# taz.de -- Fridays for Future macht mobil: Nicht der Hitze ausgeliefert sein
       
       > Vor dem Abgeordnetenhaus kündigt Fridays for Future mit Blick auf die
       > Wahlen Aktionen an. Klimaschutz dürfe keine Frage des sozialen Status
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Pressekonferenz von Fridays for Future. Im Hintergrund das Abgeordnetenhaus
       
       Gefühlt im Minutentakt fahren Reisebusse vorbei. Von ihren Sitzen aus
       können die Touristen einen Blick hinter die riesige Plakatwand werfen, mit
       der Fridays for Future (FFF) die Pressekonferenz zur Fahrbahnseite
       abgeschirmt hat. Lieber hätte man die Medien auf der anderen Seite, vor dem
       Abgeordnetenhaus, empfangen, wo an diesem Donnerstagvormittag zum letzten
       Mal vor der Sommerpause das Landesparlament tagt, sagt Luisa Neubauer bei
       der Begrüßung. Aber die Polizei habe ihnen den Platz neben dem Martin
       Gropius-Bau zugewiesen.
       
       Was sich letztlich als Vorteil erweist. Angenehm schattig und kühl ist es
       dort unter den Platanen, während auf den Vorplatz des Abgeordnetenhauses
       die Sonne knallt. Passend zum Thema der Pressekonferenz, bei der FFF im
       Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl ihre Forderungen an die Berliner
       Landespolitik präsentiert. Unterdessen wird an der Plakatwand emsig
       weitergemalt. Forderungen wie Berlin für Zukunft statt fossiler Lobby, für
       soziale Sanierung, Klima und Bildung statt Luxuswohnungsbau und Kürzungen
       sind dort versinnbildlicht.
       
       Moderiert von FFF-Sprecherin Neubauer berichten ein Wissenschaftler, eine
       Hebamme, eine Schülerin und eine Studentin von ihren Erfahrungen. „Die
       Berliner Klimaschutzziele 2030 werden nach derzeitigem Stand ziemlich
       sicher nicht erreicht“, sagt der Verkehrsexperte Felix Creutzig von den
       Scientists for Future.
       
       Das Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz legt für die Hauptstadt
       eine Reduktion der Kohlendioxidemissionen bis 2030 um 70 Prozent im
       Vergleich zum Jahr 1990 fest. Bis 2040 sollen es 90 Prozent sein. Das Ziel
       ist, bis 2045 klimaneutral zu sein.
       
       ## Sorgenkind Verkehr
       
       [1][Der Berliner Verkehr sei das große Sorgenkind], sagt Creutzig. Die
       CO₂-Emissionen seien dort in den letzten 30 Jahren mehr oder weniger stabil
       geblieben. Schlimmer noch. Nachdem die CDU-SPD-Regierungskoalition das
       Fahrradinfrastrukturgesetz ausgebremst habe, seien erreichte Verbesserungen
       „sogar rückläufig“. Konsens unter den demokratischen Parteien sei
       wenigstens, dass der Preis für den Anwohnerparkausweis, der rund 10 Euro im
       Jahr kostet, angehoben werden müsse. „Das muss auf jeden Fall im
       dreistelligen Bereich sein“, sagt Creutzig.
       
       Klimaneutralität in Berlin bedeute auch Nachhaltigkeit in der Lehre und ein
       klimaneutraler Campus, sagt Jette Arndt, Chemiestudentin an der TU.
       Zentrale Gebäude der TU sind zurzeit wegen Baumängeln geschlossen.
       Forschung und Lehre seien deshalb massiv eingeschränkt. 96 Prozent der TU
       Gebäude seien sanierungsbedürftig, bei der HU 94 Prozent, bei der FU 75
       Prozent. Wichtig sei, dass die Sanierungen nachhaltig passierten.
       
       Wieder fährt ein Reisebus vorbei, Motorengeräusch verschluckt Arndts Stimme
       einen Moment lang.
       
       Die Hebamme Katharina De Grill, Mitglied bei den Midwifes von FFF, betont,
       dass nicht jede Familie der Hitze ausweichen kann. Viele hätten eine enge
       Wohnung, keinen Garten und keinen Zugang zu wichtigen Informationen.
       Schwangere und Neugeborene gehörten zu den besonders vulnerablen Gruppen.
       
       Hitzeschutz dürfe keine Frage des sozialen Status sein – auch die Schülerin
       Annkatrin Schwirten fordert das in einem engagierten Statement.
       „[2][Klimaschutz ist ein Muss]“, sagt sie. Der aktuelle Berliner Senat sei
       aber ganz auf der Linie der Bundesregierung: „Wegschauen, kleinreden.“
       Dabei sei spätestens seit letzter Woche klar, [3][„es geht nicht nur um
       abstrakte Zahlen]“. Die Realität in ihrer Schule beschreibt Schwirten so:
       „In einem viel zu engen Klassenraum bei 35 Grad Hitze kann sich niemand
       mehr konzentrieren.“
       
       Bis zu den Wahlen im September werde es weitere Aktionen von FFF geben,
       kündigt Neubauer an. Lange schon gehe es nicht mehr um die Frage „ob
       Klimaschutz, sondern nur noch wie“.
       
       Der nächste Bus dröhnt vorbei. Die Künstlerinnen und Künstler pinseln
       unverdrossen weiter an der Plakatwand. Die Wolken auf dem Bild mit den
       Radfahrern sind schwefelgelb.
       
       2 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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