# taz.de -- Rekordtemperaturen beim Fusion Festival: 36 Grad, und es wird noch heißer
       
       > Am Mittwoch hat in Mecklenburg eines der größten alternativen
       > Musikfestivals in Europa begonnen. Die Veranstalter zeigen sich für die
       > Hitze gewappnet.
       
 (IMG) Bild: Crowdsurfing ohne Alkohol? Bei den aktuellen Temperaturen ist das ratsam. Szene von einem früheren Fusion Festival
       
       Angenehmer Wind begrüßt die Gäste, als sie aus dem Bus aussteigen. Die
       Sonne brutzelt von oben und vom Asphalt der ehemaligen Landebahn. [1][Das
       Gesprächsthema Nummer eins ist: die Hitze]. Schon im Bus äußern viele ihre
       Sorgen, andere lachen sie nervös weg. Das Line-up tritt in den Hintergrund.
       Es wird mehr über Essverhalten geredet als über die zu erwartende Musik –
       wer bei der Hitze wie großen Appetit hat, und wer sich zwingen muss, etwas
       runterzuschlingen. Über Alkoholkonsum, der jetzt mehr hinterfragt wird als
       sonst. Trotzdem ist bei allen Vorfreude da – ein Gefühl, „nach Hause“ zu
       kommen – Sonne hin, Hitzewelle her. Die Veranstalter haben vorgesorgt:
       Schon am Busstand wird zwischendurch kostenlos Wasser verteilt.
       
       Am Mittwoch hat das diesjährige Fusion Festival begonnen. Bis Sonntag
       werden [2][auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz in Lärz] an der
       Mecklenburgischen Seenplatte Zehntausende Gäste erwartet. Das Event im
       Nordosten Deutschlands gilt seit Jahren als eines der größten alternativen
       Musik- und Kulturfestivals in Deutschland und Europa. Neben Musik bietet es
       auch Theater, Performance und Installationen, [3][Workshops und
       Diskussionsrunden]. Im vergangenen Jahr wurden rund 70.000 Besucher
       gezählt, die Künstlerinnen und Musik-Acts auf über 30 Bühnen erleben
       konnten.
       
       Jan aus Berlin sagt. „Ich habe Respekt vor der Hitze, aber habe auch
       gemerkt, dass man sich nach dem ersten Schock daran gewöhnt. Man muss gut
       auf Schatten achten und gegenseitig auf sich aufpassen.“ Er habe aber schon
       Angst, dass jemand stark betrunken ins Zelt gehen und es lebensbedrohlich
       für ihn werden könnte. „Wir müssen alle aufeinander achten und vorsichtig
       sein“, so sein Fazit. Chris, ebenfalls aus Berlin, steht lange für das
       Wasser auf dem Campingplatz an und merkt, dass die Leute lieber 40 Minuten
       im Schatten anstehen als 20 Minuten in der Sonne.
       
       ## Wer auf den Bühnen steht, ist eine Überraschung
       
       Tahg, der aus Australien stammt, aber auch aus Berlin angereist ist, zeigt
       sich angesichts der hohen Temperaturen, die am Wochenende Rekordhöhen
       erreichen sollen, unerschrocken. „Es gibt Sprinkleranlagen auf den Stages“,
       weiß er, und sagt: „Ich habe Vertrauen in das Fusion-Team, dass sie unsere
       Sicherheit im Blick behalten.“
       
       Veranstaltet wird das Festival vom gemeinnützigen Verein „Kulturkosmos
       Müritz“. Mehr als 3.300 Künstler werden in diesem Jahr dort auftreten. Das
       Line-up der beteiligten Künstlerinnen und Künstler wird traditionell nicht
       vorab veröffentlicht. Erst wenn das Festival beginnt, können sich die Gäste
       über den Festivalguide und die App informieren, wer wann auf welcher Bühne
       auftreten wird. Der Überraschungseffekt ist beabsichtigt. Es soll weniger
       um prominente Headliner gehen als darum, vor Ort neue Musik zu entdecken.
       
       Die [4][Sonderzüge der Bahn] zum Festival waren am Mittwoch voll. Wie jedes
       Jahr führte die Polizei am Mittwoch [5][auf den Straßen dorthin auch
       diesmal wieder Fahrzeugkontrollen] durch. Sie will Fahrten ohne gültigen
       Führerschein oder unter Drogen sowie andere Verstöße gegen das
       Betäubungsmittelgesetz unterbinden. Dabei setzt sie auf Urintests und
       Drogentests sowie auf Spürhunde.
       
       ## Die Veranstalter haben vorgesorgt
       
       Auf die Hitze sei man gut vorbereitet, sagten die Veranstalter auf Anfrage.
       Es gebe auf dem Gelände zahlreiche Wasserstellen mit kostenlosem
       Trinkwasser, sagte Suse von Essen von Kulturkosmos Müritz e.V. Die
       Barbetreiber seien aufgefordert worden, den Wasserpreis zu reduzieren.
       Mehrere große Tanzflächen seien außerdem extra mit Wasserzerstäubern zur
       Abkühlung der Tanzenden ausgestattet worden, und zur heißesten Tageszeit
       gebe es auf den großen Bühnen eine mehrstündige Pause, um die
       Besucher:innen zu schützen. Das Erste-Hilfe-Team sei auf hitzebedingte
       Beschwerden vorbereitet.
       
       Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) mahnt die
       Festivalbesucher dennoch zur Vorsicht. „Seid füreinander da, schaut nicht
       weg und schützt eure Gesundheit“, sagte Drese dem Norddeutschen Rundfunk
       (NDR). Alkohol und Hitze seien eine gefährliche Kombination. Denn Alkohol
       entziehe dem Körper Wasser, was schnell zu Kreislaufzusammenbrüchen oder
       Hitzeschäden führen könne. Wichtig sei, viel Wasser zu trinken, auch ohne
       Durstgefühl. Ebenfalls ratsam seien Kopfbedeckungen, Sonnencreme und gute
       Belüftung in den Zelten.
       
       Was den Veranstaltern aber auch wichtig ist: ein politisches Statement. Man
       könne auf dem Fusion Festival mit Feierpausen, kostenlosem Wasser und
       Achtsamkeit den Folgen von Klimawandel und Extremwetter entgegenwirken.
       „Der Klimakollaps wird sich jedoch nicht in Lärz stoppen lassen“, sagt eine
       Sprecherin vom Kulturkosmos der taz. „[6][Die Bundesregierung in Berlin
       muss endlich Verantwortung übernehmen] und einen anderen, klaren Kurs in
       der Klimapolitik einschlagen“, fordert sie.
       
       ## Nächste Fusion erst wieder 2028
       
       Nach der diesjährigen Ausgabe wird das Festival im kommenden Jahr eine
       Pause einlegen – so, wie schon einmal 2017. Als Gründe werden der große
       Aufwand hinter den Kulissen, organisatorische Fragen und andere Baustellen
       angegeben. Die nächste Fusion soll erst wieder im Jahr 2028 stattfinden.
       
       Jule, die aus Berlin angereist ist, zeigt sich beruhigt. „Ich habe echt
       Respekt“, sagt sie, „und ich war im Vorfeld ganz schön nervös“. Der Wind
       helfe, „und man hält es schon aus“, findet sie. „Ich gehe aber mit wacheren
       Augen über das Gelände und versuche, auf andere mit aufzupassen. Mal
       nachzufragen, ob es jemanden gut geht und darauf zu achten, dass keiner im
       Zelt bewusstlos wird. Da müssen wir gut aufeinander achten.“
       
       (Mitarbeit vor Ort: Alice Kuropka)
       
       25 Jun 2026
       
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