# taz.de -- Hitzewelle in Deutschland: 431 Millionen Euro Kosten pro Tag
> Jeder Hitzetag bedeutet Hunderte Millionen Euro Einbußen für die deutsche
> Wirtschaft. Die Linkspartei will Arbeiter*innen besser vor Hitze
> schützen.
(IMG) Bild: Heißes Pflaster: ein Bauarbeiter bei seiner schweißtreibenden Arbeit
Die derzeitige Hitzewelle kostet die deutsche Wirtschaft jeden Tag 431
Millionen Euro, hitzebedingte Erkrankungen und Unfälle verursachen 76.500
Fehltage. Das hat das Beratungsinstitut Prognos für das
Bundesarbeitsministerium [1][ausgerechnet].
Durch den Klimawandel werden Hitzetage, also Tage mit mehr als 30 Grad
Lufttemperatur, deutlich häufiger: Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) waren
es zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich 4,2 pro Jahr. Zwischen 1991 und
2020 waren es schon 8,9 [2][und im vergangenen Jahr 11].
Die Hitze gefährdet ältere Menschen besonders. Drei von fünf Hitzetoten im
Jahr 2025 waren über 85 Jahre alt, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI).
Insgesamt starben demnach 1.200 bis 3.700 Menschen durch die Hitze,
entweder aufgrund eines Hitzeschlags oder wegen einer Vorerkrankung, die
zusammen mit den hohen Temperaturen zum Tod führte.
Diese Kombination aus Vorerkrankung und Hitze macht es schwer, Hitzetote
tatsächlich zu zählen: Häufig ist eine Herz-Kreislauf-Erkrankung die
Todesursache, die aber durch die Hitze verschärft oder überhaupt erst
tödlich wurde. Auf dem Totenschein kommt Hitze als Todesursache dann aber
nicht vor. Das RKI modelliert deshalb die Zahl der Hitzetoten mit
statistischen Methoden.
## Bei Hitze häufen sich Unfälle
Heiße Tage sind auch für viele Arbeiter*innen gefährlich. Wer
körperliche Arbeit in der Landwirtschaft oder auf dem Bau verrichtet, aber
auch als Pfleger*in in heißen Innenräumen, kann bei Hitze weniger leisten
und wird schneller müde. Laut Prognos kommt es an Tagen mit Temperaturen
über 30 Grad deshalb zu 7,4 Prozent mehr Unfällen.
Die Linkspartei [3][fordert] deswegen von der Bundesregierung,
Arbeitgeber*innen zu strengeren Hitzeschutzmaßnahmen zu verpflichten.
„Hitzeschutz ist Arbeitsschutz und somit Pflicht der Arbeitgeber*innen“,
sagt Cem Ince, der in der Linksfraktion im Bundestag für das Thema
zuständig ist. Weil Arbeitgeber*innen häufig keine wirksamen Maßnahmen
ergriffen, seien „gesetzlich verpflichtende Hitzeschutzmaßnahmen dringend
erforderlich“.
## Linke will Klima-Kurzarbeitergeld
Arbeitgeber*innen sind zum Beispiel verpflichtet, eine
Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Diese würden aber „viel zu selten
durchgeführt oder sind nicht auf dem neuesten Stand“, kritisiert Ince.
Die Linkspartei will deswegen zum Beispiel, dass Arbeitgeber*innen bei
Hitze in Innenräumen Getränke, Sonnenschutz und Ventilatoren sowie mehr
Pausen anbieten müssen. Eine entsprechende Empfehlung des
Bundesarbeitsministeriums gibt es zwar schon, sie ist aber nicht
verpflichtend.
Außerdem sollen alle Menschen, die draußen arbeiten, ein
Klima-Kurzarbeitergeld bekommen können. „Es sind ganz viele Berufsgruppen
der Hitze draußen ausgeliefert“, sagt Ince. Als Beispiel nennt er
Kurier-Fahrer*innen ohne kühle Arbeitskleidung, Getränke und klimatisierte
Pausenräume. Für sie soll das Kurzarbeitergeld greifen.
## Betriebe brauchen Unterstützung, sagt Expertin
Miriam Meschede vom Centre für Planetary Health Policy sieht das Problem
eher in der mangelhaften Umsetzung als in falschen oder fehlenden
gesetzlichen Regeln begründet. „Im Arbeitsschutz ist schon jede Menge
geregelt“, sagt auch sie. Sinnvoll sei es, die Gefährdungsbeurteilungen zu
stärken. „Dazu können mehr Kontrollen beitragen, aber auch die
Unterstützung von Betrieben, zum Beispiel durch Sensibilisierung für
Risiken und Impulse für wirksame Maßnahmen.“ Es könne herausfordernd sein,
die vielen Regeln im betrieblichen Alltag zu befolgen, sagt sie.
Ince glaubt, dass eine auf Hitzeschutzthemen fokussierte
Gefährdungsbeurteilung helfen würde, ein Bewusstsein für Hitzegefahren zu
schaffen. Sie müsse von den Arbeitgeber*innen aber ständig
aktualisiert und die Umsetzung von den Arbeitsschutzbehörden kontrolliert
werden. „Es muss politisch diskutiert werden, dass Hitzeschutzpläne enorm
wichtig sind“, sagt er.
Auch Meschede hält betriebliche Hitzeschutzpläne für sinnvoll. „Hitze wird
häufig unterschätzt – auch von Menschen mit Vorerkrankungen, die gar nicht
wissen, dass sie zu einer Risikogruppe gehören“, warnt sie. „Das Thema
bekommt jetzt erst Aufmerksamkeit, aber es ist noch viel
Sensibilisierungsarbeit nötig.“
Hinweis der Redaktion: Wir haben diesen Artikel korrigiert, weil in der
ersten Fassung der Linken-Abgeordnete Cem Ince mit falschem Vornamen
genannt wurde. Außerdem haben wir einen missverständlichen Halbsatz
entfernt, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass es bereits ein
Hitze-Kurzarbeitergeld für Bauarbeiter*innen gibt.
18 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.arbeit-sicher-und-gesund.de/fileadmin/PDFs/Klimawandel/Gutachten/260317_Klimabedingte_Risiken_fuer_die_Arbeitswelt_Report_final.pdf
(DIR) [2] /Klimaprognose-vom-Deutschen-Wetterdienst/!6167349
(DIR) [3] https://dserver.bundestag.de/btd/21/064/2106464.pdf
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Hitze
(DIR) Arbeitsschutz
(DIR) Gewerkschaft
(DIR) Die Linke
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) klimataz
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Hitze
(DIR) Bäume
(DIR) Pakistan
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hitzewelle und Klimapolitik: Dümmer als jeder Frosch
Ein Hitzedom lässt Westeuropa glühen. Er wird Tausende Menschen das Leben
kosten. Ein Krisenstab der Bundesregierung wäre überfällig.
(DIR) Hitze-Alarm in Deutschland: 38 Grad
Am Donnerstag war es bereits heiß, der Freitag legt noch eine Schippe drauf
– vor allem tief im Westen. Berlin springt in den Fluss.
(DIR) Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe: Sag mir, wo die Bäume fehlen
Es wird heiß in den Großstädten und Schatten ist Mangelware. Das zeigt ein
Bericht der Deutschen Umwelthilfe. Welche Städte sind betroffen?
(DIR) Erderwärmung in Pakistan: Das heiße Ende der Welt
Pakistan ist eins der Länder, das am stärksten unter der Klimakrise leidet.
Hitzewellen und Fluten werden extremer, Betroffene kämpfen um Anpassung.
(DIR) Klimawandel in Europa: Spitze bei der Hitze
Europa erhitzt sich schneller als jeder andere Kontinent. 2025 litten
darunter besonders Skandinavien, die Wälder Spaniens – und Seegraswiesen.