# taz.de -- Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Auf Sands gebaut
       
       > Mit Philippe Sands gewinnt ein renommierter Völkerrechtler den
       > Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Packend schreiben kann er
       > obendrein.
       
 (IMG) Bild: Anwalt, Völkerrechtler, Buchautor: Philippe Sands bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026
       
       Philippe Sands war an mehreren Aufsehen erregenden internationalen
       Gerichtsverfahren beteiligt – unter anderem als Rechtsvertreter von Human
       Rights Watch im Prozess gegen den [1][ehemaligen chilenischen Diktator
       Pinochet ab 1998]. Über die kleinteilige und von Rückschlägen geprägte
       Suche nach Beweisen für Folter und Ermordung inhaftierter Regimegegner hat
       Sands Jahrzehnte später einen brillanten Rechercheroman verfasst: „Die
       Verschwundenen von Londres 38“ erschien auf Deutsch 2025.
       
       Nun wird Sands mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.
       Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz würdigte ihn, der als
       Menschenrechtsanwalt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag arbeitet,
       für seinen Einsatz „für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche
       Verteidigung des Völkerrechts“. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung,
       die zum Ende der Frankfurter Buchmesse am 11. Oktober verliehen wird, ehrt
       seit 1950 Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur
       Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben.
       
       ## Experte für Völkerrecht
       
       Philippe Sands, geboren 1960 in London, studierte Jura in Cambridge und
       entwickelte sich zu einem renommierten Experten des Völkerrechts. Er führte
       Verfahren wegen Kriegsverbrechen wie Folter, Verschwindenlassen und
       Völkermord, trat unter anderem für die Rechte der Rohingya und der
       Palästinenser ein und war mit prägend für den [2][Tatbestands des Ökozids
       in Zusammenhang mit Katastrophen durch die globale Erderwärmung.]
       
       „Die letzte Kolonie“ (2023) erzählt von einem weithin unbekannten Fall von
       postkolonialem Rassismus: Im Jahr 1973 wurden Einwohner:innen des
       Chagos-Archipels im Indischen Ozean in einer brutalen
       Nacht-und-Nebel-Aktion vom britischen Militär vertrieben und deportiert.
       Großbritannien hatte ihre Insel für eine Militärbasis an die USA
       verpachtet. Sands streitet seit 2018 vor dem Internationalen Gerichtshof
       für die Rückkehr der Einwohner:innen.
       
       ## Akribischer Rechercheur
       
       Sands Bücher bestechen durch akribische Recherchen und eine persönliche
       Note: Stilistisch unbekümmert verschränkt er Prozessbericht und Reportage,
       Aktenfunde mit eigenen Betrachtungen und literarischen Anekdoten. Seinem
       lockeren angelsächsischen Erzählton ist es zu verdanken, dass selbst die
       ausuferndsten seiner dicken Bücher den Spannungsbogen halten. Und dass die
       detailliert dargestellten Folter- und Gewaltfälle beim Lesen auszuhalten
       sind.
       
       Dass Philippe Sands, der auch als Kolumnist tätig ist und sich beim
       britischen Schriftstellerverband PEN engagiert, jetzt den Friedenspreis
       erhält, kann als Signal verstanden werden in einer Zeit, in der das
       internationale Völkerrecht zunehmend an Macht und Glanz verliert. Mit
       Philippe Sands wird ein Autor gewürdigt, der sich entschlossen in die
       dunkelsten Kapitel der Gegenwart und jüngeren Geschichte hineinwühlt – um
       das, was er dort findet, dem Vergessen zu entreißen.
       
       In Deutschland erscheinen Sands Bücher bei S. Fischer. Verleger Oliver
       Vogel äußerte sich am Donnerstag „glücklich und stolz“ über den Preis.
       Sands sei für ihn und seine Verlagsmitarbeiter:innen „nicht nur ein
       herausragender Autor, sondern auch ein zutiefst inspirierender Mensch. Sein
       Handeln und seine Haltung ermutigen uns und sind uns Wegweiser und
       Vorbild.“
       
       25 Jun 2026
       
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