# taz.de -- Theaterprojekt im Unterricht: Die DDR als Audiotour
> Als 1984 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg drei Gasometer abgerissen
> werden sollten, kam es zu Protesten. Schüler*innen im Bezirk haben sie
> erforscht.
(IMG) Bild: Also die Leute 1984 in die neu gebauten Hochhäuser zogen, standen die Gasometer noch. Aber nicht mehr lange
Vier Schülerinnen und vier Schüler sitzen im Kreis in einem Klassenraum
zusammen. Es ist Anfang Juni, es ist warm. Die Siebtklässler*innen der
Gustave-Eiffel-Schule, einer Integrierten Sekundarschule im Bezirk
Prenzlauer Berg, sind Teil einer Wahlpflicht-AG, die den Fragen nachgeht:
Wie wurde in der DDR protestiert? Was würdest du verändern, wenn du
könntest?
Die Theaterpädagogin und Schauspielerin Jelena Bosanac verteilt Karten des
Spiels „Gemischte Gefühle“ auf dem Fußboden. Die Jugendlichen können eine
herausfischen, um zu erzählen, wie es ihnen geht. Jonathan* geht es „gut“,
weiß aber nicht mehr zu sagen; Melanie ist froh, dass der Tag fast vorbei
ist, Mona hatte eine schöne Woche, Nathalie wählt „Hä?“, weil sie nicht
beschreiben kann, wie sie sich gerade fühlt. Warming-up für eine
Fragestunde mit einem Zeitzeugen. Micha Koch ist gekommen, um ihnen zu
erzählen, wie es 1984 in dem Bezirk, in dem sie heute zur Schule gehen, zu
Protesten der Bevölkerung gegen den Abriss von drei Gasometern gekommen
ist.
Dass es in der DDR auch schon vor 1989 Proteste gab, ist wenig bekannt. Es
waren keine großen Demonstrationen, sondern kleinere Aktionen, mit denen
die Beteiligten dennoch viel riskierten. 1981 war im Berliner Bezirk
Prenzlauer Berg das alte Gaswerk stillgelegt worden, dem die Menschen wenig
hinterhertrauerten, hatte es doch für Gestank und dreckige Luft gesorgt.
Als jedoch 1984 die drei Gasometer, die ursprünglich erhalten bleiben
sollten, zum Abriss bestimmt wurden, empörten sich viele. Die Gasometer
galten als Wahrzeichen des Bezirks. 160 Eingaben gegen die Sprengung soll
die Staatssicherheit gezählt haben, es tauchten Aufkleber, Plakate,
Spruchbänder im Bezirk auf: „Gasometer sprengt man nicht“.
Micha Koch gehörte 1984 zu denen, die nicht einverstanden waren. Er stellt
sich den von den Schüler*innen vorbereiteten Fragen. Es sind gute
Fragen: Wie fühlte es sich an, als die Gasometer gesprengt wurden? War es
das Protestieren wert? Wieso musstest du ins Gefängnis? Worüber hast du
dort nachgedacht? Was hat dir an der DDR gefallen? Was würdest du heute
anders machen?
## Mit der Spraydose
Micha Koch und seine damalige Lebensgefährtin Katharina Kosak, beide
studierten an der Kunsthochschule Weißensee, hatten Sticker gebastelt,
Katharina Kosak zog außerdem mit der Spraydose los. Micha Koch wurde am Tag
der Sprengung von der Staatssicherheit kurzzeitig festgenommen, Katharina
Kosak durfte mit ihrem Baby das Haus nicht verlassen.
Micha Koch liefert Antworten und fragt zurück: „Sprecht ihr mit euren
Eltern?“ Jonathan erzählt von seinen Großeltern, die „stundenlang über den
Mauerfall reden“, und wüsste gern mehr über diese ferne Vergangenheit, die
DDR. Melanie interessiert sich für die Gasometer selbst. Ein Schüler mit
nordafrikanischen Wurzeln sagt, in seiner Familie würde nicht über die DDR
geredet. „Warum bist du dabei?“, fragt die Theaterpädagogin Jelena Bosanac.
„Weil es Spaß macht“, sagt er.
Es ist schon seltsam: Die acht in der Runde gucken möglichst
undurchschaubar, fragen, ob sie aufs Klo gehen dürfen, ob man ein bisschen
früher Schluss machen könne. Die Diskrepanz zwischen äußerer
Unbeteiligtheit und innerer Beteiligung wird das ganze Projekt über
bleiben. Vielleicht eine Sache des Alters. Es sind 12- bis 13-Jährige, die
AG fällt in die letzten anderthalb Stunden eines langen Schultags.
„Es ist kein einfaches Arbeiten“, sagt Jelena Bosanac, die an dem Tag
allein die Gruppe geleitet hat. Dennoch seien die Schüler*innen, wenn sie
einmal angefangen haben, ernsthaft bei der Sache. „Nächste Woche besprechen
wir Texte und Fotos für die Broschüre“, gibt ihnen die 38-Jährige mit auf
den Weg.
## Der liebe Gasometer
Die Schüler*innen haben Briefe an den „Lieben Gasometer“ entworfen und
für den geplanten Audiowalk im nahen Ernst-Thälmann-Park eingesprochen. Der
Park entstand dort, wo 1984 die Gasometer gesprengt wurden. Heute spenden
die Bäume großzügig Schatten, drumherum erheben sich die Plattenbauten der
damals entstandenen Wohnsiedlung. Ernst-Thälmann-Denkmal und Planetarium
sind nicht weit.
Was wissen Jugendliche heute über die DDR, was verbinden sie damit? Die
Antworten der Siebtklässler*innen, die sie für den Audiowalk eingesprochen
haben, sind erstaunlich persönlich. Schließlich leben sie mit ihren
Familien in der Osthälfte der Stadt. Das Leben war „schwerer als jetzt“,
erzählen sie, vor Geschäften stand man an, jeder kannte jeden, es gab keine
Obdachlosen, aber Spitzel, manchmal sogar Verrat in der eigenen Familie.
Das Raunen der Geschichte in den Geschichten der Eltern und Großeltern. Die
Schüler*innen spüren das Bedürfnis, mehr zu erfahren.
Die AG Bildendes Theater zum Abriss der Gasometer ist ein außerschulisches
Projekt, das von einem freien Theater in der Nachbarschaft für Schulen
entwickelt wurde. Gefördert vom Bundesprogramm „Jugend erinnert“, trägt es
den Titel „(un)erhört. Stimmen in der DDR“. Parallel zur Gruppe der
Oberschule hat auch die sechste Klasse der nahegelegenen Grundschule am
Planetarium die Spurensuche [1][im Ernst-Thälmann-Park] aufgenommen, ihr
Thema: „Heldenposen“. Weil die Fördergelder nicht rechtzeitig eintrafen,
konnten die AGs erst im zweiten Schulhalbjahr starten.
Die Idee zu dem Projekt stammt von Cindy Ehrlichmann vom Theater o. N.,
einem Kollektiv von freien Theaterleuten, das im Sommer sein neues Domizil
in der nahe gelegenen Fröbelkapelle bezieht. „Wir machen solche Projekte
schon seit vielen Jahren“, sagt Ehrlichmann, aber der Ortswechsel sei
diesmal inhaltlich ausschlaggebend gewesen. „Wir wollten unsere neue
Umgebung erkunden“, sagt Ehrlichmann. „Der Thälmann-Park ist ein spannendes
Soziotop. Und die DDR ein Thema, das uns alle umtreibt.“
## Biografische Arbeitsweise
Die Gründung des Theaters o. N. [2][reicht weit in die DDR bis zum Theater
Zinnober zurück] – der ersten Freien Gruppe der DDR. Seit 2010 mit neuem
Namen, neuer Leitung und künstlerischer Ausrichtung, hat das Ensemble seine
biografische Arbeitsweise mit Kinder- und Jugendprojekten zu einem zweiten
Standbein ausgebaut. „Wir möchten Kinder und Jugendliche ansprechen, die
bisher wenig mit Theater zu tun hatten“, sagt Ehrlichmann. „Dafür gehen wir
gezielt in strukturschwache Quartiere mit wenig kulturellem Angebot. Aber
natürlich brauchen wir in den Schulen Multiplikator*innen – und
Zeit.“
Zeit, die in diesem Schulhalbjahr den Theaterpädagog*innen Jelena
Bosanac und Pauri Röwert weglief, zerbröselte. Wer Schulkinder hat, weiß,
wie es zum Ende des Schuljahrs zugeht: Mai-Feiertage, Zeugniskonferenzen,
Schulausflüge, Wandertage, Projektwochen. „Am Anfang lief es toll“,
erinnert sich Jelena Bosanac, „wir stellten in allen siebten und achten
Klassen zwei Fragen: Was findet ihr ungerecht? Wogegen würdet ihr heute
protestieren? 200 Schüler*innen beteiligten sich; in die AG selbst kamen
schließlich 12 Jugendliche der siebten Klassen.
Gemeinsam sahen sie ein [3][Youtube-Interview mit Katharina Kosak], die mit
ihrem Freund Micha Koch am Tag des Senatsrundgangs durch die Hochschule die
selbstgebastelten Sticker verteilen wollte und später von der
Kunsthochschule exmatrikuliert wurde. Katharina Kosak sagt: „Die
Schüler*innen waren gut vorbereitet und stellten interessante Fragen:
Wie war es als Frau in der DDR? Und wie konnte man Vertrauen entwickeln,
wenn überall Verrat lauerte?“ Sie hat für die Begleitbroschüre einen Comic
mit ihrer Geschichte gezeichnet.
Zwei AG-Treffen später sind nur fünf Schüler*innen anwesend, die anderen
auf Klassenfahrt. Neben Jelena Bosanac ist diesmal auch Pauri Röwert dabei.
Sie wollen letzte Aufnahmen für das Audiotape machen. Die Entscheidung für
einen Audiowalk fiel früh, auch um die Interviews mit den
Zeitzeug*innen nutzen zu können.
## Persönliche Eingabe gegen den Abriss
Die Proteststicker, die Katharina Kosak und Micha Koch 1984 gebastelt
hatten, stellte die einfache Frage: „Berlin ohne Gasometer?“ Schon das
wurde von den DDR-Behörden als Provokation gedeutet, und tatsächlich waren
es nicht nur Kunststudent*innen, die protestierten, sondern auch Menschen
aus der Nachbarschaft. Der Vater von Micha Koch gehörte dazu. Auch er
machte eine persönliche Eingabe gegen den Abriss, weil er als Maurer die
handwerkliche Seite der Gasometer als Architekturdenkmäler bewahrt sehen
wollte. Letztlich sei es sein Vater gewesen, erzählt Micha Koch den
Schüler*innen in der Fragerunde, der seine vorübergehende Verhaftung
bewirkt habe. Stolz auf seinen Sohn hatte er damit „geprahlt“, dass die
Kunststudent*innen Aktionen planten.
Pauri Röwert und Jelena Bosanac fragen die Schüler*innen: „Was fällt euch
zu Berlin ohne __? ein?“ Zögerlich stimmen sie ins Gedankenspiel ein:
Berlin – ohne Fernsehturm, ohne Mauerpark, ohne Dom, ohne Stress, ohne
Rassisten, BSR, ohne Bäume, ohne Ratten, ohne E-Roller, die Liste wird
immer länger, das Gedankenspiel intensiver. Plötzlich läuft es. „Ohne
Schule“ ist nicht dabei.
Jelena Bosanac hat schwarze T-Shirts gekauft, die sie im Park bei ihrer
Performance anziehen könnten. Am Ende wird dies nicht nötig sein, der
Audiowalk findet ohne Performance-Einlagen statt, da ein Großteil wegen der
Projektwoche nicht zur Generalprobe kommen kann. Aus dem Audiowalk mit
Performance wird ein Audiowalk ohne Performance.
Alles ist möglich im Rahmen solcher Projekte, es hätte auch eine
Ausstellung werden können, sagt Projektkoordinatorin Cindy Ehrlichmann vom
Theater o. N.. Es geht darum, sich mit den Jugendlichen auf eine
„künstlerische Forschungsreise“ zu begeben, andere Formen von
Geschichtsvermittlung auszuprobieren und den Bezug zu heute herzustellen:
zu ihren Wünschen, Ängsten. Es ist eine Reise mit unvorhergesehenen
Zwischenhalten, kleinen Abstürzen. Und gutem Ausgang: Der Audiowalk, der am
6. Juli im Ernst-Thälmann-Park Premiere hat, kann sich hören und sehen
lassen.
## Rotes oder blaues Pioniertuch
Mal nieselt es, mal regnet es an diesem Montagvormittag. Treffpunkt ist
eine Bäckerei am Rande des Parks, hier werden Kopfhörer für das Publikum
ausgegeben. Die Arbeitsergebnisse der Grund- und Oberschulgruppe
verschmelzen heute zu einer Performance. Die zehn Grundschüler*innen, blaue
Hosen, weiße Hemden und später ein rotes oder blaues Pioniertuch, zeigen
kleine Tänze; sie haben Graffiti aufgespürt, Anwohner*innen befragt,
die in den 1980er Jahren in die neuen Häuser gezogen sind, die sich um den
Park schmiegen.
Wie das Leben damals im Kiez war, haben die Grundschüler*innen gefragt,
für Erwachsene aber auch für Kinder, die zum Beispiel Jungpioniere sein
wollten oder nicht sein durften. Ihr Audiowalk führt bis [4][zum wuchtigen
Thälmann-Denkmal], von einem sowjetischen Bildhauer in Bronze gegossen. Wie
sähe euer Denkmal aus?, fragen sie und führen die Zuschauer*innen in
kleinen Gruppen zum Austausch zusammen. Unsere Gruppe ist sich sicher:
nicht monumental, aber interaktiv.
Am Denkmal ist Staffelübergabe, nahtlos schließt sich der Audiowalk der
Oberschüler*innen zu den Gasometern an. Katharina Kosak und Micha Koch
sind gekommen. Der harte Kern der Gasometer-AG läuft ebenfalls mit. Wie es
ist die eigene Stimme zu hören? „Erst mal komisch“, sagt Nathalie. Ihre
Freundin Melanie nickt.
Zwischen Generalprobe und Premiere hat sich eine Änderung ergeben. Ein
Trauermarsch ertönt, wie er in vielen kommunistischen Ländern gespielt
wurde. Vor einem Gittertor, wo heute eine biologische Reinigungsanlage für
den Park steht, liegt ein Kondolenzbuch aus. Die Zuschauer*innen können
sich eintragen, ein rotes LED-Teelicht oder eine weiße Rose nehmen und
verhaltenen Schrittes um die Anlage herummarschieren. Auf der anderen Seite
angelangt, können sie Blume oder Teelicht wieder an einer Grabstätte
ablegen. Nathalie zögert, Melanie auch; erst als immer mehr mitmachen und
sich zu einem Trauermarsch formieren, holen sie auch ein Teelicht.
Zum Trauermarsch erklingen die Stimmen der Jugendlichen, die die von ihnen
verfassten Briefe lesen. „Sehr geehrter Gasometer“, heißt es, „ich habe
dich zwar nicht gekannt, aber du warst bestimmt sehr nett.“ – Es ist
schade, dass sie dich abgerissen haben, aber es ist besser so, dass du
nicht mehr in Betrieb bist.“ – „Es gibt heute modernere Technologien.“-
„Ruhe in Frieden!“ Die Briefe fangen Sinn und Widersinn von
Kondolenzbezeugungen ein.
Für Jelena Bosanac und Pauri Röwert endet das Projekt. „Unsere Reise hat
Spaß gemacht“, sagt Röwert, ganz Theaterpädagog*in, „jetzt könnte sie
richtig losgehen.“ Die beiden sind ab Herbst mit anderen künstlerischen
Projekten beschäftigt. Cindy Ehrlichmann plant für das neue Schuljahr zwei
weitere Module, die sich mit der Situation der Frauen in der Wendezeit
beschäftigen werden. „Die Schulen wollen gern weitermachen, und wir auch.“
## Feedback positiv
Grit Silberberg, die AG-Koordinatorin an der Gustave-Eiffel-Schule,
bestätigt das: „Wir streben eine Kooperation auch im nächsten Jahr an.“
Auch sie ist zur Premiere erschienen, freut sich. Das Feedback der
Schüler*innen sei durchweg positiv gewesen. Sie hätten die Gasometer-AG
zwar „anstrengend“ gefunden, schon wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit,
aber auch „viel gelernt“. Vor allem die Interviews mit den
Zeitzeug*innen bereiteten ihnen Spaß. „Das zweite Halbjahr ist durch
die vielen Prüfungen ganz zerpflückt. Und normalerweise dauern AGs ja auch
ein ganzes Jahr“, sagt Silberberg.
Der Zeitzeuge Micha Koch nutzt bei der Audiotour die Gelegenheit, seine
Eindrücke der Zusammenarbeit mit dem Publikum zu teilen: „Ich habe darüber
gesprochen, dass sich Menschen verschieden erinnern und sich auch unsere
Erinnerungen verändern. Da hörten alle plötzlich aufmerksam zu“, sagt er.
„Das war für mich der schönste Moment des Projekts.“ Wenn man weiß, dass
man die Schüler*innen erreicht. Wenn es klick macht. Umfeld, Alter,
Vorwissen spielen sicher auch eine Rolle, wie engagiert sich die
Schüler*innen einbringen. Sind Siebtklässler vielleicht zu jung für das
Thema DDR-Geschichte? Ihre persönlichen Berichte zum Thema DDR und ihre
Fragen an die Zeitzeug*innen sprechen dagegen. [5][Auf die Frage, wann
sie das erste Mal von der DDR gehört haben, sagen sie: irgendwann irgendwas
in der Grundschule]. Regulär steht die DDR erst ab der zehnten Klasse auf
dem Programm, oft nur mit einer Wochenstunde.
Die Berliner Senatsverwaltung zeigt wenig Interesse daran, das Fach
Geschichte zu stärken. Im Januar 2026 hatte es Diskussionen gegeben, als
die Länder Berlin-Brandenburg einen neuen gemeinsamen Rahmenlehrplan für
Geschichte beschließen wollten. Hätten sich die Pläne der Berliner
Senatsverwaltung durchgesetzt, wäre DDR-Geschichte in Berlin nur noch
wahlweise Gegenstand des Geschichtsunterrichts in Klasse 12 gewesen.
Der Verband der Berliner Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer schlug
Alarm, die Reform wurde in Teilen zurückgenommen. Die deutsche Teilung
steht nun im zweiten Halbjahr der elften Klasse im Plan. Aber es bleibt
dabei: Berlin hat in der Oberstufe nur zwei Semester, Brandenburg vier
Semester verpflichtend Geschichtsunterricht.
Warum unterstützt der Senat [6][dieser geschichtsträchtigen Stadt] das Fach
Geschichte so wenig? „Das weiß ich leider auch nicht“, sagt Lea Honoré,
Geschichtslehrerin und Vorsitzende des Landesverbands, „ich halte es aber
für einen großen Fehler.“ In anderen Bundesländern hätten Schülerinnen und
Schüler in den Klassen 7 bis 10 sogar durchgehend zweistündig
Geschichtsunterricht.
„Wenn wir wissen, woher wir kommen, hilft das sehr, sich im Hier und Jetzt
zurechtzufinden“, sagt Honoré. Geschichtsunterricht sei das beste Werkzeug,
um Quellen zu hinterfragen, zu bewerten und sich dann eine eigene Meinung
zu bilden. „Es ist das beste Rüstzeug, um in der Gegenwart Fake-News oder
Propaganda begegnen zu können.“
Katharina Kosak, Micha Koch und viele andere sind damals der Propaganda
nicht auf den Leim gegangen. Die Siebtklässler*innen haben recherchiert
und Zeitzeug*innen befragt, eine andere Art der Geschichtsvermittlung
kennengelernt. Nicht ohne Schwierigkeiten. „Schulen sind große komplexe
Tanker“, sagt Cindy Ehrlichmann. „Sie schlucken viel Energie und
unterschätzen oft, was alles daran hängt. Wir sind halt mehr als eine AG.“
Doch die Leute vom Theater o. N. sind Profis, und deswegen ist Ehrlichmann
trotzdem zufrieden: „Wir haben viel erreicht. Es war ein sehr
ambitioniertes Projekt.“ Im kommenden Schuljahr wollen beide, Tanker und
Theater, ihre Zusammenarbeit ausbauen.
* Die Namen der Schüler*innen sind geändert
14 Jul 2026
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