# taz.de -- Fußball-WM 2026: Wie Trumps Regierung das US-Team propagandistisch nutzt
> Das US-Innenministerium schlachtet die Erfolge des US-Teams aus. Dabei
> passen die Spielerbiografien so gar nicht zur Abschottungspolitik der
> Behörde.
(IMG) Bild: Propagandamaterial: Spieler der USA nach ihrem Sieg gegen Australien
Es waren Bilder wie aus längst vergangenen Zeiten, die das US-Team ein paar
Tage vor Beginn der WM geliefert hat. Beim letzten Test vor dem Heimturnier
gegen Deutschland in Chicago lief die Mannschaft mit Rückennummern in
Regenbogenfarben auf. Das sei eine „alljährliche Tradition während des
Pride-Monats, mit der auf die kontinuierliche Unterstützung des Verbands
für die LGBTQ-Community“ hingewiesen werden solle, [1][wie U.S. Soccer
mitgeteilt hat].
Ein durchaus bemerkenswertes Signal in Zeiten, in denen US-Konzerne ihre
Diversityprogramme einstampfen, um dem US-Präsidenten zu gefallen. Umso
erstaunlicher ist es, wie die Erfolge des US-Teams nun von der Regierung
propagandistisch ausgeschlachtet werden.
Dass das Weiße Haus nach dem 4:1-Auftaktsieg der USA gegen Paraguay [2][zu
einem Bild des Teams auf X] „USA! USA! USA!“ in die Welt posaunt, ist dabei
weit weniger bemerkenswert als die Postings auf dem Kanal des
Innenministeriums. Das Departement of Homeland Security schickte [3][ein
Bild jubelnder Spieler via X] um die Welt und versah es mit der Parole:
„Verteidige das Vaterland! Eine Nation, eine Heimat, ein Team.“ Dazu nur
ein kurzer Text: „Unsere Scholle!“
Nach dem zweiten Sieg der USA gegen Australien postete die Behörde von
Markwayne Mullin, zu der die brutalen Schergen der United States
Immigration and Customs Enforcement ICE gehören, ein Teamfoto und schrieb
dazu: „Mauer gebaut.“ Gnadenlos werden die Auftritte des US-Nationalteams
propagandistisch ausgeschlachtet, so als stünde das Team hinter den
brutalen Inhaftierungs- und Abschiebepraktiken des Innenministeriums.
## Buntes Team
Dass das Team aus einem bunten Haufen von Spielern mit Migrationsgeschichte
besteht, scheint die Content-Creatoren im Innenministerium nicht weiter zu
stören. Folarin Balogun etwa, der gegen Paraguay zwei Tore erzielt hat, ist
als Kind nigerianischer Eltern in London aufgewachsen, wo er als
Jugendlicher die Nachwuchsakademie von Arsenal besucht hat.
Dass er die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist reiner Zufall. Seine Eltern
waren auf einer Urlaubsreise in den Staaten, als er zur Welt kam. So ist
Balogun zu seinem US-Pass gekommen. Er gehört also genau zu den Menschen,
die, ginge es nach Präsident Donald Trump, die Staatsbürgerschaft gar nicht
erhalten hätten sollen.
Doch da sind noch andere. Tim Weah zum Beispiel. Der Sohn der
liberianischen Fußballlegende George Weah ist in Brooklyn geboren. Seine
Mutter stammt aus Jamaika. Er hatte die Wahl, ob er für Jamaika, Liberia,
Frankreich oder die USA antritt. Stürmer Ricardo Pepi ist als Kind
mexikanischer Eltern in Texas zur Welt gekommen und hat ebenso mehrere
Staatsbürgerschaften wie Cristian Roldán, der in Kalifornien geboren wurde
und die Wahl hatte, ob er für El Salvador, Guatemala oder die USA aufläuft.
Dann gibt es noch eine Reihe von Spielern, die nicht in den USA geboren
sind, deren Eltern aber US-Bürger sind oder sich später haben einbürgern
lassen. Einer der prominentesten unter ihnen ist Sergiño Dest, der in den
Niederlanden zur Welt gekommen ist. Seine Mutter ist Niederländerin, sein
Vater stammt aus Surinam. Auch Dest hat zwei Staatsbürgerschaften und eine
für das US-Team beinahe schon typische Einwanderungsgeschichte.
Und nur allzu gern möchte man auch wissen, was sich Verteidiger Chris
Richards denkt angesichts der Vereinnahmung des US-Teams durch das
Departement of Homeland Security. Der hat seinen Fans vor drei Jahren
[4][in einem Video zum Black History Month] erklärt, warum für ihn
Persönlichkeiten wie Barack Obama oder Muhammad Ali so wichtig waren, dass
er sie als Tattoo auf seinem rechten Arm trägt.
Derweil hat das US-Innenministerium [5][einen Post der evangelikalen
Jesusfreunde der „Ballers in God“] mit einer Zeile aus Psalm 150 geteilt:
„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“ Darauf ist ein von Mark
McKenzie angeleiteter Gebetskreis von US-Spielern nach dem Sieg gegen
Australien zu sehen. Mit dabei: Chris Richards. Aber das ist eine andere
Geschichte.
22 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ussoccer.com/stories/2026/06/usmnt/match-preview-vs-germany-chicago-final-match-before-fifa-world-cup
(DIR) [2] https://x.com/WhiteHouse/status/2065632667236790681
(DIR) [3] https://x.com/DHSgov/status/2068023694283116885
(DIR) [4] https://www.cpfc.co.uk/news/video/crystal-palace-defender-chris-richards-talks-tattoos-for-black-history-month/
(DIR) [5] https://x.com/BallersinGod/status/2068094496714236137
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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