# taz.de -- Extremhitze im Südwesten: Wenn Eiswürfelchen nicht reichen
       
       > Im Südwesten herrscht seit Tagen Extremhitze. Vorbereitet sind die
       > Kommunen darauf nicht. Eine Pflegeeinrichtung hilft sich jetzt selbst.
       
 (IMG) Bild: Wenn Ventilatoren heiße Luft aufwirbeln: schiefergedecktes Haus unterm Hitzedom
       
       Dieses Jahr hat es nicht mehr gereicht: morgens lüften, die Rollos runter,
       dann Tee kaltstellen. Den gibt es dann mittags mit Zitronenscheiben oder
       Eiswürfelchen für die Bewohner:innen. So sah bisher der aktuelle
       Hitzeschutz in der Pflegegruppe für Senior:innen im
       rheinland-pfälzischen Neuburg am Rhein aus. Jetzt mussten größere Maßnahmen
       folgen. Die Leiterin Arnika Eck erzählt, dass sie eine mobile Klimaanlage
       angeschafft habe, „denn dieses Jahr sind die Temperaturen sehr extrem“.
       
       In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland herrscht aktuell
       Extremhitze. Von dieser spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) bei einer
       gefühlten Temperatur von über 38 Grad. [1][Am Freitag drohen Temperaturen
       von über 40 Grad.] Im deutschlandweiten Vergleich ist der Südwesten aktuell
       besonders stark betroffen. In den Flusstälern von Rhein, Mosel und Nahe und
       dem Oberrheingraben sind die Temperaturen besonders spürbar. Städte wie
       Mainz, Worms, Kaiserslautern und Ludwigshafen sind zudem durch einen extrem
       hohen Versiegelungsgrad zusätzlich gefährdet. Ludwigshafen gilt als eine
       der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands.
       
       Zwar sei „der Hitzeschutz in Deutschland besser als vor zwei bis drei
       Jahren“, sagt Martin Herrmann, Arzt und Vorsitzender der Deutschen Allianz
       Klimawandel und Gesundheit (Klug), der taz. „Für Extremhitze sind wir
       jedoch nicht vorbereitet. Das muss sich kurzfristig insbesondere in
       Landkreisen und Städten ändern.“
       
       Kommunen unterschätzen die Folgen von Hitze 
       
       „Zwar gibt es erste Schutzmaßnahmen, doch sie sind nicht flächendeckend und
       verbindlich genug. [2][Das kostet vielen Menschen das Leben]“, so Herrmann
       in einer Stellungnahme der Klug. In einem extremen Hitzeszenario, in dem
       etwa im Rheintal über 14 Tage Temperaturen von bis zu 44 Grad herrschen,
       wären laut Klug Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt, man
       müsste Pflegeheime evakuieren. Zehntausende Todesfälle innerhalb weniger
       Tage wären möglich. Wer Deutschland krisenresilient machen wolle, müsse
       Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken. Die Folgen der
       Wetterextreme würden unterschätzt, so die Klug.
       
       Rheinland-Pfalz hat 2024 einen Hitzeaktionsplan veröffentlicht, um den
       Hitzeschutz in den Kommunen besser zu koordinieren und vulnerable Gruppe zu
       schützen. Auf Anfrage der taz konnte jedoch die Kreisverwaltung
       Germersheim, in dem das Pflegeheim von Arnika Eck liegt, nichts zu
       geplanten Maßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans sagen.
       
       Insbesondere ältere Menschen sind gefährdet. Sie haben weniger Durst und
       trinken zu wenig. Für ihre selbst beschaffte Klimaanlage rechnet Arnika Eck
       mit bis zu 2.000 Euro. Zuschüsse vom Land hat sie bisher keine dafür
       bekommen, es musste schnell gehen, also haben sie es erst mal aus der Kasse
       der Wohngruppe bezahlt. Für mehr Hitzeresilienz müssen Bund und Länder
       umfangreich Investitionsmittel bereitstellen, fordert Herrmann. Zudem sei
       „Einsamkeit der wichtigste Risikofaktor bei Hitze. Deswegen müssen wir in
       Hitzeperioden aktiv auf einsame Menschen zugehen“.
       
       In der Wohngruppe überlegt Arnika Eck, [3][einen zusätzlichen Baum im
       Garten zu pflanzen], der würde dann zusätzlichen Schatten spenden. Bis der
       jedoch groß genug ist, wird es aber dauern. Allerdings wird es wohl auch in
       den zukünftigen Sommern extreme Hitze geben. Der DWD geht davon aus, dass
       je nach Szenario bis zum Jahr 2100 eine Zunahme um bis zu 31 Hitzetagen in
       Rheinland-Pfalz möglich ist.
       
       24 Jun 2026
       
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