlangen-Nürnberg] könnten Biogasanlagen bis 2040
rund die Hälfte der Residuallast bereitstellen. Das ist der Bedarf an
Leistung, der nicht durch Wind und Sonne gedeckt werden kann.
Der zeitweise hohe Anteil von Erdgas an der deutschen Stromerzeugung hat
auch Auswirkungen auf die Strompreise. In jenen Stunden des Jahres, in
denen die erneuerbaren Energien und die verbliebenen Kohlekraftwerke nicht
ausreichen und Gaskraftweke zugeschaltet werden müssen, definieren sie mit
ihren hohen Erzeugungskosten den Strompreis im Großhandel. Das ergibt sich
aus der Logik des Marktes: Der Preis orientiert sich daran, welche Kosten
für die Erzeugung der letzten benötigten Kilowattstunde anfallen – das
Standardmodell des Börsenhandels, das auch beim Aktienhandel oder dem
Handel mit Rohstoffen praktiziert wird.
In den meisten EU-Märkten setzen Erdgaskraftwerke den Preis für wenige
Hundert bis 1.500 Stunden pro Jahr, heißt es in einer Analyse des
US-amerikanischen [4][Institute for Energy Economics and Financial
Analysis]. In diesen Stunden bestimmt folglich auch der Gaspreis den
Strompreis. Doch die Situation der Länder ist unterschiedlich: In Italien
und Deutschland korrelierten Gas- und Strompreise aufgrund der Struktur der
Kraftwerkparks viel stärker als in Frankreich oder Spanien, schreibt das
Institut.
In Deutschland verlaufen die Kurven der Erdgasverstromung und der
Börsenpreis am Spotmarkt, der kurzfristig Strommengen handelt, oft ziemlich
gleichförmig. Zum Zeitpunkt der höchsten Gasverstromung in diesem Jahr zum
Beispiel lag der Börsenpreis bei gut 18 Cent je Kilowattstunde. Somit
können Stromkunden, die möglichst wenig fossile Energie nutzen wollen –
etwa an Ladesäulen mit dynamischen Tarifen oder an der heimischen Wallbox –
sich an einem groben Richtwert orientieren: Wenn der Strom billig ist, ist
der Anteil erneuerbarer Energien im Netz hoch.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Halbvolle-Gasspeicher/!6204963
(DIR) [2] /Sonnenfinsternis-und-Strompreise/!6203709
(DIR) [3] https://www.evt.tf.fau.de/files/2024/09/Biogas-im-kuenftigen-Energiesystem-final-09-09-24.pdf
(DIR) [4] https://ieefa.org/topic/oilgas-lng
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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