# taz.de -- Hitzewelle und Klimapolitik: Dümmer als jeder Frosch
       
       > Ein Hitzedom lässt Westeuropa glühen. Er wird Tausende Menschen das Leben
       > kosten. Ein Krisenstab der Bundesregierung wäre überfällig.
       
 (IMG) Bild: Wer kann, geht baden. Aber bei weitem nicht für alle die die Hitze ein Spaß
       
       Kennen Sie diese ausgelutschte Geschichte mit dem Frosch? Der, der im Topf
       mit sich langsam erhitzendem Wasser hocken bleibt, bis er gar ist, statt
       herauszuspringen? Die ist natürlich Blödsinn. So dumm sind Frösche nicht.
       Noch blöder aber ist, dass die Bundesregierung dümmer ist als jeder Frosch.
       Und angesichts der drohenden Klimakatastrophe einfach nichts tut. Nicht
       langfristig, nicht mittelfristig, nicht kurzfristig. Und damit sind wir
       beim Wetter, das als Folge des Klimawandels heißläuft.
       
       Bis zu 40 Grad [1][sagen die Meteorologen für den Süden und Westen des
       Landes noch im Laufe dieser Woche voraus]. Das wäre – ach, man wird schon
       müde, es zu betonen – mal wieder ein Rekord. Nie dagewesen im Juni seit
       Menschengedenken. Und nein, es geht hier nicht darum, denjenigen, die Spaß
       daran haben, die Laune zu vermiesen. Wer ein [2][funktionierendes Freibad]
       oder einen noch nicht [3][veralgten See] oder wenigstens eine fette Portion
       Zitroneneis in der Nähe weiß, soll es genießen. Aaaah! Schön, oder?
       
       Oder eben nicht für alle. Denn leider ist die Hitze ein gravierendes
       Problem, tödlich vor allem für ältere Menschen. Gefährlich für Kranke und
       Obdachlose. Vor gerade mal zwei Wochen [4][warnten 150 Organisationen
       davor, dass die Bundesrepublik nicht angemessen auf Hitzewellen vorbereitet
       sei,] dass ein sogenannter Hitzedom zu mehreren Zehntausend Toten binnen
       weniger Tage führen könne. Der dringende Rat ist, den Hitzeschutz in
       Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu
       integrieren.
       
       Was klang wie ein fernes Katastrophenszenario, ist ruckzuck Realität
       geworden. In Frankreich gilt in vielen Regionen höchste Hitzewarnstufe.
       Atomkraftwerke werden abgeschaltet, weil Kühlwasser fehlt. Und in
       Deutschland? Wir haben ja keine AKW mehr. Glück gehabt.
       
       Die viel gescholtene Bahn verteilt an solchen Hitzetagen gern mal Eis an
       ihre Kund:innen. Und die Bundesregierung? Hat sie schon einen Krisenstab
       eingerichtet, um Aktivismus wenigstens zu simulieren? Hat sie sich
       überhaupt schon zum Thema geäußert?
       
       Es ist leider auch ein Problem der Wahrnehmung. Die Zahl der Menschen, die
       in den kommenden Tagen infolge der hohen Temperaturen ums Leben kommen,
       werden durch die erst rückblickend berechenbare Übersterblichkeit bekannt
       werden.
       
       Und der Klimawandel wird immer noch viel zu oft in der fernen Zukunft
       vermutet. Dabei bedeuten die 3 Grad mehr bis zum Jahr 2100, [5][auf die es
       derzeit hinausläuft], laut Berechnungen renommierter Klimaforscher rund 6
       Grad in Deutschland.
       
       Davon betroffen sind nicht erst die dann 80-Jährigen, die die heutigen
       Grundschulkinder sind. Denn der Klimawandel ist längst da. Und wird
       stärker. Jahr für Jahr. Doch im Autoland Deutschland wird Lebensqualität
       weiter nicht per Schattenindex gemessen, sondern in Kilometern pro Stunde.
       Vielleicht löst deshalb eine Meldung vom Wochenende die angebrachte
       Reaktion aus: [6][Da mussten aufgrund von Hitze erste Spuren auf Autobahnen
       gesperrt werden].
       
       23 Jun 2026
       
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