# taz.de -- +++ Hitzewelle in Deutschland +++: Neuer Hitzerekord möglich
       
       > Pflegeheimbewohner leiden. Fridays For Future kündigt kurzfristig Demo
       > an. Es könnte noch heißer werden. Kommunen rufen zum Wassersparen auf.
       
 (IMG) Bild: Sonniges Wetter herrscht auch am Strand des Seebades auf der Insel Rügen
       
       ## Fridays For Future kündigt kurzfristig Demo an
       
       Angesichts der aktuellen [1][Hitzewelle in Deutschland] will Fridays For
       Future am Sonntag spontan für mehr Einsatz gegen die Klimakrise
       demonstrieren. „Diese extremen Temperaturen sind das Ergebnis einer
       fossilen Politik, die lieber fossile Konzerne schützt als das Leben von
       Menschen“, heißt es im heute versendeten Demonstrationsaufruf. Stattfinden
       soll der Protest am Sonntag im Invalidenpark in Berlin-Mitte – aufgrund der
       zu erwartenden Temperaturen erst um 21 Uhr.
       
       „Statt Menschen akut zu helfen und weitere krassere Hitzewellen
       vorzubeugen, befeuert die Bundesregierung weiter die Klimakrise; das ist
       verantwortungslos, brandgefährlich und nicht zu rechtfertigen“, kritisierte
       Nele Evers von Fridays for Future Berlin im Aufruf zur Demo. Der
       effektivste Schutz vor Hitze sei Klimaschutz. (dpa)
       
       ## Wetterdienst warnt vor möglichem neuem Hitzerekord
       
       Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für den Großteil Deutschlands eine
       Warnung vor extremer Hitze ausgegeben. „Am heutigen Samstag sind
       flächendeckend Temperaturen über 36 Grad erwartbar, lediglich an den Küsten
       ist es etwas weniger heiß“, erklärten die Experten aus Offenbach. „Lokal
       sind sogar 42 Grad nicht ausgeschlossen.“ Damit würde der erst am Freitag
       erreichte Hitzerekord erneut gebrochen. Örtlich drohen den Angaben nach
       zudem Gewitter und Unwetter.
       
       Mit 41,3 Grad war die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt
       registriert worden. Der Rekordwert wurde Freitag gegen 17 Uhr an einer
       Wetterstation in Saarbrücken gemessen. „Besonders belastend für die
       Menschen ist dabei die fehlende nächtliche Abkühlung, da erneut in vielen
       Landesteilen Tropennächte bevorstehen“, ergänzte der DWD. „Die Hitze setzt
       sich auch am Sonntag fort und erst am Montag kommt es zu einer Entspannung
       mit Temperaturen unter 30 Grad.“
       
       „Die zweite Baustelle ist die nun auflebende Gewitter- und Unwettergefahr“,
       führten die Meteorologen aus. Am Samstag drohen demnach im Westen und
       Norden vereinzelt Gewitter, die zu „unwetterartigen Entwicklungen“ führen
       könnten. In der Nacht zum Sonntag erhöhe sich die Unwettergefahr dann von
       Westen kommend deutlich. Es drohe „das volle Programm von heftigem
       Starkregen, über schwere Sturmböen bis hin zu Hagel“. (afp)
       
       ## Gute Stimmung bei CSD-Demonstration in München
       
       In München ist bei Temperaturen um die 36 Grad die diesjährige
       CSD-Demonstration angelaufen. Trotz der Hitze laufe bislang alles gut,
       sagte ein Sprecher des Veranstalters. Im Rahmen eines Hitzekonzepts sei für
       ausreichend Schatten und Wasserspender gesorgt worden.
       
       Ob sich die hohen Temperaturen negativ auf die Teilnehmerzahl auswirken,
       ist den Angaben nach noch nicht absehbar. Der Veranstalter rechnet mit
       300.000 bis 500.000 Menschen.
       
       Die Demonstration für die Rechte sexueller Minderheiten zieht von der
       Erhardtstraße an der Isar zur Ludwigstraße zwischen Odeonsplatz und
       Siegestor. Flankiert wird sie bis Sonntag von Partys und anderen
       Veranstaltungen, etwa einem Straßenfest.
       
       Das Pride-Wochenende steht unter dem Motto „Unsere Vielfalt. Unsere
       Stärke“. Vielfalt steht laut den Veranstaltern für „Respekt“ und einen
       „sicheren Platz in der Gesellschaft“ für alle Menschen. Stärke bedeutet
       demnach selbstbewusste und kämpferische Positionierung gegenüber allen,
       „die uns für schwach und weniger wert halten“. (afp)
       
       ## Senioren in Pflegeheimen leiden unter Hitze
       
       Nach Einsätzen von Rettungskräften in einem Altenheim in Krefeld und einer
       Senioreneinrichtung in Dormagen werden Rufe nach einem besseren Hitzeschutz
       in Pflege- und Seniorenheimen laut. „Wieder leiden viele der 800.000
       Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, sagte der Vorstand der
       Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Samstag der
       Katholischen Nachrichten-Agentur.
       
       Zwar hätten viele Einrichtungen auf Druck der Politik Hitzeschutzpläne auf
       den Weg gebracht, so Brysch. Doch damit betrieben Bund und Länder reinen
       Aktionismus, beklagte der Patientenschützer. „Die Papiere und Konzepte
       enden dort, wo der Patientenschutz Geld und Personal kostet.“
       
       Brysch rief Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und
       Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) dazu auf, noch in diesem Jahr
       mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel in die Hand zu nehmen. „Aber
       auch die Länder stehen in der Verantwortung. Denn es fehlen überzeugende
       Anstrengungen in diesem Bereich. Bestandsbauten müssen endlich den
       klimatischen Bedingungen angepasst werden. Bei Neubauten darf die
       Raumtemperatur 25 Grad nicht überschreiten.“
       
       Laut Medienberichten gerieten am Freitagabend bei Temperaturen nahe 40 Grad
       mehr als 40 Bewohner eines Altenheims in Krefeld in eine kritische Lage.
       Fünf Bewohner wurden laut Rheinischer Post ins Krankenhaus gebracht. In den
       Räumen habe die Temperatur zwischen 34 und 50 Grad gelegen.
       
       In einer Senioreneinrichtung in Dormagen verstarb in der Nacht von Freitag
       auf Samstag ein Bewohner. Laut Angaben der Stadt liegen bislang keine
       Erkenntnisse darüber vor, ob die derzeit herrschende Hitze die Todesursache
       war.
       
       Da die Einsatzkräfte vor Ort allerdings hohe Temperaturen von teilweise
       mehr als 35 Grad Celsius im Gebäude feststellten, seien weitere Maßnahmen
       ergriffen worden. Für die 167 Bewohnerinnen und Bewohner habe der leitende
       Notarzt in Abstimmung mit der Heimleitung umfangreiche Schutzmaßnahmen
       veranlasst. Zehn Personen befänden sich derzeit in stationärer ärztlicher
       Behandlung. Die Stadt berief ihren Krisenstab ein. (kna)
       
       ## Straßenschäden wegen Hitze
       
       Wegen der Hitze schauen die Autobahnmeistereien aktuell besonders auf den
       [2][Zustand der Fahrbahnen.] „Zur Früherkennung erfolgen in Hitzephasen
       verstärkte Streckenkontrollen“, sagte ein Sprecher der Autobahn GmbH.
       Hitzeschäden würden umgehend ausgebessert, da sie eine Gefährdung für die
       Verkehrsteilnehmenden darstellten. Bei Betonfahrbahnen würde in der Regel
       die betroffene Stelle mit Asphalt aufgefüllt.
       
       Bei Asphaltschichten kann es wegen der Hitze laut Autobahn GmbH zu
       Verformungen und Spurrinnen kommen. Der Grund dafür liegt häufig im
       Bitumen. „Es ist elastisch und kann bei hohen Temperaturen ab etwa 60 Grad
       Celsius weich werden“, erklärte der Sprecher. Bereits am Freitag war es auf
       mehreren Autobahnen in Brandenburg zu Schäden gekommen. (dpa)
       
       ## Kommunen rufen Bürger zum Wassersparen auf
       
       Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat die Bürger wegen der
       Hitze dringend zum Wassersparen aufgerufen und notfalls Verbote ins Spiel
       gebracht. „Bei dieser Hitze appelliere ich dringend an den gesunden
       Menschenverstand, in den kommenden Tagen bitte ganz besonders sparsam mit
       dem kostbaren Wasser umzugehen“, sagte Hauptgeschäftsführer André
       Berghegger der Neuen Osnabrücker Zeitung (Samstagsausgabe).
       
       Zunächst solle so lange wie möglich auf Freiwilligkeit gesetzt werden,
       sagte Berghegger. „Wenn das nicht funktioniert, müssen die Behörden vor Ort
       auch Verbote aussprechen.“ Nach seiner Wahrnehmung seien „die Leute aber
       vernünftig“, sodass „kein Wasser zur Bewässerung von Golf- oder
       Tennisplätzen verschwendet wird“.
       
       Berghegger beklagte zugleich fehlende Mittel für ausreichenden Hitzeschutz
       in den Kommunen. „Die Zahl der Hitzetage ist stetig gewachsen. Daher haben
       wir immer mehr Trockenperioden und Dürren. Darauf müssen wir uns
       einstellen“, sagte der DStGB-Hauptgeschäftsführer. Zwar werde kommunal
       bereits viel geleistet, sagte Berghegger weiter. „Aber viel zu oft fehlt es
       am Geld, um Maßnahmen zur Begrünung, zur Verschattung, zur Vernebelung, für
       mehr Luftzug und Bewässerung in die Tat umzusetzen und vulnerable Gruppen
       besser zu schützen.“ (afp)
       
       ## Unwetter und Waldbrandgefahr nach Rekordhitze erwartet
       
       Der Höhepunkt der Hitzewelle steht Berlin und Brandenburg an diesem
       Wochenende noch bevor. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
       steigen die Temperaturen im Tagesverlauf und am Sonntag auf bis zu 41 Grad.
       Auch die Nacht bleibt mit Tiefstwerten zwischen 24 und 19 Grad warm.
       
       Am Sonntag setzt sich [3][die extreme Hitze] den Angaben nach zunächst
       fort. Im Tagesverlauf bilden sich jedoch von Südwesten her Quellwolken,
       bevor örtlich kräftige Hitzegewitter entstehen können. Laut DWD besteht
       Unwetterpotenzial mit heftigem Starkregen, Hagel sowie schweren Sturmböen.
       
       Zum Wochenstart wird es etwas kühler. Am Montag ziehen wiederholt Schauer
       und Gewitter durch, die Höchstwerte liegen dann noch zwischen 29 und 32
       Grad. Am Dienstag gehen die Temperaturen mit 23 bis 28 Grad weiter zurück.
       
       Die anhaltende Trockenheit sorgt am Wochenende für eine zunächst weiter
       steigende Waldbrandgefahr. In fast allen Landkreisen Brandenburgs gilt
       derzeit eine hohe Gefahrenstufe. In Potsdam-Mittelmark, den Städten Potsdam
       und Brandenburg an der Havel sowie in der Prignitz und im Havelland wird
       sie sogar als sehr hoch eingestuft, wie das Ministerium für Land- und
       Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Auch
       innerhalb Berlins reicht die Waldbrandgefahr laut Waldbrandgefahrenindex
       des DWD je nach Bezirk von mittel bis sehr hoch. (dpa)
       
       27 Jun 2026
       
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