# taz.de -- Rot-Grün berät über Hamburger Haushalt: An der Reiterstaffel sparen – oder besser im Sozialen?
> Die Sorgen sind groß: Aktuell berät Hamburgs rot-grüner Senat darüber,
> wofür im kommenden Doppelhaushalt Geld bereitsteht – und wo gespart
> werden muss.
(IMG) Bild: Könnte Hamburgs Steuerausfälle von zwei Jahren ausgleichen: Verzicht auf den Einstieg in das insolvente Elbtower-Projekt
Kommt der Haushalt der Grausamkeiten, vor dem sich besonders Hamburger
Sozialarbeiter:innen und -aktivist:innen schon monatelang sorgen?
Seit Montag berät der rot-grüne Hamburger Senat in einer dreitägigen
Klausur über den kommenden Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028, mit
dem es an einigen Stellen zu Kürzungen kommen dürfte. Wo konkret sie
letztlich vorgenommen werden, ist noch unklar – doch Finanzsenator Andreas
Dressel (SPD) machte bereits vor Beginn der Klausur deutlich, dass der
Senat [1][„nicht mehr alle Probleme mit Geld zuschütten“ könne.]
Dabei wirkt die Furcht vor Kürzungen angesichts der Eckdaten des kommenden
Doppelhaushalts erst mal paradox: Mit rund 48 Milliarden Euro dürfte es ein
Rekordhaushalt werden, den SPD und Grüne verabschieden wollen. Er läge
damit knapp zehn Prozent über dem vergangenen 43,8-Milliarden-Etat, der
auch schon ein Rekord-Etat war und erstmals über der
20-Milliarden-Euro-Marke pro Jahr lag.
Dennoch stehen nun nicht nur das Orchester sowie die Reiter- und die
Hubschrauberstaffel der Polizei zur Disposition – wobei Letztere durch die
Nutzung günstigerer Drohnen ersetzt werden könnte. Auch im Sozialbereich
deuten sich bereits Kürzungen an: So reduziert die Stadt etwa schon nach
den kommenden Sommerferien den Zuschuss für ein Mittagessen in den
Schulkantinen um 25 Cent pro Mahlzeit.
Dazu sollen die Kosten für Schulbegleiter:innen von Schüler:innen
mit Behinderungen sinken, indem mehr Menschen, die ein Freiwilliges
Soziales Jahr machen, eingesetzt werden sollen – statt teureren,
pädagogisch qualifizierten Personals. Zugleich soll die Bewilligung von
Schulbegleitungen restriktiver gehandhabt werden, berichtete zuerst das
Hamburger Abendblatt. In beiden Fällen argumentiert der Senat, dass die
Kosten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen seien und ohne Umsteuern
weiter steigen würden.
## Erwartete Einnahmen sinken um 600 Millionen Euro
Auch befürchten Vertreter:innen der offenen Kinder- und Jugendarbeit
weitere Kürzungen, nachdem ihre Mittel schon im laufenden Jahr gekürzt
worden waren – und die Träger deshalb [2][kurzfristig Personal entlassen
mussten].
Dass trotz des wachsenden Etats weniger Spielraum für Ausgaben besteht, hat
laut Finanzsenator Dressel mehrere Gründe: Zum einen war ursprünglich noch
mit höheren Einnahmen gerechnet worden, andererseits gibt es in den
kommenden Jahren zusätzliche, aber nicht abzuwendende finanzielle
Belastungen. So kam bei der im Mai vorgestellten Steuerschätzung – einer
Prognose, wie viel Geld Hamburg in den kommenden Jahren durch Steuern
einnehmen wird – heraus, dass bis Ende des Jahrzehnts deutlich weniger
reinkommt als zuvor noch gedacht – [3][allein in den kommenden beiden
Jahren sollen knapp 600 Millionen Euro fehlen.]
Hinzu kommt, dass Hamburg künftig mehr in den Länderfinanzausgleich
einzahlen muss. Auch die Personalausgaben, die in Hamburg gut ein Drittel
des Haushalts ausmachen, werden durch Tarifsteigerungen mehr. Und: Hamburg
wird als Stadtstaat, wie andere Kommunen auch, mit zusätzlichen Aufgaben
betraut, die auf Bundesebene beschlossen, aber nicht komplett vom Bund
finanziell übernommen werden.
Wie das aufzufangen ist, bleibt umstritten. In der Welt hat Dressel bereits
vorgeschlagen, offene Stellen in den Behörden etwas zögerlicher
nachzubesetzen, was naturgemäß auf wenig Zustimmung stieß. Allerdings waren
die Hamburger Behörden in den vergangenen Monaten angewiesen worden, sich
selbst Gedanken und dem Senat Vorschläge zu machen, wo gespart werden
könnte – der Eintritt zur Plaza der Elbphilharmonie ist ein Beispiel.
Worauf sich der Senat in seiner Klausur abschließend geeinigt hat – und ob
der Eintritt zur Plaza der Elbphilharmonie künftig etwas kostet und damit
städtische Einnahmen generiert, wollen Bürgermeister Peter Tschentscher und
Finanzsenator Dressel am Mittwochmittag bekanntgeben – und dann der
Bürgerschaft zur Beratung vorlegen. Nicht zur Einsparung vorgesehen dürfte
trotz anhaltender Kritik [4][der städtische Einstieg beim Elbtower sein] –
mit 595 Millionen Euro ist es ziemlich genau die Summe, die Hamburg durch
geringere Steuereinnahmen in den kommenden zwei Jahren fehlen wird.
23 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.welt.de/regionales/hamburg/article6a2bcc1f7e682fc37fbf6fe8/hamburgs-haushalt-nicht-mehr-alle-probleme-mit-geld-zuschuetten-dressel-ueber-die-neuen-sparzwaenge.html
(DIR) [2] /Kuerzungen-in-der-Jugendhilfe/!6149973
(DIR) [3] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/finanzbehoerde/aktuelles/hamburger-mai-steuerschaetzung-2026-1178086
(DIR) [4] /Rettung-des-Hamburger-Elbtowers/!6116612
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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